Erinnerungskultur in Freudenstadt

 

Die Straßennamen in Freudenstadt

 

 

Alte Quellen behaupten, die erste Generation der Stadtbewohner hätten ihre Stadt noch lange "Friedrichstadt" benannt, obwohl Herzog Friedrich I. von Württemberg ihr bereits zu Beginn der Gründungsphase den Namen „Freudenstadt“ gegeben hatte. Diese Annahme ist zumindest denkbar, da die Namensgebung zunächst vor allem in Planunterlagen der Baumeister sowie in herzoglichen Ausschreibungen und Druckschriften auftauchte und offenbar nicht in einem feierlichen herrschaftlichen Akt – etwa einer offiziellen Verkündung oder Einweihung der Stadt – öffentlich bekannt gemacht wurde.

Ein solcher Vorgang wäre beispielsweise im Jahr 1602 denkbar gewesen, als die Stadt mit der Zuteilung des „Flecken Rodt“ den Status einer Amtsstadt erhielt, oder 1603, als Freudenstadt sein Wappen bekam. Auch bei der Ernennung des ersten Vogts hätte sich eine solche Gelegenheit geboten.

Möglicherweise hängt dies auch damit zusammen, dass die Erbauung Freudenstadts nie als vollständig abgeschlossen betrachtet wurde. Die Stadtplanung, die auf Entwürfe des württembergischen Baumeisters Heinrich Schickhardt zurückgeht, sah einen regelmäßigen Stadtgrundriss zuerst mit drei und ab 1603 mit fünf Häuserzeilen rund um den großen Marktplatz vor. Dieses Konzept wurde jedoch nie vollständig umgesetzt; auch das ursprünglich geplante Schloss wurde nie gebaut.

So könnte sich im alltäglichen Sprachgebrauch zunächst die Vorstellung gehalten haben: „Wir leben in Friedrichs Stadt“. Nur in gedruckter Form, in Flugblättern, "Zeitungen" oder Schriften aus der Druckerei von Cellius in Tübingen (siehe 2_1: Neujahrswünsche an den Herzog von 1603) erscheint der Name "Frewdenstadt". Allerdings konnten damals nur wenige Menschen aus der Bevölkerung lesen.

Erst mit der Benutzung des ersten Siegels (siehe im Beitrag 1_1, Kapitel 5: "Wappen"), also frühestens ab 1612, kann dann der Stadtname auch Siegelin "amtlichen"  Dokumenten aufgetaucht sein.

Das Bewusstsein, Bürger einer vom württembergischen Herzog Friedrich gegründeten Stadt zu sein, hat sich bis in die Gegenwart erhalten. Es wird unter anderem durch zahlreiche Straßen- und Ortsnamen gestützt, die auf Herzog Friedrich Bezug nehmen.

Es wird natürlich auch gestärkt durch alle Bennenungen, die mit dem Namen "FRIEDRICH" verknüpft sind. Dazu gehören heute in Freudenstadt (1.) die Friedrichstraße,  (2) der Herzog-Friedrich-Turm, (3.) Herzog-Friedrich-Straße und (4.) der Herzog- Friedrich-Weg (der Waldweg in Verlängerung von 3.).

Doch nicht nur der Name des Stadtgründers ist Bestandteil der Erinnerungskultur. Auch weitere württembergische Herzöge und später Könige finden sich in Freudenstädter Straßennamen wieder. So tragen Straßen die Namen von Herzog Christoph in der (5.) Christophstraße  und (6. ) Christophstaler Steige.

Weitere Namensgeber sind Herzog Eberhard III. für (7.) Herzog-Eberhard-Straße und Herzog Alexander mit der (8.) Herzog-Alexander-Straße. Hinzu kommt die (9.) Herzog-Eugen-Straße benannt nach dem Herzog Carl-Alexander-Eugen, dem auch der Brunnen vor dem Rathaus gewidmet ist. Auch Herzog Ulrich wurde mit der (10.) Herzog-Ulrich-Straße beehrt.

Schließlich erinnern noch zwei Straßen an württembergische Könige: die (11) König-Karl-Straße nach Karl I. sowie die (12.) König-Wilhelm-Straße nach König Wilhelm II. 

Die relativ große Zahl von Straßen, die nach württembergischen Fürsten benannt sind, verweist auf die enge Verbindung Freudenstadts mit der Geschichte des Hauses Württemberg.

Bei einigen Namen stellt sich allerdings die Frage, auf welchen der mehreren möglichen Namensträger – etwa bei Eberhard, Eugen oder Wilhelm – sich die jeweilige Benennung konkret bezieht und welche Beziehung diese Persönlichkeiten zur Stadt Freudenstadt hatten.

Zur Beantwortung dieser Fragen habe ich über den Stadtgründer Herzog Friedrich hier schon einiges ausgeführt. Bei anderen Personen ist der Bezug weniger unmittelbar. Deshalb dazu nachfolgende Bemerkungen.

 

Herzog Ulrich (1487–1550)Ulrich

 

Ulrich von Württemberg zählt zu den umstrittensten Personen der württembergischen Landesgeschichte. Während seiner Herrschaft wurde die Reformation im Herzogtum Württemberg eingeführt.

Ulrich wurde 1498 im Alter von elf Jahren Herzog von Württemberg. Aufgrund seiner Minderjährigkeit stand er zunächst unter der Vormundschaft der württembergischen Stände und verschiedener Reichsfürsten. Seine Ehe mit Sabina von Bayern, einer Nichte Kaiser Maximilian I., sollte die politischen Beziehungen zwischen Württemberg und Bayern stärken.

Ulrichs aufwendiger Hofstaat und seine militärischen Unternehmungen führten jedoch zu hohen finanziellen Belastungen. Neue Steuern trafen besonders die unteren Bevölkerungsschichten und trugen zum Aufstand des sogenannten „Armen Konrad“ im Jahr 1514 bei, der schließlich niedergeschlagen wurde.

Sein persönliches Verhalten führte ebenfalls zu politischen Konflikten. Nach der Ermordung des Ritters Hans von Hutten im Jahr 1515 und weiteren Auseinandersetzungen mit dem Adel verschlechterte sich seine Stellung im Reich erheblich. Nachdem Ulrich 1519 die Reichsstadt Reutlingen besetzt hatte, griff der Schwäbische Bund ein und vertrieb ihn aus seinem Herzogtum. Dieses fiel vorübergehend an das Haus Habsburg.

Erst 1534 gelang Ulrich mit Hilfe des Landgrafen Philipp I. von Hessen die Rückkehr nach Württemberg. In der Folge führte er dort die Reformation ein und wandelte zahlreiche Klöster in landesherrlichen Besitz um. Damit wurde Württemberg zu einem der früh protestantisch geprägten Territorien im Heiligen Römischen Reich.
Ulrich starb 1550 und wurde in der Stiftskirche in Tübingen beigesetzt. Er war der Vater von Herzog Christoph.
Da Ulrich lange vor der Gründung Freudenstadts lebte, besteht nur ein indirekter Bezug zu der später entstandenen Stadt.

 

Herzog Christoph (1515 - 1568)

Christoph

 

Christoph von Württemberg war der Sohn Herzog Ulrichs und regierte das Herzogtum Württemberg von 1550 bis 1568.
Seine Jugend war von politischen Unsicherheiten geprägt. Nach der Vertreibung seines Vaters lebte Christoph zeitweise unter habsburgischer Aufsicht und hielt sich an verschiedenen europäischen Höfen auf. Erst nach der Rückkehr Ulrichs nach Württemberg konnte sich seine Stellung im Herzogtum festigen.
Bereits 1542 erhielt Christoph die Statthalterschaft über die württembergische Grafschaft Mömpelgard (Montbéliard). Nach dem Tod seines Vaters übernahm er 1550 die Regierung des Herzogtums.
Während seiner Regierungszeit festigte er die lutherische Reformation und reorganisierte Verwaltung, Kirchenwesen und Schulwesen durch zahlreiche Landesordnungen. Auch die Residenzstadt Stuttgart wurde unter ihm weiter ausgebaut; das Alte Schloss erhielt seine heute noch erkennbare Renaissancegestalt mit Arkadenhof.

Nach Christophs Tod im Jahr 1568 folgte ihm sein Sohn Ludwig von Württemberg als Herzog von Württemberg. Dieser regierte bis 1593 und hinterließ keine legitimen Erben. Nach seinem Tod fiel die Herrschaft an die Linie Württemberg-Mömpelgard, aus der schließlich Herzog Friedrich I. hervorging, der die Stadt Freudenstadt gründete.
Auch Herzog Christoph lebte vor der Gründung Freudenstadts, so dass nur ein indirekter Bezug (vor allem über "Christophstal") zur Stadt besteht. Seine Regierungszeit prägte jedoch entscheidend die politische und religiöse Entwicklung Württembergs, aus der heraus die spätere Stadtgründung möglich wurde.

 

 

 

Herzog Friedrich I. (1557–1608)Friedrich

 

Friedrich I. von Württemberg war von 1593 bis 1608 Herzog von Württemberg und ist der Gründer der Stadt Freudenstadt. Er wurde 1557 als Sohn von Herzog Georg I. von Württemberg-Mömpelgard geboren und wuchs teilweise in der Grafschaft Mömpelgard (heute Montbéliard in Frankreich) auf.

Nach dem Tod seines Vetters Ludwig von Württemberg übernahm er 1593 die Regierung des Herzogtums Württemberg. Friedrich galt als ehrgeiziger und wirtschaftlich orientierter Landesfürst. Er förderte Handel, Bergbau und Gewerbe und ließ zahlreiche Bauprojekte verwirklichen.

Ein wichtiges Ziel seiner Politik war die wirtschaftliche Entwicklung des nördlichen Schwarzwaldes. Um diese Region zu erschließen, gründete er 1599 die Stadt Freudenstadt. Die Planung übertrug er dem württembergischen Baumeister Heinrich Schickhardt. Dieser entwarf den zuletzt verwirklichten Stadtgrundriss mit dem ungewöhnlich großen quadratischen Marktplatz und regelmäßig angelegten Straßenzügen nach den Wünschen des Herzogs. Schickhardt hatte ursprünglich eine andere Stadtgliederung konzipiert.

Freudenstadt sollte als Handels- und Verwaltungszentrum sowie als Zufluchtsort für protestantische Glaubensflüchtlinge dienen.

Viele der ursprünglichen Pläne – etwa der Bau eines herzoglichen Schlosses – wurden jedoch nie vollständig umgesetzt.

Friedrich I. starb 1608 in Stuttgart.

Sein bedeutendstes Vermächtnis im Schwarzwald bleibt die Gründung der Stadt Freudenstadt. Näheres zu seiner Person in dem Beitrag 1_1: Stadtgründung von Freudenstadt.

 

Herzog Eberhard III. (1616 - 1674)

Eberhard

 

Er war der Sohn von Herzog Johann Friedrich (1582-1628) und damit der Enkel von Friedrich I., dem Stadtgründer von Freudenstadt.

In den Beiträgen 1_2: "Stadtbefestigung und Tore und 6_3: "Das Duell vor der Frewdenstadt" wurde schon auf ihn und seinen Bezug zu Freudenstadt hingewiesen.

Eberhard III. von Württemberg war von 1628 bis 1674 Herzog von Württemberg. Seine Regierungszeit fiel in eine der schwierigsten Phasen der württembergischen Geschichte, die stark vom Dreißigjähriger Krieg geprägt war.
Eberhard wurde 1614 geboren und übernahm bereits 1628 als Kind die Regierung. Zunächst stand er unter Vormundschaft. Nach der Niederlage der protestantischen Seite in der Schlacht bei Nördlingen (1634) musste er mit seiner Familie ins Exil nach Straßburg fliehen, während Württemberg zeitweise von kaiserlichen Truppen besetzt war.
Erst nach dem Westfälischen Frieden im Jahr 1648 konnte Eberhard III. in sein Herzogtum zurückkehren und die Regierung wieder vollständig übernehmen. In den folgenden Jahren bemühte er sich um den Wiederaufbau des stark zerstörten und entvölkerten Landes. Dazu gehörten Maßnahmen zur Förderung von Landwirtschaft, Handwerk und Zuwanderung.
Auch die Stadt Freudenstadt war während des Krieges schwer betroffen und verlor einen großen Teil ihrer Bevölkerung. Der Wiederaufbau und die Stabilisierung des Landes fielen daher in die Regierungszeit von Eberhard III.
Herzog Eberhard starb 1674. Seine Herrschaft steht vor allem für die schwierige Zeit des Wiederaufbaus Württembergs nach dem Dreißigjährigen Krieg.

Sein Sohn Wilhelm-Ludwig (1647-1677) folgte ihm für nur drei Jahre als regierender Herzog nach, weil er im Alter von 30 Jahren in Hirsau überraschend starb.

 

 

Herzog Alexander (1684 - 1737)

 

AlexanderVon 1733 bis 1737 regierte er als elfter Herzog in Württemberg im Geiste des Absolutismus.

Er trat zunächst in den Militärdienst des Habsburgerreiches ein. Dort machte er eine erfolgreiche Karriere als Offizier und kämpfte unter anderem in den Türkenkriegen. Während dieser Zeit trat er vom evangelischen zum katholischen Glauben über, was später in seinem überwiegend protestantischen Heimatland für Spannungen sorgte.
Im Jahr 1733 wurde er Herzog von Württemberg, nachdem sein Cousin Eberhard-Ludwig (1676-1733), gestorben war. Zu dieser Zeit war er mehr kaiserlicher Österreicher als württembergischer Schwabe.

Karl Alexander versuchte, die Macht des Herzogs zu stärken und die Finanzen des Landes zu reformieren. Dabei arbeitete er eng mit seinem Finanzberater Joseph Süß Oppenheimer zusammen. Oppenheimer sollte die Staatsfinanzen ordnen und neue Einnahmen schaffen. Diese Maßnahmen führten jedoch zu Konflikten mit den württembergischen Ständen und Teilen der Bevölkerung.

Als Sündenbock wurde 1738 der fürstliche Finanzberater Joseph Süß Oppenheimer, genannt Jud Süß hingerichtet. Eine großangelegte landständische Propagandaaktion schob ihm die Verantwortung für alle ungeliebten Projekte des verstorbenen Herzogs in die Schuhe – nur an den wenigsten war er tatsächlich beteiligt gewesen.

Siehe dazu auch den Beitrag 4_3: "Wenn das Gold am Galgen hängt..."
Karl Alexander starb 1737 überraschend in Ludwigsburg. Nach seinem Tod wurde Joseph Süß Oppenheimer verhaftet und später hingerichtet. Der noch minderjährige Nachfolger Karl Eugen konnte dem nichts entgegensetzen.

Die kurze Regierungszeit Karl Alexanders bleibt bis heute ein umstrittenes Kapitel der württembergischen Geschichte.
Karl Alexander war ein reformorientierter, aber politisch umstrittener Herzog, dessen Politik große Konflikte im Land auslöste.

 

 

Herzog Eugen (1728 - 1793)

 

Herzog_Eugen

Gemeint ist Herzog Carl Eugen (Karl) von Württemberg, der ein

Mitglied des württembergischen Herzogshauses und ein bedeutender Militärführer des 18. Jahrhunderts war.

Er wurde 1728 als Sohn des Herzogs Karl Alexander von Württemberg geboren und war ein Bruder des regierenden Herzogs Karl Eugen von Württemberg. (Es gab drei regierende Herzöge mit dem Namen "Eugen"!)
Eugen machte vor allem in der preußischen Armee Karriere und diente unter König Friedrich II. von Preußen. Während des Siebenjährigen Krieges zeichnete er sich als General aus und übernahm zeitweise wichtige militärische Kommandos.
Neben seiner militärischen Laufbahn war er auch in württembergischen Diensten tätig und übernahm Verwaltungsaufgaben innerhalb des Herzogtums. Durch seine Stellung im europäischen Militär und seine Zugehörigkeit zum württembergischen Herrscherhaus gehörte er zu den bekannten Persönlichkeiten seiner Zeit.

Er wird als äußerst widersprüchliche Person beschrieben, die sich vom zügellosen jungen Mann zum geläuterten älteren Herrscher gewandelt haben soll. Diese Wandlung wurde vor allem (u.a.) dem Einfluss seiner zweiten Frau, Franziska von Hohenheim, zugeschrieben.

1737 stand er noch unter Vormundschaft, ab 1744 übernahm er die alleinige - rund 50-jährige - Regentschaft in Württemberg. Er regierte von 1737 bis 1793.

Sein Name lebt heute unter anderem in verschiedenen Orts- und Straßennamen in Württemberg fort. Siehe dazu den Beitrag 1_4: Drei historische Brunnen

 

 

 

König Karl von Württemberg (1823–1891)
Karl

 

Karl I. von Württemberg war von 1864 bis 1891 König von Württemberg. Er war der Sohn von Wilhelm I. von Württemberg (1781-1864, Regierungszeit 1816-1864) und dessen dritter Ehefrau Pauline von Württemberg.
Karl bestieg 1864 den Thron und regierte in einer Zeit großer politischer Veränderungen in Deutschland.

Während des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 stand Württemberg an der Seite Preußens. Nach dem Sieg über Frankreich trat das Königreich Württemberg dem neu gegründeten Deutsches Kaiserreich bei.
Trotz der Einbindung in das Reich behielt Württemberg einige eigene Rechte, etwa im Post- und Eisenbahnwesen sowie im Militär. Karl förderte außerdem Wissenschaft, Kunst und soziale Einrichtungen im Land.

Seit Ende der 1870er Jahre kam in der Bevölkerung seiner Hauptstadt immer wieder Unwille wegen seiner ständigen Aufenthalte in Italien und an der französischen Riviera sowie am Bodensee auf. Er übergab seinen Ministern – allen voran Hermann Mittnacht – immer mehr Regierungsverantwortung.

König Karl war zwar mit Königin Olga verheiratet, doch sein Interesse galt zunehmend anderen Männern. Eine seiner Beziehungen mit einem Mann entwickelte sich zu einem internationalen Skandal: 1888 erhob König Karl seinen amerikanischen Liebhaber Charles Woodcock in den Adelsstand und stattete ihn finanziell aus. Diese Adelung empörte den Hof. Außerdem mischte sich der Amerikaner zunehmend in die Landespolitik ein. König Karl wurde daher in Zeitungen im In- und Ausland heftig kritisiert.

Kaiser Wilhelm II. und auch Reichskanzler Bismarck versuchten den Skandal anzuheizen, um Karl zur Abdankung zu bewegen.

Da seine Ehe mit Olga von Württemberg kinderlos blieb, folgte ihm 1891 sein Neffe Wilhelm II. von Württemberg auf dem Thron.

Ein direkter Bezug zu Freudenstadt kann nicht hergestellt werden.

 

 

 

 
König Wilhelm II. von Württemberg (1848–1921)

 

Wilhelm

Wilhelm II. von Württemberg war der letzte König von Württemberg. Er regierte von 1891 bis 1918.
Wilhelm war ein Neffe von König Karl und galt als volksnaher und eher zurückhaltender Monarch. Während seiner Regierungszeit entwickelte sich Württemberg wirtschaftlich und gesellschaftlich weiter zu einem modernen Industriestaat innerhalb des Deutsches Kaiserreich.
Seine Herrschaft endete im Zuge der politischen Umwälzungen am Ende des Ersten Weltkriegs. Das Deutsche Reich und mit ihm die Monarchie waren zusammengebrochen.

Am 9. November 1918 stürmten Revolutionäre das Wilhelmspalais, den Stuttgarter Wohnsitz des Königs, und hissten die rote Fahne. Das Königspaar musste die Stadt verlassen und floh nach Bebenhausen. Während der Novemberrevolution 1918 dankte Wilhelm II. dann als König ab, und aus dem Königreich Württemberg wurde der „Volksstaat Württemberg“.

Wilhelm II. blieb auch danach eine respektierte und hoch geachtete Persönlichkeit im Land.

Von seiner Residenzstadt Stuttgart war er aber zutiefst enttäuscht, so dass er nie mehr dorthin zurückkehren wollte und sich sogar in Ludwigsburg begraben ließ.

Er starb 1921 in Bebenhausen bei Tübingen.

Mit ihm endete die mehr als 800-jährige Herrschaft des Hauses Württemberg über das Land.

Er besuchte Freudenstadt 1899 zu ihrer 300-Jahr-Feier. Siehe dazu den Beitrag 7_1: Stadtschultheiß Hartranft.

 

Nicht nur bei der 300-Jahr-Feier der Stadtgründung von Freudenstadt (1899) bewies die Stadt ihre Verbundenheit und Treue zum Hause Württemberg; diese lebt bis heute durch die Namensgebungen der Straßen fort.

Aber die Namensgebungen waren zeitweise auch politisch erzwungen. So mussten die heutige "Landhaustraße" und der "Promenadenplatz" in der Nazi-Zeit (wie in fast jeder deutschen Stadt) "Adolf-Hitler-Straße"  und "Adolf-Hitler-Platz" heißen. Im Zuge der Entnazifizierung wurden diese wieder umbenannt und die meisten erhielten ihre ursprünglichen Namen zurück oder wurden neu benannt.

 

Weitere Namensgruppen prägen das Straßenbild in Freudenstadt. Natürlich sind viele Dichter und Denker, Musiker, Erfinder, Baumeister; Politiker und Ortsgrößen darunter, die mehrheitlich und geschichtlich bekannt sind.

Weniger Wissen dürfte über folgende Personen als Namensgeber von Freudenstädter Straßen vorliegen:

 

Benzinger Straße:  Hugo Benzinger (1900–1944) war ein Tübinger Stadtrat der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und ein aktiver Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Aufgrund seiner Überzeugungen wurde er mehrfach inhaftiert. Benzinger starb 1944 während der Haft.

 

Briegelstraße:  Wolfgang Carl Briegel (1626 -1712) war deutscher Komponist und schuf u.a. etliche Werke geistlicher Chormusik.

 

Brandströmstraße:  Elsa Brändström wurde als „Engel von Sibirien“ bekannt, Sie pflegte zwischen 1914 und 1920 Soldaten, die unter den menschenunwürdigen Bedingungen in den russischen Kriegsgefangenenlagern des Ersten Weltkrieges litten. Bis heute wird ihre Person als Leitfigur für Nächstenliebe, Empathie und Zivilcourage gesehen und in einem Atemzug mit Mahatma Gandhi und Mutter Teresa genannt.

 

Clara-Schunmann-Weg : Clara Schumann (1819–1896) war eine bedeutende deutsche Pianistin, Komponistin und Klavierpädagogin, die als Kind unter dem Namen Josephine Wieck Leipzig geboren wurde. Nach ihrer Heirat mit dem Komponisten Robert Schumann im Jahr 1840 nahm sie dessen Nachnamen an und wurde weltberühmt als Clara Schumann. Als Clara Wieck galt sie schon als "Wunderkind".

 

Eugen-Nägele-Straße:  Eugen Nägele (1856 - 1937) war Heimatforscher, Mitbegründer des Schwäbischen Albvereins und Herausgeber der Tübinger Blätter. Zusammen mit dem Württembergischen Schwarzwaldverein gründete er 1897 das Schwäbische Jugendherbergswerk, einen Vorläufer des Deutschen Jugendherbergswerkes.

 

Gminder Weg:  Emil Gminder (1873-1963) war ein deutscher Textilunternehmer in Reutlingen, das bis 1967 produzierte. Nach ihm wurde das Gminder Leinen benannt, ein Halbleinen-Gemisch, das oft für Kostüme verwendet wurde.

 

Gottlob-Günther-Straße:  Karl Gottlob Günther (1752-1832) war sächsicher Archivar und Verwaltungsjurist. Zwischen 1777 und 1792 entwarf er Vorläufer des europäischen Völkerrechts in Friedenszeiten

 
Gustav-Stoll-Weg: Gustav Stoll war ein bedeutender deutsch-schweizerischer Pomologe, Gartenbauinspektor und erster Direktor des Pomologischen Instituts in Proskau. Er prägte den Obstbau im 19. Jahrhundert maßgeblich.

 

Johannes-Brenz-Straße: Johannes Brenz war ein bedeutender deutscher Reformator und lutherischer Theologe, der maßgeblich die Reformation im Herzogtum Württemberg einführte. Als enger Mitstreiter Martin Luthers wirkte er lange in Schwäbisch Hall und Stuttgart, prägte das Schulwesen und verfasste wichtige theologische Schriften.

 

Karl Weickert Weg:  Karl Weickert (1912 – 1942) war ein deutscher Glasmacher, der als Opfer der NS-Justiz im Strafgefangenenlager Börgermoor verstarb.

 

Karl-von-Hahn-Straße: Karl-von-Hahn (1848 -1925), geboren in Friedrichstal bei Freudenstadt, war Bevollmächtigter des Roten Kreuzes. Er unternahm ausgedehnte Forschungsreisen im Kaukasusgebiet und veröffentlichte 1924 das erste Lehrbuch der Geographie Georgiens. 1878 wurde er in den russischen Adelsstand erhoben. Bis dahin nannte er sich Karl Hahn.

 

Lise-Meitner-Straße:  Lise Meitner (1878-1968) war eine bedeutende österreichisch-schwedische Physikerin, die maßgeblich an der Entdeckung der Kernspaltung - in Zusammenarbeit mit Otto Hahn - beteiligt war. Er bekam den Nobelpreis, sie wurde übergangen!

 

Max-Eyth-Straße: Max Eyth (eigentlich Friedrich Maximilian von Eyth 1836–1906) war ein bedeutender deutscher Ingenieur, Schriftsteller und Pionier der landwirtschaftlichen Mechanisierung. Bekannt als Gründer de Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) förderte er den Einsatz von Dampfpflügen weltweit. 

 

Paulinenstraße:   Wahrscheinlich nach Königin Pauline (1800 - 1873) von Württemberg benannt. Sie war die dritte Ehefrau von König Wilhelm I. und damit die Mutter vom späteren König Karl.

 

Stöfflerstraße: Stöffler, Stoeffler, Stöfler) ist überwiegend im süddeutschen Raum verbreitet. Er leitet sich als Koseform von Steffler ab, was ursprünglich ein Kurzname für den Vornamen Christoph ist. Ein bekannter Namensträger war der Astronom und Mathematiker Johannes Stöffler (1452-1531), der als erster Professor für Astronmie und Astrologie an der Universität Tübingen wirkte. Seine Vorschläge zur Kalenderreform im Jaht 1518 dienten später als Grundlage für die Gregorianische Kalenderreform.

 

Thea-Rasche-Weg: Thea Rasche (Pilotin, 1899–1971): Sie war eine berühmte deutsche Kunstfliegerin und Journalistin, die als erste deutsche Frau den Kunstflugschein erwarb. In den USA wurde sie als "The Flying Fräulein" bekannt. Ihr vollständiger Vorname war Theodora.



 

 


 

 

Quellen:

 

Wikipedia: 

Alle Personen des Fürstenhauses. 

Namensgeber der Freudenstädter Straßen

 

Zu den Personen des Fürstenhauses siehe auch das Stadtlexikon Stuttgart:

https://www.stadtlexikon-stuttgart.de/dts/index.html

 

1.

https://www.klosterhirsau.de/wissenswert-amuesant/persoenlichkeiten/ulrich-von-wuerttemberg

 

2.

H. Scherr, 1839, Reutlingen:Herzog Ulrich, der Verbannte, von Wirtenberg,

https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1256457027#page/n8/mode/1up

 

3.

Ulrich, Herzog zu Württemberg. Ein Beitrag zur Geschichte Württembergs und des deutschen Reichs im Zeitalter der Reformation,

Dritter Band, vollendet und herausgegeben von Dr. Karl Pfaff, Tübingen,1844.

https://archive.org/details/bub_gb_jWQAAAAAcAAJ/page/n6/mode/1up

 

4.

Gerhard Raff: Hie gut Wirtemberg allewege II, Das Haus Württemberg von Herzog Friedrich I. bis Herzog Eberhard III., 2. A., 1995, Degerloch

 

 


 

 

Bilder:

 

Bild 1 und 2: Siehe die Beiträge 1_1 und 2_1.

 

Alle anderen Bilder sind lizensfrei unter Wiki commons bei Wikipedia zu finden.

 

 

 


 

 

Letzte Änderung: 09.03.2026

 

Freudenstädter - Marktplatz - Geschichten: 7_3: Erinnerungskultur in Freudenstadt
 
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