1. Kapitel - Die
Münzstätte „Christophstal“
![]() ![]() |
| Revers = Rückseite Avers = Vorderseite |
Dieser Taler wurde im Christophstal geprägt. (1)
Er zeigt auf der Rückseite den
Heiligen Christophorus mit dem Jesuskind mit Heiligenschein auf der
Schulter, welches die "Weltkugel" trägt ("Die Last der Welt").
Er
benutzt einen Baum als Stützstab und trägt das Kind über einen Fluss, hier
der Forbach, der durchs Christophstal fließt. Links neben dem Hl.
Christophorus und dem Jesuskind befindet sich ein ovaler, mit einem
Fürstenhut bekrönter Wappenschild mit dem württembergischen Wappen.
Im...
1. Feld: Das Wappen des Herzogtum Teck (schräg
geweckt), im ...
2. Feld: Die Reichssturmfahne (Fahne mit Schwenkeln, belegt mit einem schwarzen Adler), die die württembergischen Herzöge durch den Besitz der Stadt Markgröningen tragen durften, und im ...
3. Feld: Das Wappen der Grafschaft von Mömpelgard (zwei aufrechte, abgekehrte Barben), im...
4. Feld: Das Wappen der Herrschaft Heidenheim (der Rumpf eines bärtigen Mannes mit Mütze) und im Herzschild das Wappen des Herzogtum Württemberg (3 Hirschstangen untereinander).
Links und rechts des Wappenschildes befindet sich je
ein Füllhorn (links ist nur der obere Ansatz erkennbar) und man kann sehen,
wie aus dem rechten Münzen herausquellen.
Der Hintergrund des Münzbildes zeigt eine Landschaft im
Rokokostil, die typisch für Jonas Thiébauds Arbeit ist. Es sind die
Bergwerksanlagen im Christophstal und eine Ansicht auf Freudenstadt mit
Kirchtürmen zu sehen.
So
werden durch die Details der Münze viele Aspekte der Geschichte des
Münzprägers sichtbar.
Der Taler wurde unter Herzog Karl Friedrich II. von
Württemberg-Oels ausgegeben, dessen Titel die Legende der Vorderseite nennt:
CAROL (us) FRID.(ericus)
DUX.WURT.(embergensis)
TEC.(censis) et ÖLS.(nensis) ADEMI.(nistrator)
ET TUTOR. -
was so viel heißt wie: Karl Friedrich Herzog von Württemberg, Teck und Oels,
Verwalter und Vormund.
Das Münzbild zeigt die Büste des Münzherrn nach rechts in Brustpanzer mit Hermelinmantel und mit dem Kreuz des Polnischen Weißen Adlerordens am Band.
Unter der Büste befindet sich die Signatur des
Stempelschneiders Jonas Thiébaud.
Die Herkunft wird angegeben mit: 1/2 R THALER AUS DEM BERGWERCK ZV.CHRISTOPHS.TAL.
Herzog Karl Friedrich II. (1690-1741) war der Nachkomme
in vierter Generation des Stadtgründers von Freudenstadt, Herzog
Friedrich I. von Württemberg (1557-1608).
(Bild: rechts)
Es handelt sich hier um eine sog. Ausbeutemünze.
Wenn ein Bergwerk in "Ausbeute" kam, konnte der
Landesherr bzw. Besitzer des Bergwerkes einen Ausbeutetaler (Ausbeutemünzen)
prägen lassen. Es wurde aus dem Material (Edelmetall) des Bergwerkes
geprägt, das in Ausbeute stand. Damit sind eindeutige Symbole verbunden, die
mit dem Besitzer bzw. dem Bergwerk in Verbindung gebracht werden können). Es
handelt sich meist um Silbermünzen. Die Prägung von Ausbeutetalern erfolgte
etwa ab dem 15. Jahrhundert. Dieser hatte oft keinen
aufgedruckten Geldwert,
dann waren sie als ein Renomiergaben anzusehen, die der Auftraggeber nach
Gutdünken verteilen konnte.
Hergestellt
wurde diese Münze, wie viele andere vor und nachher, nach den Vorbildern
des ersten Christophstaler von 1606, den Herzog Friedrich I. prägen ließ.
Wappen und Leitmotiv "Christophorus" sind zu erkennen.
Unter der Leitung von Peter Stein, dem Generalfaktor für den Messinghandel (1616–1628) und Münzmeister in "Sankt Christophstal" mit dem Titel Münzinspektor erlebte das Christophstal seine erste Blüte als Münzstätte von 1622 bis 1628. Peter Stein war der Herr über die Knappen und Laboranten im Tal. (2)
Herzog Friedrich I. hatte 1606 das Messingwerk gegründet. Eben dieser Peter
Stein bezog 1627 nach der Fertigstellung seinen Alterssitz, den "Freihof,
das zehnt- und steuerfreie Bärenschlößle." (3)
Laut der Beschreibung des Oberamts Freudenstadt wurde es früher "Stein'sches Freigut" genannt und soll von Herzog Christoph als "Jagdschloss" erbaut worden sein. Es soll sich hier eine "Freistätte" befunden haben, in welcher asylsuchende "Bedrängte und Verbrecher" für 48 Stunden Sicherheit fanden. (33)
"Ein berühmtes Asyl war das Freistüble in Christofstal bei Freudenstadt." (55,Seite
477)
Dass die Überlieferung des "Jagdschlosses" und auch die
Errichtung des Hauses zu Herzog Christophs Zeiten, nicht stimmen kann, hat
schon M. Eimer dargestellt. Er hat dazu einen fürstlichen Befehl von
29.02.1628 gefunden, in dem Peter Stein "Garten, Wiesen und neu
erbaute Behausung" steuerfrei zugesprochen werden. (43, siehe
Seite 128)
Viel wahrscheinlicher aber ist, dass sich das
Asyl-"Freistüble" nicht im Stein'schen Haus (es wurde ja erst nach
1600 gebaut), sondern in dem alten, ehemaligen Talwirtshaus »Zum großen
Christoph« befand, neben dem 1572 noch eine kleine Kapelle ("Filial von
Dornstetten") stand, die mit großer Wahrscheinlichkeit dem heiligen
Christophorus gewidmet war. Beide Gebäude befanden sich an der alten
Forbachbrücke, wo die Kniebisstraße abgeht. Heute befindet sich dort die
Kreuzung Christophsstraße/Talstraße. Möglicherweise war die aufgelassene
Kapelle der ursprüngliche "Asylort", der dann auf eine Stube im Wirtshaus
übertragen wurde. Nachgewiesen ist, dass die kirchliche Betreuung des
Christophstals vor 1600 von Dornstetten ausging! (56) Da beide Gebäuden nach 1600 nicht mehr erwähnt
werden, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass das Wissen über den genauen Ort
des "Freistüble" verloren ging und später einfach dem Stein'schen Haus
zugeordnet wurde.
Mit seiner Renaissance-Fassade und seinem Staffelgiebel dient es als Wahrzeichen des Christophstals. "Es war nie als Schlößle gedacht. Es wurde erst im Zeitalter der Romantik zum Schlößle", schreibt Hertel. (3)
Es war auch bei der Landesgartenschau 2025 ein
zentraler "Hingucker". Es ist das älteste bauliche Überbleibsel aus den
Gründerjahren der Stadt Freudenstadt. Beim großen Stadtbrand im Jahr 1632
wurde nämlich ein großer Teil der Stadt, 144 Häuser eingeäschert. Bei der
Pest 1610/11 starben 800 Menschen und 900 sollen abgewandert sein. Nach der
verlorenen Schlacht bei Nördlingen (1634) wurden durch
kaiserlich-habsburgische Truppen erneut Gebäude Freudenstadts in Brand
gesetzt und viele der verbliebenen Einwohner ermordet. Zudem brach die Pest
1635 erneut aus und vernichtete wiederum nahezu jegliches Leben.
Freudenstadt blieb über Jahre hinweg weitgehend verödet. In einem Bericht an
den Herzog hieß es 1640, Dornstetten und Freudenstadt seien beide "verderbte
Orte"! Somit war 40 Jahre nach Baubeginn in der Stadt fast alles Leben
erloschen. Im Jahr 1652 lebten etwa 300 Menschen wieder in Freudenstadt. Man
muss sich fragen, warum die Stadt überlebt hat. Welches Interesse bestand,
sie am Leben zu erhalten? Dazu später mehr. Dabei hatte doch alles so gut
angefangen.
2. Kapitel - Planungen und Baubeginn
Um das Jahr 1598 hatte Herzog Friedrich seinen
Baumeister Schickhardt beauftragt, das geplante Baugebiet auf seine
Tauglichkeit zu untersuchen. In seinem "Inventar" von 1635, seinem
Rückblick, beschrieb Schickhardt, was er vorgefunden hatte.
(4):
"1599 Freudenstadt. Da hab ich, alß es noch ein wald
gewesen, den ersten augenshein ein genommen, den Boden an vilen
undershidlichen orten zemlich tief ersuochen lassen, aber wenig guots
gefunden, dero wegen ich in underthonigkhait darfür gehalten, das nit
Rhatsam ein Stat dahen zu bauwen, weil es aber dem durchleichtigen
hochgebornen fürsten und herren herren Friderich hertzogen zu Wurtemberg
also gnedig beliebt, hab ich ein abriß zu einer grosen Statt und Schloß
gemacht, da ich geordnet, das beii jeder behausung ein hof oder gertle und
das Schloß am ort der Statt sein solte. Es haben aber Ir[o] f[ürstlichen]
g[naden] gewolt, das hender und vor jedem haus ein gassen und das shloß
mitten auff dem margt stehen soll. Also hab ich ein andern abriß Ir[o]
f[ürstlichen] f[naden] befelch gemes gemacht. Solcher visierung nach ist
auch dise statt erbaut worden, das Schloß aber ist noch nit angefangen." (4)
Übersetzt:
1599 Freudenstadt. Da habe ich, als dort noch ein
Wald gewesen ist, den ersten Augenschein genommen, den Boden an vielen
verschiedenen Stellen ziemlich tief untersuchen lassen, aber wenig Gutes
gefunden, weswegen ich untertänig dafür plädiert habe, dass es nicht ratsam
sei, eine Stadt da hin zu bauen. Weil es aber dem durchlauchtigen,
hochgeborenen Fürsten und Herrn Friedrich Herzog zu Württemberg gnädig
beliebt hat, habe ich einen Plan für eine große Stadt und ein Schloss
gemacht, wobei ich eine solche Ordnung vorgenommen habe, dass bei jedem Haus
ein Hof oder Gärtlein und das Schloss mitten in der Stadt sein sollte. Es
haben aber Ihre Fürstlichen Gnaden gewollt, dass hinter und vor jedem Haus
eine Gasse sein und das Schloss mitten auf dem Markt. Also habe ich einen
anderen Entwurf nach Ihrer Fürstlichen Gnaden Befehl gemacht, dass die Stadt
viereckig und jede Seite in der Länge 1418 Schuh, jede Seite des Markts 780
Schuh messen und das Schloss mitten auf den Markt kommen soll. Nach jenem
Entwurf ist auch diese Stadt erbaut worden, das Schloss aber ist noch nicht
angefangen.
(4)
Am 22. März 1599 wurden im Beisein des Herzogs die
ersten Häuser und Straßen von Baumeister Schickhardt abgesteckt und am 1.
Mai 1601 erfolgte die Grundsteinlegung der Stadtkirche, die am Marktplatz
als Winkelkirche gebaut wurde.
Laut M. Eimer (43,
Seite 24) sei mit diesem Tag auch der Name "Frewdenstatt" festgelegt
worden. Nach Eimers Recherchen war Freudenstadt, neben der Absicht, den
Bergleuten statt im Christophstal (wie ursprünglich geplant) auf der Höhe
mehr Wohnraum zu geben, hauptsächlich als Stadt für Glaubensflüchtlinge
geplant worden. Überlegungen dazu gab es beim Herzog offensichtlich schon
vor 1599. Einen Vorläufer für diesen Vorgang findet man schon 1586 bei der
Ansiedlung der Hugenotten in Mömpelgard, als "Graf" Friedrich diesen ähnlich
begegnete wie später den Neubürgern von Freudenstadt.
Am 6. Mai wurde die "Stadt ob
Christophstal" erstmals "urkundlich" als Freudenstadt erwähnt. Wie es zu
dieser Namensgebung kam, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Betrachtet
man die Schreibweise von Schickhardts "fredenstat" bieten sich zunächst zwei
Möglichkeiten an:
1. "freden" könnte von "frieden" abgeleitet sein, oder
2. "freden" wird im Sinne von "einfrieden" gebraucht,
was "umzäunen, einfassen, eingrenzen" meint.
Auf allen Plänen zu Freudenstadt war die "Eingrenzung"
= die Stadtmauer, die nie vollendet wurde, ein wesentlicher Bestandteil der
Planung. War dann doch eine Festungsstadt geplant? Unter diesem Blickwinkel
hätte sich auch ein Name wie "Friedrichsfeste" etablieren können. In der
1669 bis 1671 verfasste Beschreibung von Freudenstatt des ortsansässigen
Pfarrers Jeremias Baldenhofer wird sie als "Fürstliche Bergstatt und Vestung
Freudenstatt" aufgeführt.
(20)
Noch verwirrender wird die Betrachtung, wenn man die
Inschrift einer Zinnkaraffe und zweier Zinnhumpen aus dem Freudenstädter
Heimatmuseum mit heranzieht. Dort ist eingraviert:
+ IOANN ZIEGELNEISER · ERSTER · VNTERVOGT · ZV ·
FREYDENSTAT · 1606. (20)
Er
war auch beim Bau des "Neuen Lusthauses" in Stuttgart (siehe
Bild links) ein Mitarbeiter von Schickhardt und gilt
als der eigentliche Erbauer der Freudenstädter Stadtkirche, stand aber immer
im Schatten von Schickhardt. Jeder mag selbst beurteilen, ob dieses
"Zeugnis" zu einer "Beurkundung" des Namens "Freudenstadt" ausreicht!
Aus Schickhardts "Freden"- war nun "Frewden" -
geworden. Beachtenswert ist, dass die Namensnennung "Fredenstat" von
Schickhardt in seinem Rückblick von 1635 neueren Datums ist als die noch
existierenden Baupläne!
Wir müssen aber auch noch die dritte
Zugangsmöglichkeit betrachten:
Schickhardt stammt aus dem schwäbisch-alemannischen
Sprachraum, da wurde der "Friedrich" zum "Frederic", möglich auch in
Kurzform zum "Freder".
Naheliegende Schlussfolgerung: Schickhardts "Fredenstat" bedeutet
ganz einfach "Freden-(s)-stat" = "Friedrichs Stadt."
Sollte der Herzog den Namen "Freudenstadt" über
Mittelsmänner "diktiert" haben, warum hat ihn dann Schickhardt in seinem
Rückblick von 1635 nicht übernommen? Könnte es 35 Jahre nach Baubeginn es
noch unklar gewesen sein, welcher Stadtname gelten sollte? Viel
wahrscheinlicher ist aber, dass Schickhardt der Einfachheit halber immer bei
seiner "Benennung Fredenstat" = "Friedrich(s)-stadt" geblieben ist. In
zahlreichen alten Quellen wird die Stadt zunächst als "Friedrichsstadt"
benannt, aus der später "die Freudenstadt" geworden wäre. Siehe dazu den
Beitrag: "Glückwünsche an den Herzog".
Hermann Bannasch schreibt, dass unter Herzog Friedrichs
Nachfolger - Johann Friedrich - die "Neigung aufgekommen sei, die Stadt nach
ihrem Gründer Friedrichsstadt zu benennen".
(24,
Seite 11) Wenn dies richtig wäre, spezifische Quellen dazu werden
nicht genannt, dann wäre der Name Freudenstadt erst sehr viel später
endgültig festgelegt worden. Bannasch verweist zu Recht darauf hin, dass der
Leinwandplan den Planungsstand von 1601 aufweist.
Keine Urkunde scheint die Namensgebung durch den Herzog
zu bezeugen. Normalerweise werden durch den Herrscher mit dem Namen einer
Stadt auch die "Stadtrechte" schriftlich festgehalten .... es sei denn,
Friedrich betrachtete die zu bauende Stadt als "sein persönliches Eigentum"!
Wer
lange sucht, findet zuletzt auch noch die...Gartenlaube (1899): Zum
dreihundertjährigen Jubiläum von Freudenstadt von Alfred Freihofer
(13.März 1856 -3.März 1907) -
(26)
Freihofer war Redakteur des Württembergischen Staatsanzeigers. Er
erwähnt in seinem Artikel in der Gartenlaube die nachfolgende Urkunde von
Herzog Friedrich I.:
"Die erste sichere Urkunde datiert vom 3.
November 1601; es ist ein „Ausschreiben des Herzogs Friedrich, um
Unterthanen in die Freudenstadt einzunehmen“
„Wir, Friedrich von Gottes Gnaden, Herzog zu
Württemberg etc., geben allen und jeden, wes Stands und Würden sie seien,
hienach zu erkennen, nachdem Wir bei Unsern Bergwerken in St. Christophsthal
(welche durch den gnädigen Segen Gottes nicht allein in fruchtbarlichen
Anfang allbereits kamen, sondern auch täglich zu mehrerem ersprießlichen
Nutzen und Eintrag sich erzeigen) um besserer Bequemlichkeit willen von
neuem eine Stadt, die zu bauen angefangen, darin auch eine ziemliche Anzahl
von aus- und inländischen Personen zu Bürgern auf- und eingenommen haben,
daß Wir demnach solches zu kontinuieren und nicht Unsere zuvor
verpflichteten Angehörigen allein, sondern andere Fremde oder Ausgesessene,
welche redlichen und ehrlichen Herkommens und Thuns sind, in genannter
Freudenstadt bürgerlich einkommen und jedem eine Hofstatt zur Erbauung
eines Hauses sammt nöthigem Bauholz, auch etliche Morgen Felder zu Baugütern
umsonst und ohne Bezahlung widerfahren zu lassen gemeint seien, welches Wir
auf geschehen Ansuchen zu männiglichs Nachrichtung und Wissenschaft hiemit
vermelden wollen.
Gegeben zu Dornstetten unter Unserer Handschrift und
vorgedrucktem Fürstlichen Sekret-Insiegel, Dienstags den 3. November 1601
Friedrich.
(Vergl. auch Sattler, S.229)
Es ist mir nicht gelungen das zitierte Original
ausfindig zu machen, vielleicht existiert es auch nicht mehr. Sicher jedoch
scheint nun, das spätestens zum genannten Zeitpunkt 3.11.1601 die
"Stadt ob Christophstal" FREUDENSTADT genannt werden sollte.Siehe
auch Paul Sauer (7,
Seite 283)
Auf die benannte Urkunde weist auch M. Eimer
(42) 1935 und 1937 (43) hin,
der zudem auf zahlreiche weitere Fakten aus den Anfangsjahren aufmerksam
macht. Anmerkung:
Eimer
Die Namensgebung "Freudenstadt" stammt nach Eimer von
Herzog Friedrich, in der "Erwartung" der Neuankömmlinge. Bei der
Grundsteinlegung für die Kirche (1.Mai 1601) habe man einen Namen für die
Stadt gebraucht und diese "Namensfestlegung" als Urkunde in den Grundstein
eingemauert. Die Anweisung dazu sei einen Tag zuvor an den Forstmeister
Gebel (der die herzogliche Autorität vertrat) gegangen. (43:
Seite 24 ff)
Indirekt bestätigt auch von Pfarrer Georg Hengher in
seiner Württembergischen Chronik, S. 287 - Handschrift in der
Staatsbibliothek.
In der Beschreibung des Oberamts Freudenstadt von 1858
findet man im Abschnitt "Geschichte" folgenden Hinweis: Wegen ihres
glücklichen Gedeihens wurde die Stadt noch unter ihrem Gründer die
„Freudenstadt“ genannt. Dies kann jedoch schon deshalb nicht richtig sein,
weil zum Zeitpunkt der Namensgebung (1601) fast keine vertriebenen
Neuankömmlinge vorhanden waren und die Stadt sich noch in der allerersten
Aufbauphase befand.
(4, Seite
15) Die Nennung "Frewdenstatt" kommt auch bei Cellius
zum 01.01.1603 vor - siehe den Beitrag: Glückwünsche
an den Herzog. (33)
In späteren Erwähnungen (1603) durch Herzog Friedrich finden wir durchgängig
die Schreibweise "Frewdenstatt", so auch bei der Abtretung eines Teils des
"Waldgedings" von Dornstetten an Freudenstadt.
(42) Ebenso beim Transfer der Glocke von Murrhardt zur
Stadtkirche in Freudenstadt.
(38)
Herzog Friedrich gebraucht auch in einem Schreiben vom
25. Mai 1604 an die Stadt Esslingen den Namen "Frewdenstatt".
So bleibt nur noch die Frage offen, was ihn 1601
bewogen hat, "Freuden-" der "Stadt" als Namen zuzufügen? (In
neuhochdeutscher Fassung immer "Frewden-"!)
(57)
Dachte er an seine höchst "persönlichen Erlebnisse", die er während der Gründungsphase vor Ort erlebt hatte? Näheres dazu folgt weiter unten im Text!
Wie aber Dr. H. Rommel (4, Seite 17-18) zum 350. Namenstag von Freudenstadt schon darlegte, war es keineswegs "außergewöhnlich", diesen emotionalen Begriff in eine Namensgebung von Ortschaften einzubeziehen. Er verweist auf weitere Ortsnamen, die "Freude..." beinhalten.
4. Kapitel - Baujahre und erste Probleme
Gesichert ist, dass der Basler Bergrichter Melchior
Höher den Bau einer eigenen Siedlung für die Bergleute im Christophstal
empfohlen hatte. Höher wurde 1596 in Giromagny von Schickhardt aufgesucht,
weil es schwierige Entwässerungsprobleme zu beheben gab. Höher wurde danach
nach Christophstal berufen und zum Leiter der Bergwerke ernannt.
(15)Das wiederum beweist, wie wichtig dem Herzog ein
funktionierender Bergbau war.
Bei
Planung und Bau der neuen Stadt ging es also auch darum, das Wohnungsproblem
für die Bergleute zu lösen! Der empfohlene Plan von Höher, ein Ausbau im
Tal, wurde aber vom Herzog verworfen. Also müssen wir uns die Bauabschnitte
der "Stadt ob Christophstal" genauer anschauen. Welche
Häuser waren in der ersten Bauphase - für wen - errichtet worden? Laut den
Eintragungen auf Schickhardts Bauplan suchten:
1 Wirt, 3 Zimmerleute, 2 Maurer, 2 Bäcker, 1 Schneider, 1 Schmied, 2 Glaser, 1 Schuhmacher, 1 Bauverwalter und 3 Bergarbeiter aus dem Christophstal einen neuen Wohnraum. (43)
Schickhardt sah offensichtlich vorrangig
3stöckige Häuser vor, teils giebel-, teils traufständig mit "Zwerchhaus".
Das Nebeneinander beider Formen legitimiert die für den Wiederaufbau
gewählte Gestaltung. Der gewählte Bauplan hatte in seiner
schönen Geometrie von Anfang an aber auch zwei große
Nachteile:
1. Die große Feuersgefahr der zum größten
Teil aus Holz gebauten Häuser ohne ausreichenden Abstand und zunächst
unzureichender Wasserversorgung. (Der Stadtbrand 1632 wütete, begünstigt vom
Wind, über 20 Stunden)
2. Die Beschreibung des Oberamtes Freudenstadt von 1858 macht es mit folgenden Worten deutlich:
"So schön sich die Anlage der Stadt auf dem
Grundrisse ausnimmt, so unzweckmäßig erscheint sie bei näherer Prüfung in
der Wirklichkeit, indem nur die auf dem Marktplatze stehenden Wohngebäude
eine freie Aussicht bieten, während die Bewohner der hinteren Häuserreihen
die mit Cloaken versehenen Hinterseiten der Vorderhäuser im Auge haben, wozu
noch der weitere Übelstand kommt, daß die wegen Mangels an Hofräumen hinter
den Häusern auf der Straße angebrachten Düngerstätten die wünschenswerthe
Reinlichkeit der Ortsstraßen beinahe unmöglich machen."
(33)
Die "wünschenswerte Reinlichkeit" war auch 300 Jahre
nach der Stadtgründung noch ein Problem - Siehe dazu auch Hartranft, S.51
(35)
Wegen mangelnder Hygiene wurde schon 1604 das erste
Badehaus von der Bürgerschaft in Fronarbeit gebaut.
(7, Seite
287)
Die Kirche als "Eckbau" im quadratischen Viereck von Freudenstadt hat durch ihre architektonischen Auffälligkeiten einen ganz besonderen Stellenwert. Aber auch ihre Entstehungsgeschichte weist Besonderheiten auf. So soll sie nach dieser Quelle (39) auf die Erfüllung eines Gelübdes des Herzog zurückgehen, das dieser in großer Seenot bei seiner Englandreise geleistet habe. (Näheres dazu im Beitrag "Die Englandreise des Herzogs".)
Für
die Bergleute war in der Kirche ein besonderer Platz auf der Empore
vorgesehen, der durch das sog. "Hüttenmännle" markiert war. Dieser galt,
besonders bei festlichen Anlässen, als "Ehrenplatz" und die Knappen trugen
dann auch ihre Festtracht. (42,
Seite 215)
Das Original des Hüttenmännle ist 1945 verbrannt, eine
Kopie davon findet man im Bärenschlößle.
Sie galten aber bis zur Eingemeindung von
Christophstal nicht als "Stadtbürger", konnten sich aber für einen Dukaten
das Stadtrecht erkaufen.
Immer wieder liest man, dass die Bergleute aus
dem Christophstal und Freudenstädter (Stadt-)Bürger Probleme miteinander
gehabt hätten.
Das kann auch deshalb nicht verwundern, da unter
den hygienischen Realitäten der mittelalterlichen Städte das Christophstal
wohl am meisten zu leiden hatte. Wasser, auch Abwasser, fließt nun mal den
Berg hinunter! Es hat denen da unten wohl zu sehr "gestunken" was von oben
kam! Wer sich von diesen hygienischen Problemen ein genaueres Bild machen
möchte, dem sei ein Besuch des Germanischen Nationalmuseums in
Nürnberg empfohlen. (28 - Kapitel:
Stadt und Land:)
Davon abgesehen betrachteten sich wohl die Bergleute
als die "ersten" Ortansässigen; die "Freudenstädter" waren für sie zum
größten Teil Neuankömmlinge und zunächst "Fremde". Dazu kamen auch die
sprachlichen Verständigungsprobleme mit den Neuankömmlingen. Außerdem wurden
Bergrechte und Stadtrechte der jeweiligen Bevölkerungsgruppe unterschiedlich
ausgelegt. Dies stand wohl im Vordergrund bei den auftretenden Animositäten.
(43)
Im November 1601 erschien die oben genannte
Ausschreibung für Ansiedlungswillige, denen Bauplatz, Holz und Felder
versprochen wurde. Es kamen viele protestantische Glaubensflüchtlinge.
Darunter waren auch etliche Bergarbeiter, die besonders willkommen waren.
(35) Da viele Neuankömmlinge nur slowenisch sprachen, gab es
bald auch einen slowenischen Pfarrer.
Die Beschreibung des Oberamtes Freudenstadt vergisst nicht zu erwähnen: "Bald war auch ein bereits am 13. Juli 1602 eingeweihter Galgen errichtet" (33) und (35, Seite 14, auch (42),(43).
So führte man den Bürgern von Anfang an die
herrschaftliche Befehls- und Richtergewalt vor Augen!
"Im Jahr 1602 fand auch die erste Hinrichtung statt,
in einer Chronik geschildert von Georg Hengher, nachmaliger Pfarrer in
Freudenstadt."
(34), (43)
Das erste Opfer war ausgerechnet ein betrügerischer
Zimmermann, der am Bau des Galgens beteiligt gewesen war. Näheres erfährt
man in den "Galgen-
und Hexengeschichten".
Schon 1602 erhielt Freudenstadt seinen Status als
"Amtsstadt", indem der "Flecken Rodt" der Stadt zugeteilt wurde und 1603
sein Wappen (das wohl eher dem von Hartranft benutzten entsprach) und seinen
ersten Bürgermeister. Zwei Jahre später wurde die "Gemarkung" festgelegt und
Teile des Dornstetter- und Baiersbronner "Waldgedings" abgetrennt. Damit
waren für diese Orte natürlich Einbußen verbunden, was auch die
Marktgerechtigkeit und deren Gastwirtschaften betraf. Beschwerden darüber,
vor allem über den Verlust des Finkenberges und des Harzrechtes von
Baiersbronn wies der Herzog mit dem Bemerken zurück: "Wem's nit gefallt,
mag anderswohin ziehen!"
(42, S.
225)
Dornstetten und Baiersbronn bestanden also schon lange
vor der Gründung Freudenstadts. Das gilt auch für viele heutige Stadtteile
und Nachbarorte von Freudenstadt. So stand auf dem Kniebis schon um 1250
eine Kapelle eines Herrenalber Mönchs und 1278 ein Franziskanerkloster.
Musbach existierte schon 1274 als "Muoasbach" und Dietersweiler wurde 1347
als "Dietrichsweiler" urkundlich erwähnt. Wittlensweiler kam schon 1473 an
Württemberg.
5. Kapitel -
Wappen

Eigentlich müsste
zur Wappenwahl 1603 auch eine "Namens-Urkunde" existieren, es lassen sich
aber dazu keine Hinweise finden. Ein seltener "urkundlicher" Hinweis taucht
bei Rudolf Metz in seinen "Mineralogisch-landeskundliche Wanderungen im
Nordschwarzwald" auf. Demnach existierte 1612 schon ein "amtliches" Siegel
der Stadt Freudenstadt. (Bild rechts) Metz beruft sich bei seiner Abbildung
auf Unterlagen des Landesarchivs in Karlsruhe.
(27) (Bild rechts) Die gleiche Abbildung taucht auch im Buch von
M. Eimer (43) auf,
allerdings ohne Quellenhinweis. Das heute geltende Wappen wurde wohl nach
dieser Vorlage gestaltet - oder Siegel und Wappen beruhen auf einer noch
älteren gemeinsamen Vorlage.
Stadtschultheiss Hartranft benutzt 1913 in seiner Beschreibung des "Höhenluftkurort Freudenstadt im Württembergischen Schwarzwald" noch das links abgebildete Wappen, das eindeutig die "Festungsstadt" symbolisiert. Er nennt sie auch "Bergstadt Freudenstadt" (35 - Seite 3)
Auch Pfarrer Veringer nannte sie in seiner
Einweihungs-Predigt 1608 "Bergstadt" und bezeichnete sich selber auch als
"Berg-Prediger" für die die Bergarbeiter im
Christophstal. Er betonte darin auch das ursprüngliche Motiv für die
Stadtgründung, dass nämlich das Christophstal "Ursach und Anlass" dafür
gewesen sei. Dass daraus die "Stadt zur Freude" für die Zugewanderten
geworden sei, habe sich später, quasi als "Geschenk Gottes"
zusätzlich, ergeben.
Heute jedoch gilt das rechts abgebildete Wappen. Wir
erkennen die württembergische Hirschstange und die Barben der Grafschaft
Mömpelgard, welche seit 1397 für 400 Jahre lang Teil von Württemberg war.
Außerdem das goldene "F". Dafür müssen sich die ursprünglich "goldenen"
Barben mit Silber begnügen.
Das "F" steht für den Stadtnamen und passt sowohl für
"Friedrichsstadt" als auch "Frewdenstadt". Wie es zu dem Wechsel von dem
Wappen, das Hartranft benutzte, zu der heutigen Form kam, konnte ich nicht
ausfindig machen. Vielleicht finden sich dazu im Stadtarchiv von
Freudenstadt noch Hinweise.
6. Kapitel - Bergstadt oder Großstadt?
Um 1603 standen in
Freudenstadt erst drei Häuserreihen. Da sich der Zuzug von Bewohnern gut
entwickelte, ordnete Herzog Friedrich I. eine Vergrößerung um zusätzliche
zwei Häuserreihen an. Es sollte angeblich damit Platz für insgesamt etwa
2500-3500 Einwohner geschaffen werden. (Die genaue Zahl ist in der Literatur
umstritten - es werden verschiedene Berechnungsgrundlagen angewandt.) Hertel
(45) berechnete
aber fälschlich, dass Freudenstadt für bis zu 3.500 Einwohner angelegt wurde
und somit nach Maßstäben des 16. Jahrhunderts eine Großstadt geplant worden
wäre. Die erste Planung (Dreizeilenplan - siehe den sog.
Leinwandplan) sah aber nur – je nach Art der Berechnung – 312, 338 oder maximal
375 Bürger vor, was ungefähr der damaligen Größe von Blaubeuren
entsprach. Blaubeuren nahm 1598 hinsichtlich seiner Größe Platz 23 der 64
württembergischen Städte ein. Freudenstadt war also nach der ersten
Planung und von seiner Größe her weit davon entfernt, eine
"Hauptstadt" zu werden. Nach diesem Plan wurde aber der Stadtaufbau begonnen
und eine gedankliche "Ausweitung" der Stadt auf rund 3000 Bürger kann erst
ab 1603 in Betracht gezogen werden! Vergleiche dazu: (44).
Wenn
man von den Planungen ausgeht, deutet nichts darauf hin, dass Herzog
Friedrich im Sinn gehabt haben könnte, eine neue "Residenzstadt" zu gründen.
Er dachte eher an eine neue Handelsstadt und an ein Bindeglied auf
dem Verkehrsweg zwischen Stuttgart und Mömpelgard. Siehe dazu M. Eimer,
Seite 43. (43)
Schickhardt erstellte also 1603 nach Auftrag des Herzogs den Fünfzeilenplan. Siehe:
Bild links.
Herzog Friedrich I. war jetzt 46 Jahre alt. Als er fünf
Jahre später (1608) an einem Schlaganfall starb, war dieser Plan nicht
annähernd umgesetzt.
Schon der Ausbau auf die vierte Häuserzeile war auf
der Christophstaler Seite, wegen des abfallenden Geländes, als nicht
umsetzbar befunden worden. Das galt später auch für den Bau der Stadtmauer.
Diese Seite blieb immer dreizeilig.
Die Bürger der Stadt baten den Sohn
von Herzog Friedrich, Johann Friedrich von Württemberg (1582-1628), die
Bebauung der fünften Häuserzeile wegen der Kosten aufzugeben. Das gleiche
geschah mit den Plänen für den Bau des Schlosses.
Aus diesem Grund hat
Freudenstadt heute neben der Stadt Heide den größten (einst unbebauten
Marktplatz in der Stadtmitte.
1616 erfolgte mit dem Weiler
"St. Christophstal" die erste Eingemeindung in die junge Stadt und dadurch
wurden die dortigen Bergarbeiter automatisch zu Stadtbürgern.
Freudenstadt besaß lange Zeit keine Stadtmauer. Auch
dieser Plan von 1612 wurde nur in Stücken umgesetzt und nie fertiggestellt.
Der Freudenstädter Bürgermeister bat Herzog Johann Friedrich I. im Jahr 1619
vergeblich um eine Stadtmauer.
(42)
Die Stadt war zu arm, um diese Befestigung selbst zu finanzieren, deshalb
wurde in den folgenden Jahren (ca. 1627) ein Bretterzaun rund um die Stadt
gebaut. Auf dem Merianstich von 1643 ist dieser Zaun gut zu erkennen. Es war
der Krieg (1618-1648) angebrochen, dem auch Schickhardt auf tragische Weise
zum Opfer fiel.
Er wurde das Opfer kaiserlicher Soldaten, die in seinem
Heimatort Herrenberg plünderten. Er starb 1635 in Stuttgart an den Folgen
einer Stichwunde, die er erhielt, als er eine Verwandte schützen wollte. Zur
Behandlung war er nach Stuttgart gereist.
Das erste große Unglück erlitt
Freudenstadt im Jahr 1632. Im Gasthaus "Zum Güldenen Barben" am unteren
Marktplatz brach ein Brand aus, der sich wegen der Anordnung der
Fachwerkhäuser in Häuserzeilen schnell ausbreitete. Heinrich Schickhardt
vermerkte seinem Rückblick 1635 zu dem Ausmaß des Schadens:
"(Statt von Newem erbautt) Auff den 24.
Maii anno 1632 ist in der Fredenstatt eine ershröckhliche brunst außgangen,
[darin sind 3 Personen gestorben und 144 Häuser abgebrannt. Das Feuer ist in
der Herberge zum Güldenen Barben ausgebrochen, welches das erste Haus
überhaupt in dieser Stadt war. Es ist ein Überschlag gemacht worden, dass
sie zu Erbauung der abgebrannten Häuser samt 8 Scheuern bedürfen an Eichen-
und Tannenbauholz: 18.577 Stämme, Bretter 44.125 und Latten 44.350.“(
4)
Der Aufbau der Stadt musste also fast von neuem
begonnen werden und er benennt die Stadt immer noch als "Fredenstat".
Dass am Aufbau der Stadt festgehalten wurde und sie
allmählich wuchs, hat sie unter anderem ihrer strategischen Ortslage zu
verdanken. Man muss nur auf die Landkarte schauen und sich die Frage
stellen: Welche Reisewege bestanden zwischen Stuttgart und Mömpelgard? Wie
kommt man vom Neckar aus über den Rhein? Eine der ältesten geschichtlichen
Routen führte über den Kniebis! Wie lange war man mit den Pferden
unterwegs? (Karte:
Siehe unten)
Bot
sich da ein Ort in der Nähe von Christophstal, dem herzoglichen Besitz,
nicht als ein "idealer" Ausgangspunkt in doppelter Funktion an, bevor man
sich den Mühen eines Aufstiegs zur Alexanderschanze aussetzte, die schon
damals eine strategische Bedeutung hatte? Siehe dazu auch M. Eimer, 1935 (42)
Bevor an eine Stadtgründung gedacht wurde, war das "Amt
Dornstetten" für den Herzog der letzte Halt vor dem dunklen Wald. Zu Pferd
von Dornstetten bis Oppenau (der nächsten Reisestation) an einem Tag ist
mehr als eine gewaltige Herausforderung! Vor allem muss man bedenken, dass
die Verbindung im Winter durch die Schneelage oft monatelang unterbrochen
war. - Das Kloster auf dem Kniebis (Bild:
"Wie es einst ausgesehen haben mochte"..) war 1513 vollständig
abgebrannt, danach wegen der Bauernkriege nur schleppend erneuert und 1544
aufgegeben worden. Aus den Ruinen wurde ein einziges Zoll- und Gasthaus
errichtet. Dieses bot für Reisende ein "Notunterkunft" und konnte keineswegs
als Gastunterkunft für eine herzogliche Reisegruppe dienen. -
Um 1600 befanden wir uns noch mitten in der "Kleinen
Eiszeit" mit ihren langen und harten Wintern.
Wir müssen auch die Tatsache berücksichtigen, dass erst
am 28. Oktober 1606 die Steigstraße zwischen Oppenau und Kniebis
fertiggestellt war, die eine Überquerung des Schwarzwaldes etwas sicherer
machte und den Weg für Karren ermöglichte. Damals gab es auch noch Wölfe und
Bären! Die Steigstraße überwand auf einer Länge von acht Kilometern zwischen
Oppenau und dem Kniebiskamm einen Höhenunterschied von über 600 Metern und
wies Steigungen von teilweise über 20 Prozent auf. (Die Route der
heutigen "Oppenauer Steige" verläuft nicht auf dem ursprünglichen Ausbau!)
Die Bauaufsicht hatte wiederum Elias Gunzenhäuser, der
ja auch wesentlich an der Freudenstädter Stadtkirche beteiligt war. Weil
dieser Reiseweg so wichtig war, wurde Heinrich Schickhardt nach Oppenau
entsandt, um nach dem großen Stadtbrand vom 30. August 1615 die völlig
zerstörte Stadt wieder aufzubauen.
Schon kurz nach Friedrichs Amtsantritt, hatte dieser
den Kniebisweg zur Fahrstraße ausbauen lassen. Über das Hochmoor auf dem
Kniebiskamm wurde ein 12500 Fuß (ca. 3800 Meter) langer Bohlenweg
verlegt. Wie wichtig dem Herzog die Kniebis-Verbindung war, zeigt seine
Anweisung, selbst im Sommer, als landwirtschaftliche Arbeiten zu erledigen
waren, weiterzumachen:
»Die von Oppenau sind schuldig, die Staig zu
erhalten und gut zu machen, das wöllen wir haben, dass sie solches thunndt.
Wir lassen uns nicht Brillen sch….« (was wohl nicht schenken,
sondern scheißen bedeuten soll). (17)
Treffender lässt sich der absolute Herrscherwille des Herzogs nicht belegen.
Alles spricht dafür, dass dem Herzog eine Stadt als Ausgangspunkt
für die Schwarzwaldüberquerung fehlte. Dafür spricht auch die
Einrichtung der Kurierpost, 1603, von Stuttgart nach Oberkirch - über Nagold
und Freudenstadt! (17)
Ist es da nicht sehr wahrscheinlich, dass die Überlegungen zum Ausbau des
Reisewegs, mit zu der Gründung von Freudenstadt beigetragen haben? - Siehe
dazu auch M. Eimer, 1935 (42), (43) und
vor allem: Josef Börsig: Geschichte des Oppenauer Tales, um 1950, Seite 239
ff. (17) Ebenso
Paul Sauer, Seite 240, 286 (7).
Der Nutzen des neu geschaffenen Ausgangspunktes wird
1605 demonstriert. Da zog der Herzog mit Hofkapelle nach Oberkirch, das ihm
vom Domkapitel Straßburg verpfändet worden war. In Freudenstadt machte er
Zwischenstation! (17), (40)
Friedrich konnte also mit dem Plan zur Stadtgründung
mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zur ursprünglichen Planung des
Ausbaus der Bergwerkstätigkeiten kam plötzlich die Möglichkeit der Gewinnung
neuer Untertanen durch die Aufnahme von Glaubensflüchtlingen hinzu.(42,
S.216)
Friedrich war ein Mann der weit voraus dachte! Denn
zusätzlich muss angenommen werden, dass er den neuen Ort als seinen persönlichen
"Rückzugsort" plante, bei dem die Landstände zunächst keinerlei
Mitspracherechte gehabt haben. Paul Sauer spricht in diesem Zusammenhang
von "Nebenresidenz" und "Handelszentrum". (7,
Seite 291)
Zwei Gründe sprechen für die Ortswahl:
1. Die Nähe zum herzoglichen Besitz, dem Bergbau im
Christophstal, und
2. die Anbindung an den Reiseweg nach
Mömpelgard. So auch Sattler,
S. 257,
Vergleiche auch: (37), (43) , (17)
8. Kapitel - Friedrich
und die Kupplerinnen
Mit der Landesvertretung lag Friedrich seit Beginn seiner Regierungszeit im Streit, ja er hasste die Volksvertreter geradezu. Sie brachten ihm einfach nicht den nötigen "Respekt" entgegen und engten ihn in seiner "Herrschaft" ein. Sie wiederum standen ihm äußerst kritisch gegenüber, er war für sie ja derjenige, der aus Frankreich (Mömpelgard) kam und sehr viel "französische Lebensweise" mitbrachte, die in vielen zeitgenössischen Quellen und auch von der Kanzel herunter zum Teil heftig kritisiert wurde. -
Wie sehr sich doch "höfisches Leben" von dem des
"Volkes" unterschied! - Nur: Letztlich musste das "Volk" es finanzieren. Mit
Sicherheit wurde aber der neue Lebensstil auch bewundert und von denen, die
es sich leisten konnten, auch übernommen. Dies belegen Mode und Bauten aus
dieser Zeit.
Für ein Leben in einer neuen "Hauptstadt
Freudenstadt" hätte Friedrich aber seinen Lebensstil völlig umkrempeln
müssen, für ein höfisches Leben fehlten dort alle Voraussetzungen. Außerdem
hätte es noch Jahrzehnte gedauert, bis eine entsprechende Stadtstruktur
entstanden wäre.
(Vergleiche dazu auch: 37) Wo wären seine Treffen im Lusthaus,
seine "Labors", seine Jagd- und Badeausflüge geblieben und welche Rolle
hätten dann seine Hauptstädte Stuttgart und Mömpelgard noch gespielt? Man
kann es als "sicher" annehmen, dass dem Herzog diese Umstände voll bewusst
waren.
Sein städtisches Leben war immer auch eng mit seinem
Privatvergnügen verbunden. Ruth Blank hat es erst in jüngerer Zeit durch ihr
Quellenstudium aufgedeckt: Herzog Friedrich ging auch in "seiner" neu
gegründeten Stadt "Frewdenstatt" seinem höchst privatem Vergnügen nach, was
fatale Konsequenzen für die beteiligten Frauen nach sich zog! (50)
Die
Uracher Kupplerin, Magdalena Möringer, die das nötige Personal für den
Herzog bei seinen Jagdausflügen für ihn bereitgehalten hatte, war nach des
Herzogs Tod wegen ihrer Dienste in Lebensgefahr geraten. Sie wurde schon
einen Tag nach des Herzogs Tod verhaftet und in Urach eingekerkert, weil sie
zu viel hätte verraten können. (41)
Es war dem Fürstenhaus allzu peinlich geworden, mit der Lebensweise von Friedrich konfrontiert zu werden. Hatte doch der Hofprediger Erasmus Grüninger schon bei der Leichenpredigt für Friedrich dessen "unzüchtiges Leben" gerügt.(30 u. (7, Seite 303) Grüninger wurde auch für seine Predigten im "Sündenregister und Tugendzettel" berühmt.
M. Möringer hatte langjährige Kontakte zum Herzog und handelte (gut bezahlt!) in seinem Auftrag. Sie war auch, zum Leidwesen der Herzogin, bei der Ordensverleihung 1603 in Stuttgart dabei. Ihre Anwesenheit und ihr Auftreten haben wohl zu dem unversöhnlichen Hass von Sibylla und ihrem Sohn, Johann Friedrich, gegen sie beigetragen.(50), (41)
M. Möringer musste durch jahrelange Kerkerhaft ohne konkrete Anklage für
"ihren Gehorsam" gegenüber dem Herzog büßen und verlor all ihr Hab und Gut.
Siehe dazu auch Klaus Graf: "Hohen
Urach und seine Gefangenen" (5:)
Sie blieb aber (auch nach einem vergeblichen Selbstmordversuch) trotzdem streitbar und verdankt die Rettung ihres Lebens letztlich ihrer Courage und dem Reichskammergericht in Speyer. Ihr Prozess gegen das Fürstenhaus Württemberg verdeutlicht, dass der Versuch der "Ehrenrettung" Friedrichs auch die geplante "Hinrichtung" Unschuldiger beinhaltete. Tatsächlich verloren bei ihrem Prozess einige "Randfiguren" wie Gefängnisaufseher ihr Leben, weil sie wissentlich oder unwissentlich der Eingekerkerten geholfen hatten.(50)
Zusätzlich zu Magdalena Möringer machte Melchior Jäger (wieder "Geheimer
Rat" unter Friedrichs Nachfolger) nach Friedrichs Tod in einem Gutachten auf
weitere Frauen in Friedrichs Umfeld aufmerksam: Zum Beispiel auf eine
Tübingerin, die im "Harnischhaus" wohnte,
(das
war der fürstliche Marstall, der ab 1599 von Schickhardt erbaut wurde, auch
"Neuer Bau" oder "Rüstkammer" genannt - im Bild links vom Alten Schloss),
Alle drei landeten nach Friedrichs Tod im Kerker der Festung Hohenurach. Insgesamt hatten man sechs (acht? - Angaben differieren) Kupplerinnen verhaftet. Dort wollte man sie ohne konkrete Anklage mundtot machen. Den Mätressen des Herzogs erging es dagegen besser, die meisten wurden nämlich verheiratet. Sie kamen ja auch aus "besseren", zumindest bürgerlichen, wenn nicht adligen Kreisen. (48, Seite 346)
Außerdem wird eine "Schulmeisterin" namens "Ketterlin“
in Freudenstadt genannt, die dem Herzog "zu Diensten" war und die
nach M. Jäger "unterschiedlich abgestraft werden müsste"! Sie und ihr
Ehemann hatten sich geweigert dem Wunsch des Fürstenhauses zu folgen. Es
wollte nämlich, dass sie Freudenstadt und das Land verlassen! Letztlich
begnügte man sich aber mit einem "Schweigegelöbnis", das offensichtlich sehr
wirksam war. Siehe
Anmerkungen: Die Kupplerinnen und hier: (47).
In Freudenstadt wurde nämlich dazu später auch
keinerlei Aktenmaterial gefunden und nur durch ein Versehen im Umgang mit
den Briefen der Herzogin kam dieser Vorgang ans Tageslicht. (45,
siehe Hertel, Seite 79)
Auch Hertels Erklärungen stellen den Versuch einer "Ehrenrettung" von Friedrich dar. Es geht hier aber nicht um "Dankesschuld von Exulanten" oder um "sündiges Verhalten" der Frau(en) und auch nicht um verborgene "Rachsucht" gegenüber der Mutter, sondern allein um den Machtmissbrauch des Herzogs gegenüber Frauen, und zwar nach dessen Belieben!
Bei genauerer Betrachtung der Schicksale der Söhne Friedrichs stößt man bei Magnus (geb.2.12.1594 in Kirchheim u. Teck, gefallen 6.5.1622 in der Schlacht bei Wimpfen) allerdings erneut auf den Namen "Ketterlin"! Ruth Blank vermutet, dass die erwähnte Freudenstädterin "Ketterlin" die erste Ehefrau des Andreas Ketterlin war. In den Prozess-Akten hat sie aber keine weiteren Informationen zu ihr gefunden. (41)
Andreas Ketterlin, der Ehemann
der oben genannten Geliebten des Herzogs, war nämlich in
Stuttgart als Präceptor ("Privatlehrer" von Friedrichs
Sohn Magnus) angenommen worden. Dafür hatte Herzog
Friedrich noch vor seinem Tod persönlich gesorgt!
Höchstwahrscheinlich hat dieser Umstand dazu beigetragen, dass
in Freudenstadt der Name Ketterlin zuerst totgeschwiegen wurde
und danach in Vergessenheit geraten ist. Andreas Ketterlin blieb für den
Herzogssohn Magnus ein
steter und treuer Begleiter, bis zu dessen Ende in der Schlacht bei Wimpfen.
Dies zunächst als Präceptor, später dann als dessen Sekretarius.
Nach Magnus Tod war er noch weiter in herzoglichen Diensten.
(Siehe dazu auch: Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, A 20 Hofsachen -Ketterlin, Andreas; Präzeptor, Rentkammerrat, -1638 Württemberg, Magnus; Herzog, 1594-1622)
Auch in Freudenstadt hatte Friedrich eine Kupplerin
angewiesen, ihm geeignete "Partnerinnen" zu besorgen. Auffallend ist, dass
alle vermittelten Partnerinnen für den Herzog sehr jung waren oder sein
sollten!
Anders als die verwitwete Magdalena Möringer führte die
Freudenstädterin Margaretha Matthiä, geb. Huber, ein bürgerliches
Leben, stammte aus Tübingen, war 1608 etwa 30 Jahre alt und Ehefrau des
lateinischen Schulmeisters ("Präceptor") in Freudenstadt, Johannes Matthiä,
der sich "Saxo", nach seiner Herkunft aus Sachsen, nannte. Sie wurde am
24.07.1604 mit ihm verheiratet. Der Herzog schenkte ihnen zur Hochzeit einen
Silberbecher und war Taufpate bei deren Tochter Anna Magdalena (04.11.1605)
! (50)
Der Leser möge sich selber fragen, warum der Herzog
ausgerechnet bei ihr Taufpate war. Dass seine Frau Sibylla auch dabei war,
kann wohl ausgeschlossen werden, weil sonst Chronisten den Besuch in
Freudenstadt in irgendeiner Form festgehalten hätten.
Frau Matthiä hatte sich beim Herzog sehr dafür
eingesetzt, dass ihr Mann die Stelle als Organist bekommen hatte, obwohl er
überhaupt nicht singen konnte. 1608 war er aber schon nach Dornstetten
versetzt worden, dort sei der Sohn Hercules Felix getauft worden. (43,
Seite 56),
Sie war etliche Jahre Hofköchin in Stuttgart und zur
Gründungszeit von Freudenstadt vor Ort im (beim) Kloster Reichenbach. Sie
könnte auch bei der Stadtgründung für Friedrich als Köchin tätig gewesen
sein.
Am 14. Februar 1608 wurde das Ehepaar Matthiä vom
Obervogt und Untervogt in Freudenstadt ohne Angabe von Gründen im Schulhaus
arretiert. Sie war zu diesem Zeitpunkt hochschwanger und seit zwölf Wochen
bettlägerig.
Am 20. Februar habe sie der Stadtknecht die Stiege
hinabgeführt, auf einen Schlitten gesetzt und über den großen Marktplatz, wo
gerade Wochenmarkt war und zahlreiche Marktbesucher das Spektakel beobachten
konnten, zum Gefängnis gefahren. Dort wurde ihr eine große Kette um ihren
rechten Schenkel gelegt und dermaßen eingespannt, dass ihr Fleisch
angefangen habe, blau und schwarz zu werden. - Diese Schilderung stammt aus
den Gerichtsakten. -
Ihrem Ehemann nahm man seine Stellung als Präzeptor an
der Schule. Sein Gehalt wurde einbehalten, ihr Mobiliar beschlagnahmt und
später weiterverkauft.
Am 21. April kam Margaretha nach Dornstetten und wurde
dort 28 Wochen lang gefangen gehalten. In dieser Zeit starb ihr Mann und das
am 10. Juli geborene Kind.
Sie unterschrieb schließlich unter Zwang die "Urfehde".
Dies bedeutete, dass sie zugab, "sträflich" gehandelt zu haben. Auch
verpflichtete sie sich dadurch, das Land zu verlassen und auf alle
Klagerechte gegen die Obrigkeit zu verzichten. Sollte sie gegen dieses
Abkommen verstoßen, würde sie als Meineidige erneut belangt und bestraft
werden, wurde ihr angedroht.
Ähnlich wie bei den Geständnissen der sog. Hexen, wurde
ihr "sträfliches Handeln" untergeschoben, denn sie hätte
Seyfried Gall von Rudolfseck, den Obervogt zu Freudenstadt, den Pfarrer M.
Andreas Veringer und den geistlichen Verwalter Hans Conrad Studion "verleumdet" und
auch sonst "hochsträflich gehandelt". Worin dieses hochsträfliche
Handeln bestand, wurde aber niemals benannt. (50)
Auffällig ist aber, dass ausgerechnet die "Stadtoberen", deren Amt direkt
vom Herzog abhängig war, als (falsche) Zeugen herangezogen wurden.
Das Ehepaar Matthiä klagte, wie noch zwei andere
verhaftete Kupplerinnen, vor dem
Reichskammergericht in Speyer auf die Unrechtmäßigkeit
ihrer Verhaftung und bekam Recht.
Möglicherweise verdanken die Klagenden aber der Aufmerksamkeit des Reichskammergerichtes ihr Überleben. Diese Aufmerksamkeit war auch dadurch gestärkt worden, dass nahezu zeitgleich dort ein Verfahren von Georg Esslinger (Landesprokurator unter Friedrich) gegen das Fürstenhaus Württemberg anhängig war. Dieses und der Landtag wollten an ihm ein ähnliches Exempel statuieren, wie bei Matthias Enzlin, der nach Friedrichs Tod hingerichtet wurde.(53)
Am 8.6.1616 starb Margaretha. Das Verfahren, das nun
seit acht Jahren vom Fürstenhaus verschleppt worden war, wurde daraufhin
eingestellt.
Ähnlich erging es auch den anderen Kupplerinnen, die in Speyer geklagt hatten. Alle Belege, dass sie auf "Befehl" des Herzogs gehandelt hatten, nutzten ihnen nichts. Das Fürstenhaus kam darum herum, irgendeine Art von Wiedergutmachung leisten zu müssen. Das Leben der "Dienerinnen für den Herzog" und das ihrer Familien war aber für immer zerstört. (50, Seite 68)
Eine andere Quelle berichtet: Gleich nach Friedrichs
Tod "...zog man die Kupplerinnen und Buhlerinnen des verstorbenen Herzogs
ein und verhängte eine Untersuchung über sie, welche aber zu solchen
Ergebnissen führte, dass die Räte in ihrem Bedenken (7. Julius 1608)
erklärten, es sei weder tunlich noch ratsam, gegen jene Personen mit aller
Strenge zu verfahren, denn wenn die Sache allzu bekannt werde, könnte dem
verstorbenen Herzog und dem fürstlichen Hause zu viel Verkleinerung daraus
erwachsen, in einer Menge Familien hohen und niedern Standes Zwist, Trennung
und Zerrüttung entstehen, auch den Calvinisten und Papisten zu allerlei
Reden und Schriften Anlass gegeben werden." - Karl Pfaff (48,
Seite 346), siehe auch: (49,
Seite 56)
Ein ähnliches Vorgehen und erzwungenes Schweigen muss
man auch bei der Geschichte der Hexenverbrennung von 1603 in Freudenstadt
vermuten. Zu diesem Fall "Anna Schumacher" siehe die Beiträge "Galgen-
und Hexengeschichten". Beachtenswert in diesem Zusammenhang bleibt
die Umkehrung der Verursachung der Probleme des Fürstenhauses: Schuldig sind
immer die Frauen, die "bestraft" werden müssen,
nachdem... und weil... der Herzog sich ihrer bedient hatte!
Friedrichs Politik wird noch heute, zum Teil vielleicht
aus Unkenntnis, mit viel Ehrerbietung und Bewunderung betrachtet, weil er
als "Mann von Welt" galt, der viele Kontakte zu anderen Herrschern
knüpfte und Württemberg über dessen engen Tellerrand hinausschauen ließ und
ein erstes "Kernland Württemberg" formte.
Die Territorialpolitik Friedrichs beleuchtete jüngst
Wolfgang Mährle in seinem Beitrag "Kühler Machtpolitiker oder politischer
Fantast? Die Territorialpolitik Herzog Friedrichs I. von Württemberg am
Oberrhein". (64)
Mährle betont, dass Friedrich 1608 seinem Sohn ein äußerlich gefestigtes und
territorial vergrößertes Württemberg (neue Ämter Besigheim. Mundelsheim,
Altensteig und Liebenzell, sowie das Priorat Klosterreichenbach)
hinterlassen hat und dass es ihm gelungen war, die österreichische
Afterlehenschaft zu beenden. Auch die vorübergehenden Pfandschaften des
Herzogtums Alençon und des Amtes Oberkirch, die zwar nicht von Dauer waren,
aber das Territorium zunächst deutlich vergrößerten, verdeutlichen die
aktuelle Landzunahme. Den Versuch Friedrichs, im Straßburger Bistumskonflikt
das Haus Württemberg dynastisch zu verankern, hält er jedoch für
überambitioniert. Dies sei ein zu hoch gestecktes Ziel gewesen. (Seite 133-
135)
Friedrich wird meist als "sehr energisch" aber auch als "Machtmensch" beschrieben und er war auch schon zu seinen Lebzeiten umstritten. Vielen galt er als viel zu selbstsüchtig und machtversessen, was einigen seiner Ratgeber und Alchemisten geschickt auszunutzen gelang. Er sprach mehrere Sprachen, hatte in Tübingen studiert, war sehr an den Naturwissenschaften interessiert und ein großer Sammler von Kunstwerken.
Auch seine politischen Reisen bezeugen den Blick über die württembergischen
Grenzen hinaus.
Er
besuchte Böhmen, Dänemark und Wien (u.a. auf Brautschau), später auch Paris,
England und Rom und war viel in deutschen Landen unterwegs. Auf keine seiner
Reisen hat er seine Frau mitgenommen. Diese war ja aber auch
"dauerschwanger"!
Friedrich wurde nicht müde, sich selbst als Träger zweier
Orden darzustellen. Auch nach seinem Tod wurde die Ordensmitgliedschaft in
der Geschichte immer wieder als eine "Auszeichnung" für seine Politik
dargestellt. Neben dem Hosenbandorden hatte er seinen zweiten Orden, den St.
Michaels-Orden, schon im Jahr 1596 vom französischen König, Heinrich IV.,
verliehen bekommen und zwar als Zeichen des Danks für die finanzielle
Unterstützung des Königs bei seinem Kampf um Religion und Krone.
Friedrich unternahm mehrere Anläufe in England (ab 1592), erst persönlich, dann durch Boten, um den Status eines Ritters des Hosenbandordens zu erlangen, was ihm außerordentlich wichtig war. Elisabeth I. ließ ihn jedoch warten. Kaum
war sie gestorben (24.3.1603), schickte Friedrich seinen Gesandten "von Buwinghausen" zu König Jakob. Der entschloss sich, die Ordensaufnahme des Herzogs endgültig zu vollziehen. Eine Delegation aus England verlieh ihm im Auftrag des Königs bei der „Investur“ zwischen dem 2. und 14. Oktober 1603 in Stuttgart diese Ehrung. (12)
Friedrich hatte sich schon vor der Überreichung von 1603, nämlich (1593 und 1602) -mit den Ordensabzeichen abbilden und Münzen prägen lassen! -
Links: Fig.32 - 1593 -- Rechts: Fig.26 - 1602 - Siehe dazu auch: Sattler, S. 283.

Der
finanzielle Aufwand zur Feier unterstreicht die Bedeutung des Ordens für
Friedrich:
Seit 1599 war das Württembergische Herzogtum nicht länger ein
Afterlehen des österreichischen Herzogs. Die Afterlehensschaft stellte einen
Prestigeverlust und eine Unsicherheit für die Herrschaft der
Württembergischen Herzöge dar. Unter der Afterlehensschaft war Württemberg
nicht mehr dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches direkt unterstellt,
sondern pro forma Vasallen der österreichischen Herzöge gewesen.
Deshalb sah Friedrich in der Ordensmitgliedschaft nicht nur einen persönlichen
Prestigegewinn sondern auch eine Art "stille Rückendeckung" durch
England gegenüber den Habsburgern.
Meine These dazu lautet: Als Ordensmitglied betrachtete er sich dem englischen Imperium zugehörig - als ob er ein Teil davon wäre. Näheres dazu folgt in den Beiträgen "Reise nach England" und "Ritter vom Hosenbandorden".
Die Verleihung wurde in Stuttgart groß gefeiert. Bei dem mehrtägigen Fest sind einem zeitgenössischen Bericht zufolge über 6.000 Ochsen und 140.000 Liter Wein konsumiert worden. Die Kosten von 60.000 Gulden entsprachen einem Viertel des Landeshaushalts. (19) (Vergl. Sattler, Seite 256 ff)
Dass der Herzog auch mit Anspielung auf seine "Weltoffenheit" zu feiern wusste, beschreibt M. Jacob Frischlin mit seinem Bericht über die "Indianer-Faschingsfeier" des Herzogs (1599), bei der viel nackte Haut gezeigt wurde.(29 ) und Sattler, S. 283.
Der "kritische Blick" war wohl in der ganzen Familie Frischlin angelegt. So muss es niemand verwundern, dass der ältere Bruder "Nicodemus Frischlin", Tübinger Professor und Gelehrter, bei Hof und den Adligen wegen seiner Kritik am höfischen Leben in Ungnade gefallen, auf der Burg Hohen-Urach eingekerkert war und bei seinem Fluchtversuch 1590 auf tragische Weise ums Leben gekommen war. Sein aus Laken geknüpftes Seil war beim Fluchtversuch gerissen. (31)
10. Kapitel - Bedeutung
der Erzgewinnung
Dass am Aufbau der Stadt festgehalten wurde und sie
allmählich wuchs, hat sie auch den Begehrlichkeiten der württembergischen
Fürsten zu verdanken.
Auf die Gewinnung von Erzen im Christophstal, insbesondere (zeitweise) von Silber, setzten die württembergischen Herzöge große Hoffnungen. Der ursprüngliche Grund, dass hier überhaupt Bergbau betrieben wurde, lag am ständigen Streben der Herzöge nach Autarkie in Rohstoffen. Bild: (7) Letztlich ist es allein diesem Streben und den damit verbundenen Finanzspritzen zu verdanken, dass das Freudenstädter Revier so viele Gruben hatte, an denen so lange, wie nur irgendwie möglich, festgehalten wurde.(Vergleiche auch: 37) und (7, Seite 209 ff) Als der Abbau ein reiner Zuschussbetrieb geworden war und keinerlei Gewinn mehr in Aussicht stand, versiegte er prompt.
1672 betrugen die Schulden 30 000 Gulden, der Bergbau wurde vorerst eingestellt. Der Bergbau auf Silber und Kupfer fand erst 1784 mit der Schließung der Grube Dorothea sein Ende. So lange dauerte es, bis die letzte Hoffnung auf Gewinn aufgegeben wurde. Siehe dazu auch M. Eimer, 1935. (42)
Auch Christophstal geriet als Münzstätte in den Strudel der sog. "Kipper-
und Wipperzeit" und prägte minderwertiges Geld, den württembergischen
"Hirschgulden". Der folgende Beitrag der Deutschen Bundesbank verdeutlicht
die Hintergründe (gekürzt): (14)
Die Kipper- und Wipperzeit von 1618 bis 1623
„Der
größte und unerträglichste Irrtum ist es aber, wenn der Landesherr oder der
Inhaber der Staatsgewalt aus der Münzprägung einen Gewinn zu ziehen sucht,
indem er nämlich der bisherigen Münze eine neue zur Seite stellt, die im
Korn oder Schrot mangelhaft ist, aber angeblich die gleiche Bewertung
hat“... so Nikolaus Kopernikus im Jahre 1517. Einhundert Jahre später hätte
man sich an diese Worte erinnern sollen. Die sogenannte Kipper- und
Wipperzeit war die größte Inflation in der Geschichte des Heiligen Römischen
Reichs Deutscher Nation. Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges 1618 begann
in Mitteleuropa eine drastische Münzverschlechterung, die bis 1623 anhielt.
Im Jahre 1559 kam es in Augsburg zu einem letzten Versuch, dem Reich eine
umfassende Münzordnung zu geben. Es wurde zwar der gesetzliche Rahmen für
das Gewicht und den Gehalt der Reichsmünzen und deren Kontrolle geschaffen,
jedoch wurde der Münzfuß für die mittleren und kleinen Werte zu hoch
angesetzt. Die höheren Herstellungskosten für die Prägung der Kleinmünzen
wie Groschen, Schillinge, Batzen, Kreuzer, Pfennige und Heller hatte man
nicht ausreichend berücksichtigt. Während man bei der Vermünzung von ca. 23
kg Silber in Talern noch einen Gewinn von über 14 ½ Gulden erwirtschaftete,
verursachte die Ausprägung der gleichen Summe in 3-Pfennigstücke über 46
Gulden Verlust. Der Silbergehalt der Kleinmünzen musste verringert werden.
Mit dem Ausbruch des Krieges stiegen die Rüstungsausgaben enorm. Ganz
bewusst ging man jetzt dazu über, die Münzen minderwertig auszuprägen. Als
Rohmaterial für die neuen Münzen dienten die noch im Umlauf befindlichen
guthaltigen Exemplare. Auf der Suche nach diesen zogen Aufkäufer durch das
Land. Von ihren Praktiken leitet sich die Benennung für diese Zeit ab. Mit
Hilfe einer Waage (Wippe) wurden die guten Münzen ausgesondert (gekippt).
Mit dem so gewonnenen Silber wurden unter Zugabe von Kupfer neue Münzen
geprägt. Der hierdurch entstandene Gewinn war so verlockend, dass man den
Silbergehalt der Münzen immer weiter verringerte. Schließlich kamen reine
Kupfermünzen auf den Markt. Als Folge des erhöhten Geldumlaufs belebten sich
Handel und Verkehr. Die wirtschaftliche Produktion stieg an. Aber auch die
Preise der einzelnen Produkte erhöhten sich rapide. Wer die Möglichkeit
hatte, die gestiegenen Preise auf seine Kunden abzuwälzen, tat dies.
Das Geld für den Lebensunterhalt reichte nicht mehr
aus. Um die ständig steigende Inflation wieder in den Griff zu bekommen,
begann die Obrigkeit in den Jahren 1623-1624 wieder zur alten
Reichsmünzordnung zurückzukehren. Die umlaufenden Kippermünzen wurden für
ungültig erklärt und eingezogen. Gleichzeitig wurde neues gutes Geld geprägt
und in Umlauf gegeben. Der hierbei entstehende immense Münzverlust ging zu
Lasten der staatlichen Kassen.
Zum Glück für Freudenstadt versuchte das Fürstenhaus
auch in den Folgejahren dieser Krisenzeit noch Gewinne aus dem Bergbau zu
erzielen. Nach dessen Blütezeit aber galt:
Statt Gold zu gewinnen wird Messing hergestellt, statt
Silber werden Nägel geschmiedet. Es dauerte noch sehr lange, bis
Freudenstadt sich von der "Stadt mit vielen Startschwierigkeiten" zu einer
Stadt mit Erholungswert, zu einem "Luftkurort", umgestalten konnte. Daran
war maßgeblich und zum Teil gegen den Widerstand der heimischen Bevölkerung
der Stadtschultheiß Hartranft (von 1877 - 1919) beteiligt. Siehe dazu den
Beitrag: Stadtschultheiß
Hartranft.
Mit dem Schwarzwald waren schon immer "mythische" und
"mystische" Vorstellungen verbunden. Nicht selten spielt der Teufel dabei
eine Rolle und in der Geschichte vom "Brudersloch", eine Höhle in der Nähe
von Kandern, soll ein Einsiedler mit einer absonderlichen Flüssigkeit aus
unedlem Metall "Gold" gemacht haben. Dieser "alchemistische"
Vorgang
wird in einer Bannbeschreibung 1688 beschrieben. (Siehe Wikipedia)
Nun schauen wir uns den "Alchemisten Friedrich" an. Friedrich I. war ein Anhänger der Alchemie und teilte dieses Interesse mit vielen seiner Zeitgenossen, einschließlich des Kaisers. Das belegt auch sein Briefwechsel über alchemistische Erfahrungen mit Graf Wolfgang von Hohenlohe. (13)
Friedrichs Leidenschaft und Neugierde ging so weit, dass er sich 1595 sogar bereden ließ,"Antimonio" gegen eine Krankheit einzunehmen, was ihn fast das Leben gekostet hätte. (Sattler, Seite 220), (7, Seite301)
Auch Heinrich Schickhardt
liefert
uns einen Hinweis auf das alchemistische Gebaren seines Herzogs. Im
Reisebericht über die Italienreise 1599 finden wir bei der Schilderung des
Aufenthalts in Mantua auf Seite 146 die rechts abgebildete Bemerkung. (21)
Schon in Mömpelgard war Friedrich zwischen 1582 und 1592 seiner
alchemistischen Leidenschaft nachgegangen und hatte dafür hohe Summen
ausgegeben. (7,
Seite 92)
Friedrich ließ den polnischen Alchemisten Sendivogius (1605) auf dessen Durchreise durch Württemberg verhaften. Wahrscheinlich wollte der Herzog Informationen über den "Stein der Weisen"(25) (d.h. das Rezept, wie man Gold aus unedlem Metall gewinnen kann) von Sendivogius erhalten. Dieser hatte in seinem Buch behauptet das Rezept zu besitzen. Daraus erwuchs eine weite Kreise ziehende Affäre – der polnische König und Rudolf II. (sowie mehrere andere Fürsten ?) setzten sich erfolgreich für seine Freilassung ein.
Der
Herzog schob die Schuld seinem Hofalchimisten Johann Müller von
Mühlenfels zu, der als Sündenbock gehängt wurde. Auch den
Alchemisten Alexander Seton ließ er verfolgen, nachdem er von diesem bei der
vorgeblichen Goldmacherei hereingelegt worden war (Seton war damals
allerdings wahrscheinlich schon tot). So stellt es Wikipedia dar. ***Siehe
unten
Im
Jahr 1598 warb der Herzog einen weiteren Alchemisten "Hans Heinrich
Nüscheler" aus Zürich zum Goldmachen an. Wegen seiner Erfolglosigkeit wurde
Nüscheler 1601 inhaftiert und am gleichen Galgen wie Honauer (siehe
Bild links) hingerichtet. Insgesamt beschäftigte der Herzog zehn
Hofalchemisten (mit ihren zugehörigen Gehilfen), von denen er fünf
hinrichten ließ.(8)
Sein gut eingerichtetes Labor befand sich im alten Lusthaus im Tier- und Lustgarten in Stuttgart. Es war 40 Jahre in Betrieb.(13) Weitere Laboratorien gab es im Stuttgarter Neuen Spital und im Freihof in Kirchheim unter Teck.(11)
Wer sich dazu ein genaueres Bild verschaffen möchte, dem sei die Lektüre "Die Goldküche des Herzogs (1595-1606)" von Friedrich Nick (51) empfohlen. Dieser nennt alle Hofalchemisten Friedrichs mit Namen und stellt deren Betrugsverfahren und Schickale ausführlich dar.
Die Labors wurden aber nicht nur für die Suche nach Goldherstellung benutzt, sondern auch zum Beispiel zur Analyse von Erzen und Metallurgie. Im Rahmen dieser Suche nach Bodenschätzen entdeckte man auch die Eignung der Mineralbrunnen in Bad Boll für Heilzwecke.
Dass mit diesem Streben nach Reichtum erste naturwissenschaftliche Grundlagen gewonnen wurden, muss man als einen positiven Ertrag eines gewinnstrebenden Suchens auf mystischen Grundlagen werten. Auf diesem Weg wurde letztlich auch das Porzellan entdeckt, jedoch nicht in Württemberg.
Für seine alchemistische Leidenschaft gab Friedrich tausende Gulden aus, was ihm die Landstände 1599 und auch seine Frau, Sibylla von Anhalt, zum Vorwurf machten. (9), (10), (13 Begonnen hatte er damit schon in seinen Labors in Mömpelgard (von 1582 bis 1592). (7, Seite 92)
Unverständlich bleibt bei der Betrachtung der Alchemietätigkeit von Friedrich, dass es mehreren Betrügern hintereinander gelingen konnte, den Herzog zu täuschen. Trotz seiner ihm nachgesagten "Klugheit" hat er sehr viel Geld für einen unerfüllbaren Traum verschwendet und seine Alchemisten nicht zu durchschauen vermocht, obwohl er zahlreiche Warnungen von verschiedenster Seite erhalten hatte. Möglicherweise erlag er der Vorstellung ein "Auserwählter der göttlichen Vorsehung" zu sein, dem das Unmögliche gelingen würde. Mit dieser Selbsteinschätzung als "Fürst von Gottes Gnaden" war er natürlich auch nicht an überkommene Gesetze gebunden! Er war, wie viele seiner Zeitgenossen, dem Aberglauben unterworfen und strebte nach dem "Unerreichbaren", nämlich Gold zu erhalten. Verbirgt sich dahinter nicht eine "Spielernatur", bezeugt sein Verhalten nicht gar "Suchtcharakter"?
In Bezug auf seine Selbstdarstellung warfen ihm schon
seine Zeitgenossen übertriebene "Punksucht" vor. Sibylla hat ihre ebenfalls
vorhandene Leidenschaft für Alchemie zum Ausbau einer Apotheke fürs "Volk"
benutzt und muss deshalb als die eigentliche Wohltäterin für das Volk
angesehen werden. Sie musste jedoch zuerst die Apothekenkasse, aus der sich
ihr Gemahl bedient hatte, in Ordnung bringen.(32)
- Näheres dazu im Beitrag: "Szenen
einer Ehe".
Unter dem Blickwinkel des bisher Geschilderten werden
bei Friedrich I. bisher unterschätzte, lange geheim gehaltene und sehr
bedenkliche Seiten seiner Person sichtbar, die seine bisherige "öffentliche
Wertschätzung" in Frage stellen. Das Volk hat durch ihn nichts
hinzugewonnen; im Gegenteil, es verlor überkommene Mitbestimmungsrechte und
musste immer mehr Steuern bezahlen um Friedrichs Geltungsstreben zu
finanzieren.
12. Kapitel - Das geplante
Schloss
Trotz seiner politischen Fähigkeiten mit denen es
ihm gelang den württembergischen Besitz deutlich zu erweitern, war Friedrich
eine Person des ausgehenden Mittelalters, ein Vorläufer des nachrückenden
Absolutismus, der absoluten Gewaltherrschaft und einer, der Frauen nach
Belieben missbrauchte. Er war auch ein Herrscher, der
skrupellos andere für seine Fehler büßen ließ. Seine Untertanen mussten
immer gewärtig sein, dass Widerspruch oder Missfallen auch den Kopf kosten
könnte. Deshalb besteht eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass der
Entwurfsplan des Schlosses in Freudenstadt so etwas war, wie ein "Gefälligkeitsplan",
an dessen zeitnaher Umsetzung Schickhardt nicht wirklich geglaubt hat.
"Es haben aber Ihre Fürstlichen Gnaden gewollt, dass hinter und vor jedem
Haus eine Gasse sein und das Schloss mitten auf dem Markt stehen
soll. Also habe ich einen anderen Entwurf nach Ihrer Fürstlichen Gnaden
Befehl gemacht." (4)
Es ist bezeichnend für Friedrichs Selbsteinschätzung, dass sein Schloss und damit seine Person den Mittelpunkt einer neuen Stadt besetzen sollte. Dies war ihm wichtiger als fachliche Argumente von Schickhardt, der das Schloss ursprünglich als "Eckpfeiler" der Stadt vorgesehen hatte. Siehe Bild rechts. Der von Schlckhardt vorgesehene Platz hätte die größte Nähe zum Christophstal und zum Reiseweg Richtung Kniebis und Mömpelgard gehabt und außerdem als Eck-Bastion für die Stadt gedient und somit ein wesentliches Stück der geplanten Befestigungsmauer eingespart!
Der Herzog aber sah sich bei allen seinen Entscheidungen als höchste Instanz und hat dies und damit seine Macht auch stets demonstrativ zur Schau gestellt. Also war sein Schloss (und damit seine Person) in den Mittelpunkt der Stadt zu stellen. Näheres dazu im Abschnitt "Stadt im Quadrat".
Diese
Haltung galt auch für die Bereiche, in denen er eigentlich "Zuhörer" sein
sollte. Man denke zum Beispiel an seine Einflussnahme im kirchlichen
Bereich, wenn ihm die Predigten nicht passten.
Schickhardt konnte sich ausrechnen, dass der Bau eines Schlosses in Freudenstadt zu Lebzeiten Friedrichs nicht umsetzbar war. (Links: So ähnlich hätte es aussehen können.)
Es darf mit gutem Grund angenommen werden, dass dies auch dem Herzog bewusst war oder wurde. Zumal ein Leben auf dem Schloss - oder gar die Funktion als "Hauptstadt" - noch jede Menge zusätzlicher (nicht vorhandener) Infrastruktur vorausgesetzt hätte. Man bedenke: Am Neuen Schloss ins Stuttgart wurden ca. 50 Jahre gebaut (1743 -1793).
Friedrich hat
ganz sicher auch gewusst, dass sein Hofstaat nicht freiwillig in den
Schwarzwald umziehen würde. Wäre ihm seine Frau Sibylla, mit der er seit
1596 "getrennt" lebte, nach Freudenstadt gefolgt? Alles spricht dagegen.
Näheres dazu im Beitrag: Szenen
einer Ehe.
Woher kommt das Baumaterial für ein Schloss? Auf welchen Straßen? Mit welcher Wasserversorgung? Wann gibt es genug zahlungskräftige Bürger? Wovon können die Neubürger leben? Wo kommen die notwenigen Handwerker her? Wo wohnen diese während des Aufbaus? Wie können Städter und Schlossbewohner mit Nahrung versorgt werden? Wo wird das Hofgesinde untergebracht? Wo stehen die Ställe? Welche Verkehrsverbindungen bestehen oder müssen geschaffen werden? Welches höfische, auch kulturelles, Leben wäre hier möglich gewesen?
War der Plan zum Bau eines Schlosses also aus dem Prestige-Denken des Herzogs heraus gefasst worden? Zwingende triftige Gründe für den Bau eines Schlosses aber gab es für Friedrich eigentlich von Anfang an nicht. Als Zwischenstation für Übernachtungen bei seinen Reisen nach Mömpelgard genügte ihm der stattliche "Gasthof zum Güldenen Barben"! Nicht umsonst war dies das erste Haus, das in Freudenstadt fertiggestellt wurde. (42, S.217) Für den Herzog gab es nach Baubeginn von Freudenstadt offensichtlich andere Prioritäten. Der geplante Bau eines Schlosses wurde ihm zu teuer oder zu unwichtig, wahrscheinlich aber beides. Da standen andere Interessen im Vordergrund. Das bezeugen u.a. auch die Tätigkeiten Schickhardts in den Jahren ab 1600.
Schickhardt
wohnte von 1600 bis 1608 in Mömpelgard (Montbéliard) und erhielt 1603 dort
auch das Bürgerrecht mit Steuerermäßigung. Schickhardt war zwischen 1599 und
1608 an mindestens 17 anderen Bauvorhaben gebunden. Mehrere gleichzeitig in
einem Jahr. Dazu kam noch die Italienreise mit dem Herzog 1599, über die er
1600 einen ausführlichen Bericht verfasste.
Er war bis 1607 am Ausbau des Collège universitaire in Montbéliard, bis 1608 am Neuen Stadtviertel, genannt La Neuveville, 1602 am Modellbauernhof, genannt La Souaberie, und von 1601 -1607 am Bau der Evangelische Kirche Saint-Martin in Montbéliard beteiligt.
Außerdem hatte er ab 1606 den Auftrag eine "Neue Stadt hinter dem Schloß Blamont" (siehe Bild) zu bauen und schon zahlreiche Vorbereitungen dazu getroffen. Nur der Tod Friedrichs verhinderte die Umsetzung dieser Pläne! (46) Dort wäre ein repräsentatives Schloss für Friedrich schon vorhanden gewesen! Eine Beschreibung der Tätigkeiten in Blamont erwähnt Schickhardt schon in seiner "Italienischen Reise" des Herzogs. (21, ab Seite 199) Die Herrschaft Blamont, ca.14 km Luftlinie von Montbéliard entfernt, war eine der vier Herrschaften des Fürstentums Württemberg-Mömpelgard (Montbéliard) und hatte eine strategisch günstige Lage auf dem Geländevorsprung über dem Tal der Creuse.
Hinzu kamen
Baumaßnahmen von Schickhardt in Württemberg an anderen Stellen: Kelter in
Hedelfingen (1600), Umbau des Schlosses Wildberg (1600), Schloss Nippenburg
bei Schwieberdingen (1600), Steinbrücke über den Neckar in
Köngen(1600-1602), Pfarrkirche in Hornberg (1602-03), Neues Schloss in
Altensteig (1604), Prinzenbau des Schlosses in Stuttgart (1605),
Verlängerung des Baues des Schlosses Waldenbuch (1605), Pfarrhaus in
Hildrizhausen (1606), Unteres Schlossportal in Tübingen (1606-07),
Erneuerung der Obergeschosse des Schlosses in Poltringen (1608) - um nur
einige zu nennen.
13.
Kapitel - Der aufgegebene Plan
Was muss Schickhardt unterwegs gewesen sein. Selbst
wenn man davon ausgeht, dass sein Hauptbeitrag architektonischer Natur
gewesen war, können alle diese Bauten nicht ohne seine zeitweilige
Anwesenheit errichtet worden sein. Dies lenkt aber den Blick auf seine
"Baumeister". Wer waren die "Umsetzer" seiner Pläne. In Freudenstadt war es
Elias Gunzenhäuser. Als dieser 1606 starb, musste Schickhardt persönlich die
Stadtkirche in Freudenstadt vollenden.
Von Gunzenhäuser ist aber
erstaunlich wenig überliefert, wir kennen nicht einmal sein
Geburtsdatum. Wir erfahren auch nicht, wie und woran Gunzenhäuser
verstarb. Beim Bau des Pfarrhauses in Nufringen (1599) wurde ihm allerdings
"Pfusch am Bau" vorgeworfen. Er jedoch verwies auf ausbleibende finanzielle
Unterstützung!(23)
Unter Friedrichs Führung erlangte das Herzogtum
Württemberg seine größte territoriale Ausdehnung: Er erwarb die Herrschaft
Franquemont zur Abrundung der linksrheinischen Gebiete um Montbéliard. Im Zentrum war eine Burg auf den Ruinen einer alten
römischen Festung, die auf dem Bergrücken zwischen dem Dorf Belfond und dem
Doubs liegt.
Der Herzog war ein großzügiger "Verschwender von
Staatsgeldern". Seine Hauptstädte Stuttgart und Mömpelgard ließ er zu
prächtigen Residenzen ausbauen. Eine gedachte mögliche "neue Residenz" könnte
eher in Blamont als in Freudenstadt gesucht werden! (46)
Der
Gedanke an eine "neue heimliche Hauptstadt Freudenstadt", wie ihn
Hertel immer wieder anführt, muss unter dem Gesichtspunkt der bisherigen und
noch zu nennenden Fakten als unhaltbar angesehen werden.

1603 führte Friedrich bei den Feierlichkeiten anlässlich der Übergabe des Hosenbandordens der englischen Delegation in aller Ausführlichkeit seine "Hauptstadt Stuttgart", Tübingen und andere Besitztümer, wie Teck, vor.
Dabei spielte seine Hofkapelle eine bedeutsame Rolle. (Siehe dazu auch den Beitrag: "Ritter vom Hosenbandorden", (40) )
Der Herzog selbst jedoch beschränkte sich beim Fest darauf "sein Geld" ans Volk zu verteilen. (22, Seite 125)
Eine zeitnahe Schilderung der Vorgänge von 1603 in Stuttgart verdanken wir Erhard Cellius, einem Tübinger Professor, der ab 1596 Eigentümer der Druckerei war, aus der später die Osiandersche Buchhandlung in Tübingen hervorgegangen ist. (22) Von einer neuen "Domäne Freudenstadt" ist bei dem Fest von 1603 nirgendwo die Rede.
Schickhardt arbeitete 1605 am Prinzenbau in Stuttgart und nicht in
Freudenstadt! Warum wurde er nicht nach Freudenstadt gesandt um den weiteren
Ausbau voranzutreiben? Warum ließ Herzog Friedrich das Alte Schloss in Calw
abreißen und warum legte er persönlich am 22.3.1606 dort den Grundstein für
ein neues Schloss (siehe
das Bild rechts), das wiederum Schickhardt entworfen hat? (36)
Alle Fakten zu den Planungen und Bautätigkeiten von
Schickhardt seit 1599 bis 1608 sprechen dagegen, dass für Freudenstadt noch
eine "größere Bestimmung" (Hertel) vorgesehen war. Man kann aus all
dem nur den einen Schluss ziehen:
Da der Auftrag zum Bau des Schlosses in Freudenstadt bis zum Tod Friedrichs ausblieb, kann es als nahezu sicher gelten, dass Herzog Friedrich inzwischen Bau seines Schlosses verworfen hatte! -
Dies
steht im Gegensatz zu der bisher verbreiteten Meinung, nur Friedrichs Tod
(1608) hätte den Bau des Schlosses und den Aufbau einer "Residenzstadt"
verhindert. Wobei letzteres als ein reines "Gedankenspiel" (von
Hertel ausgehend - 4) oder als "Wunschgedanke" betrachtet
werden kann!
Mit dem Buchdruck hatte auch in Württemberg die
neue Macht der Medien begonnen und diese wirkt zum Teil bis heute nach. Auch
in der Bestärkung des "Hexenwahns" spielt er eine nicht unerhebliche Rolle.
Siehe dazu den Beitrag "Himmelszeichen und Kanzelworte". Wir müssen uns nur
die Schriften über den Landesherrn (Briefverkehr, Flugblätter und
Reiseberichte) im neu geschaffenen Druckwesen anschauen, die eine huldigende
"Propagandawelle" aus der Druckerei in Tübingen in das "Volk" trugen.
Beispiel:
Und auch du, hochangesehene den Göttern
hinzugefügte Zier, Herzog Friedrich, der du den weiten Erdkreis
mit deinem Ruhm erfüllst und den Weg zum hohen Olymp unternimmst,
gib mir leichte Wege! Dein Name wird dir durch unser Gedicht ewig
bleiben, solange diese Gedichte nur irgendetwas vermögen. (22)
Seite 118
Der Sprachstil aller Schriften zeugt von dem ständigen
Bemühen, dem Landesherrn genügend "Huldigung" zu beweisen und man vermied es
sorgfältig, auch nur den Hauch einer Kritik zu formulieren. Dies wird schon
in Schickhardts Reisebericht deutlich. Auch im Schriftverkehr zwischen den
"Amtsträgern" und dem Herzog fällt es auf und kann u.a. auch in den
Landtagsakten nachverfolgt werden. Ja selbst die Predigttexte und die
zeitgenössischen Chroniken spiegeln die sprachliche Unterwerfung wider.
Weiteres dazu im Abschnitt "Glückwünsche
an den Herzog"
Schon in Mömpelgard hatte Friedrich auf folgender
Anrede bestanden:
"Durchlauchtigter Hochgeborener Fürst (!) und
Herr, Herr Friedrich Graf zu Württemberg und Teck". (7,
Seite 113)
Erst nach dem Tod von Friedrich und bis dahin nur im
ganz "privaten Umfeld" werden "kritische" Betrachtungen festgehalten.
Friedrich hatte schon 1599 keinen Hehl daraus gemacht,
dass ihm bestehende Gesetze nicht daran hindern werden, nach seinem
Gutdünken zu urteilen und zu richten. Dies geht u.a. aus den Landtagsakten
zwischen 9. und 17. Februar 1599 hervor. In dem Schriftwechsel zwischen ihm
und den Abgeordneten geht es um die Willkür bei den sog. "peinlichen
Prozessen"; der Landtag mahnt zur Einhaltung bestehender Rechtsvorschriften.
In diesem Zusammenhang formulierte Friedrich am 13. Februar 1599 in einer
Randnotiz:
"...wer wider uns thudt, dem werden wir straffen
nach unserem gefallen und der gebühr, er sey jetz unterthan oder ein
auslender" (6:,
Seite 41)
Siehe dazu auch die Abschnitte 4.1 - 4.3.
Das alles weist darauf hin, dass man aus Furcht vor den Konsequenzen sich dem Herrschaftsstil des Herzogs unterworfen hatte. Vor allem nach der "Aushebelung" des Tübinger Vertrags und der Neubesetzung der Landschaft zeigt der Griff zu einem Pasquill, das am Landschaftshaus angeheftet wurde, dass man keine Möglichkeit mehr sah, den Herzog öffentlich zu kritisieren. (60, Seite 226)
Aber es blieb noch der Weg der "anonymen" Anprangerung von Missständen. F. Scheck (S.178 -186) beschreibt dazu treffende Beispiele, u.a. Schmähgedichte! (54)
Eine der wenigen Ausnahmen findet man im Verhalten von Lucas Osiander (1534
- 1604), der sich getraut hatte, dem Herzog öffentlich zu widersprechen und
sich lieber den Kopf abschlagen lassen wollte, als dem Herzog "fußfällige
Abbitte" zu leisten. Dieses Verhalten kostete ihn "nur" seine
Predigerstelle in der Prälatur Adelsberg.(52)
Friedrich hatte kaum Zeit und wahrscheinlich seit 1603,
dem Jahr der Hexenverbrennung und der Erstellung des 5-Zeilen-Plans, auch
kein Interesse mehr, sich um seine neugegründete Stadt oder um den Bau eines
Schlosses zu kümmern. Freudenstadt blieb dem Stadtvogt überlassen. Friedrich
musste sich nämlich ständig mit der etablierten landesständischen Vertretung
Württembergs auseinandersetzen. Davon betroffen waren fast alle
"wirtschaftlichen" Bereiche des Herzogtums. Die Landtagsakten (38) bezeugen
für die Jahre ab 1600 bis zu seinem Tod 1608 eine ununterbrochene, immer
feindseliger werdende, Auseinandersetzung mit den Landesvertretern. Davon
war vor allem sein "Weberwerk", u.a. in Urach, betroffen, das bald in
ökonomische Schwierigkeiten geraten war. Dabei spielt der oben erwähnte E.
Huldenreich, der eigentliche Initiator des Weberwerks, eine wichtige Rolle.
F. Scheck hat dies in seinem Buch "Interessen und Konflikte" ausführlich
dargestellt. (54)
Herzog Friedrich bekämpfte seine Landesvertretung mit
Ränken und List und zuletzt mit massiver Gewalt, um seine Souveränität
auszubauen. Er agierte so, wie wir es auch heute beim machtpolitischen
Handeln beobachten können: Unliebsame Verwaltungen werden mundtot gemacht,
indem man sie einfach austauscht!
Beispielhaft ist dafür sein Umgang mit dem Tübinger
Vertrag: Hierbei kam es 1607 zum ganz großen Konflikt, in dem der Herzog den
Landständen seinen Willen aufzwingen konnte und dadurch die überkommenen und
verbürgten "Verfassungsrechte" seiner Untertanen beschnitt. Wichtigster
Helfer für den Herzog war dabei sein juristisch-politischer Berater, der
Tübinger Rechtsprofessor Dr. Matthäus Enzlin, der später (1613), unter
Friedrichs Nachfolger, als dieser die Landstände wieder gestärkt hatte,
dafür mit seinem Kopf bezahlen musste. Hintergrund der Auseinandersetzung
war u.a. der Wunsch des Herzogs, das Land möge ein neu aufzustellendes Heer
finanzieren.
Zu dieser Auseinandersetzung findet man zahlreiche
Hinweise im Internet. Siehe die Chroniken für Württemberg und die Arbeit von
J. D. Veit.(16) Eine
erste zusammenfassende Darstellung dieses Konflikts stellt Dr. Eugen v.
Adam, Archivar in Stuttgart, in seinem Beitrag von 1916 vor. Er kommt zu dem
Schluss, dass Friedrich zu den Menschen gehörte, "die das Recht immer
gerade da sehen, wo auch ihre Wünsche liegen"! (60,
Seite 229)
Als Friedrichs Motto seines Handelns und seines Selbstverständnisses kann
schon jetzt der später entstandene Wahlspruch des Absolutismus gelten:
"L'État, c'est moi" - Der Staat bin ich!... und
ihr (das Volk) habt mich (und meine Schulden) zu bezahlen!
Näheres dazu im Abschnitt: "Das
verinnerlichte Konzept"
Dieses Selbstverständnis offenbart sich auch in seiner Steuerpolitik, die
es wert wäre, gesondert untersucht zu werden. F. Scheck hat dies
dankenswerterweise für den Bereich von Friedrichs Weberwerk geleistet (54),
gleiches muss man sich auch für die anderen Bereiche der Wirtschaftspolitik
wünschen.
In den Landtagsakten fällt nämlich auf, dass Friedrich sehr dahinter her war, sich den Besitz ausgewiesener "Wiedertäufer" einzuverleiben. Dazu schuf er extra einen neuen Verwaltungsposten, den "Landesprokurator", der die Hauptaufgabe hatte, alle und auch höchste "Beamte" zu überwachen und ihr Verhalten Friedrich zu melden. Siehe dazu auch P. Sauer, Seite 193 (7) und Eugen v. Adam (60, Seite 221).
"Williger Diener dieses Amtes" war Georg Esslinger, der es geschickt auch zu seinem Vorteil auszunutzen verstand und der zu dem meist gehassten Zeitgenossen im gesamten Verwaltungsapparat in Stuttgart wurde. Außerdem sollte dieser alle Möglichkeiten zusätzlicher Geldbeschaffung ausloten. Er bekam die höchste Vollmacht von Friedrich und auch völlige Straffreiheit zugesichert. Nach Friedrichs Tod konnte er nur mit Hilfe des Reichskammergerichts in Speyer sein Leben retten. (53)
Abschließend meine persönliche Einschätzung:
Da für die Neugründung einer Stadt mitten im Wald
zunächst keinerlei "Infrastruktur" bestand und alle logistischen
Voraussetzungen für ein Stadtleben fehlten, kommen nur die schon oben
genannten zwei Gründe für die Ortswahl mitten im Wald in Frage:
1. Die Nähe zum herzoglichen Besitz, dem Bergbau
im Christophstal, und
2. die Anbindung an den Reiseweg nach Mömpelgard.(So auch Sattler, S. 257) (Vergleiche auch 37), (43) , (17)
Freudenstadt verdankt deshalb seine Gründung hauptsächlich der Existenz von Christophstal und den dort schon lange vorhandenen Abbautätigkeiten. Von der Hochebene aus hätte Friedrich einen "herzoglichen Blick" von oben auf eine seiner Geldquellen gehabt.
Mit dem Plan zur Gründung einer...
..."ihm eigenen" Stadt mit einem ..."ihm angemessenen" Schloss hatte Herzog Friedrich I. zudem einen neuen strategischen Standort für die West-Absicherung seines Fürstentums und für die Schwarzwald-Überquerung im Sinn. Später übernahm Oberkirch für kurze Zeit die Funktion des westlichen Grenzpostens.
Dabei hatten die Landstände zunächst kein politisches Mitspracherecht.
Nach Ablauf der Steuerfreiheit und dauerhaftem
Bevölkerungszuwachs wäre eine neue Geldquelle für den Herzog
entstanden.
Außerdem war durch die Ortslage der Stadt auch eine Schutzfunktion für
das Christophstal angedacht, die neue Stadt sollte die "Festung
Freudenstadt" werden.
Nicht umsonst wurde Freudenstadt sehr lange als
"Berg-
und Festungsstadt" bezeichnet. Bei besseren (erhofften) Erträgen im Bergbau
hätte diese die Ausweitung von Stadt und Abbau begünstigt.
So steckt hinter unserer Geschichte die Haltung eines
Mannes, der ständig bestrebt war, zu den ganz "Großen" seiner Zeit
aufzuschließen, der "fürstlich" zu leben wusste und der dadurch auch in
ständige Geldnot geriet. Er war ein Mann mit vielen Plänen, dazu bereit, seine
Interessen und Auffassungen auch mit Gewalt durchzusetzen.
Herzog Friedrich I. ist und bleibt der Gründer von "Frewdenstatt", egal welche Motive man ihm bei der Stadtgründung unterstellt. Dass er dabei seine eigenen Vorstellungen von „seiner Stadt“ hatte, verleihen Freudenstadt noch heute eine große Anziehungskraft.
Nachtrag:
Christophstal verdankt seinen Namen einem Vorgänger von Friedrich, CHRISTOPH von Württemberg (1515-1568), der nach dem heiligen Christophorus benannt ist und hat seine eigene und noch ältere "Bergbau-Geschichte".
Besonders hilfreich für den Grubenstandort "Christophstal" war die Tatsache, dass das Anbohren eines Berges in der Talsohle weniger Umstände verursacht als der Zugang von oben und dass der Forbach den Abbau erleichterte.
Den Stand der neuesten Forschung zur
Bergbaugeschichte im Christophstal und seine Bedeutung für die Stadtgründung
von Freudenstadt beschreibt Uwe Meyerdirks in seinem Beitrag: "Bergbau und
Stadtentwicklung im Nordschwarzwald", in: "Rohstoffgewinnung und
Stadtentwicklung".(37) –
Eine besonders lesenswerte Lektüre für viele Aspekte der Geschichte von
Freudenstadt!
Der genaue Ablauf der Geschichte wird bei Wikipedia
nicht korrekt wiedergegeben und die genannte Quelle falsch zitiert. Siehe
dazu den Beitrag: Die
Alchemisten-Affäre.
Entgegen der ständig wiederholten Deutung, dass Freudenstadt als "neue Haupt- und Residenzstadt" zwischen Stuttgart und Mömpelgard geplant worden sei (Hertel), muss man nach der Ausschreibung vom 3. November 1601 davon ausgehen, dass es die erste Absicht von Herzog Friedrich war eine Stadt zu bauen um eine „bessere Bequemlichkeit“ für die „zuvor verpflichteten Angehörigen" (und das können nur die „Bergarbeiter“ gewesen sein) zu schaffen.
Zusätzlich erwartete er "aus- und inländische Personen"
als
Neubürger und wollte noch andere "Fremde redlicher Art" gewinnen um die
Stadt zu füllen. Zunächst gelang dies auch mit dem Zuzug der
Glaubensflüchtlinge.
Die "bessere Bequemlichkeit" kann man aber auch -
aus rein praktischen Überlegungen - auf die Schwarzwaldüberquerung
beziehen.
Diese Bequemlichkeit wurde auch 1605 mit dem Aufenthalt von Herzog
Friedrich und seiner Hofkapelle in Freudenstadt demonstriert!
Professor Dr. Manfred Eimer standen noch zahlreiche Dokumente zur Stadtgeschichte zur Verfügung,
die durch die Kriegsfolgen von 1945 in Freudenstadt verloren gegangen sind.
Deshalb hat seine Darstellung der Gründungsjahre von Freudenstadt für mich
die größte Nähe zur tatsächlichen Wirklichkeit.
Der Autor und
Heimatforscher Prof. Dr. Manfred Eimer, 1871 – 1951, studierte in München,
Tübingen und Straßburg. Anschließend lehrte er 20 Jahre an der
Oberrealschule in Straßburg. Nach dem Krieg musste er das Elsass verlassen.
Er lebte dann in Freudenstadt, wo er zur Heimatgeschichte kam und zahlreiche
Bücher und Aufsätze veröffentlichte.
1922 ging er in den Lehrdienst nach
Karlsruhe und 1934 nach Tübingen in den Ruhestand.
Die Würdigung seiner
Arbeit (aus dem Jahr 2007) findet man hier auf Seite 47:
https://www.stadtmuseum-tuebingen.de/wp-content/uploads/2024/06/Hin-und-weg.pdf
Eine ausführliche Schilderung der Rolle von M. Möringer
und weiterer "Kolleginnen", sowie deren Schicksal nach Friedrichs Tod,
findet man bei
Ruth Blank: Magdalena Möringer: Eine Gefangene auf der
Festung Hohenurach - Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte, 65.
Jahrgang, 2006, Kohlhammer-Verlag, Stuttgart, Seite 49 -95.(49), auch (50)
Unter dem nachfolgenden Link
https://neu.dagv.org/files/publikationen/dagv-news/DAGV-News_03-04_2017.pdf
findet man eine Würdigung der Arbeit von Ruth Blank, die von herausragendem Fleiß und großer Akribie gekennzeichnet ist:
Seite 20:
"Ruth
Blank, 1923-2016, war einer leidenschaftliche Genealogin in den Orten Urach
und Schorndorf. Als Schorndorfer Studiendirektorin lehrte sie Generationen
von Schülern Deutsch, Englisch und Geschichte. In ihrem Ruhestand widmete
sie sich der Familiengeschichtsforschung. Reinhold Maier, der erste
baden-württembergische Ministerpräsident, war ihr Onkel und sie lebte in
dessen Geburtshaus in Schorndorf, wo sie ein Reinhold-Meier-Zimmer
einrichtete. Zuerst veröffentlichte sie als genealogische Arbeit 1994 die
„Vorfahren Reinhold Maiers in Vaihingen und Enzweihingen“ in den
südwestdeutschen Blättern. Nach jahrelangen Forschungen im Stadtarchiv Urach
erschien von ihr das 1262 Seiten-Werk „Uracher Bürger vor 1640“ 2001 im
Selbstverlag..."
Das
Reichskammergericht in Speyer
"Als am 7. August 1495 auf
dem Reichstag zu Worms der "Ewige Landfriede" beschlossen wurde,
begann für die Gerichtsbarkeit im Alten Reich eine neue Ära." (63)
Jetzt war ab 1495 ausnahmslos jede Form von Selbsthilfe verboten. Mit dem
endgültigen Verbot der Fehde benötigte man nun eine Instanz, die Verstöße
gegen den erfolgten Landfriedensbeschluss ahnden konnte.
So wurde noch am Tag des Erlasses des Ewigen Landfriedens durch Kaiser Maximilian I. das Reichskammergericht gegründet. Es war in erster Linie für Landfriedensstreitigkeiten verantwortlich, wurde jedoch in der Praxis vermehrt als oberste Appellationsinstanz in Zivilsachen einberufen. Mit dem Beschluss von 1495 war das Reichskammergericht außerdem räumlich von Kaiserhof getrennt.
Zuvor tagte das oberste Gericht im Reich immer an den Orten, an denen sich auch gerade der Kaiser aufhielt, Parallel dazu bestand der "Reichshofrat" (in Wien), der – ähnlich wie das frühere Reichshofgericht – die den Kaiser direkt betreffenden Rechtssachen, wie etwa Lehenssachen, verwaltete.
Bereits hier lässt sich eine frühe Form von Gewaltenteilung und richterlicher Unabhängigkeit erkennen; gleichzeitig war das Gericht damit in seiner Tätigkeit viel freier als das ältere Kammergericht, das ausschließlich am Hofe des Königs zusammentrat.
Am 31. Oktober 1495 trat es in Frankfurt a. Main erstmals zusammen. Nach Zwischenstationen in Worms, Augsburg, Nürnberg, Regensburg, Speyer und Esslingen a. Neckar war es ab 1527 für rund 160 Jahre in Speyer und nach dessen Zerstörung im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 bis 1806 in Wetzlar. (61)
Das Personal des Reichskammergerichts (RKG) setzte sich aus dem Kammerrichter, den Beisitzern, den Advokaten und Prokuratoren, dem Fiskal, den Kanzleiangehörigen und Praktikanten zusammen. Die Kammergerichtspersonen genossen vielfältige Privilegien. Sie unterstanden nur der Gerichtsbarkeit des RKG, waren von Abgaben befreit, Religionsfreiheit (alte Religion oder "Augsburger Konfession") war ihnen seit 1555 zugesichert.
Die Ernennung von Kammerrichter und Assessoren erfolgte durch den Kaiser selbst, der im Vorfeld Vorschläge der Reichsstände – meist der Kurfürsten – entgegennahm. Die Anwälte, Advokaten und Prokuratoren genannt, mussten sich dagegen selbstständig am Gericht bewerben.
Der Prozess am RKG war in erster Linie
schriftlicher Natur. Der Kläger beantragte zunächst die Eröffnung eines
Verfahrens, woraufhin sich das Gericht beriet. Im Folgenden wurde durch
einen Kanzleibeamten, heute Notar genannt, die Ladung an den (die) Beklagten
zugestellt. Beide Parteien mussten dann, meistens durch ihren Prokurator
vertreten, an einem bestimmten Termin zur Audienz erscheinen. Die
Prokuratoren tauschten bis zu diesem Zeitpunkt Schriftsätze, wie zum
Beispiel die Klage, Einsprüche oder Beweismittel aus.
Die Urteile des RKG waren bindend im ganzen Reich. Die Vollstreckung der Urteile blieb jedoch meistens auf der Strecke. -
Mit welchen Problemen die Tätigkeit des
RKG von Anfang an verknüpft war und die zugrunde liegenden Systemfehler in
der Schaffung des RKG beschrieb Roman Herzog 1977. (62)
Die von ihm geschilderten Umstände und Abhängigkeiten sind u.a. dafür
verantwortlich, dass es dem Herzogtum Württemberg möglich war, die Urteile
zugunsten der Kupplerinnen Friedrichs bis zu deren Tod "auszusitzen".
Quellenangaben:
Bilder:
1. Baumeister
Schickhardt: Wikicommons
2. Kloster
Kniebis:
Sonderdruck aus Alemania Franciscana Antiqua Band XVIII, "Zu
Kniebis auf dem Walde", von Dr. Hans Rommel, Freudenstadt, Seite 291, "Wie
das Kniebiskloster einst ausgesehen haben mocht..",1925 gezeichnet von dem
Karlsruher Künstler Ludwig Barth nach Angaben von Manfred Eimer
3. Herzog Friedrich I. von Württemberg erhält den Hosenbandorden -
Kupferstich von 1603 - © Landesmedienzentrum Baden-Württemberg
4. Blamont:
https://digi.ub.uni
heidelberg.de/diglit/braun1593ga#:~:text=folgende%20DOI%20benutzen%3A-,https%3A//doi.org/10.11588/diglit.12703,-Zum%20Kopieren%20bitte
5. Bild:
Hohnauer- Hinrichtung:
https://bawue.museum-digital.de/singleimage?imagenr=1328
6. Hohen-Urach: Kupferstich von Matthäus Merian, 1643 - mit KI
eingefärbt
7. Harnischhaus, Lusthaus u. Lustgarten: Wiki commons mit
KI eingefärbt
8. Schickhardts Pläne:
https://www.schule-bw.de/faecher-und-schularten/gesellschaftswissenschaftliche-und-philosophische-faecher/landeskunde-landesgeschichte/module/epochen/neuzeit/schickhardt/freudenstadt/photoalbum_freudenstadt
9. Karte:
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/fc/1596_Gadner_Übersicht_Herzogtum_LABW_HStA_Stuttgart_Blatt_4_Bild_1Web.jpg?uselang=de
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/fc/1596_Gadner_%
1:
Google-Books stellt dankenswerterweise die älteste verfügbare
Gesamtübersicht zur Verfügung. C. F. Sattler,
1772: Geschichte des herzogthums Würtenberg unter der regierung der
herzogen, Bände 5-6
https://books.google.de/books/about/Geschichte_des_herzogthums_W%C3%BCrtenberg_u.html?id=3GxHAAAAYAAJ&redir_esc=y
2:
Gerhard Hertel: Erlebnisse, Ansichten, Einsichten
Aus 80 Jahren, Geiger-Verlag, Horb 2006
3:
Unter der unten
stehenden Adresse findet man eine sehr erhellende Darstellung zur
Organisation und Selbstverwaltung der Städte um 1500/1600. - Titel: Die
württembergische Amtsstadt im 15. und 16. Jahrhundert, 1994 - Der Autor,
Volker Trugenberger, war lange Jahre Leiter des Staatsarchivs Sigmaringen.
tuebingen.de/xmlui/bitstream/handle/10900/46409/pdf/Trugenberger_Volker_Die_wuerttembergische_Amtsstadt_im_15.pdf?sequence=1&isAllowed=y
4:
Freudenstädter Beiträge Zur
geschichtlichen Landeskunde zwischen Neckar, Murg und Kinzig:Herzog
Friedrichs Freudenstadt im ersten Jahrhundert seiner Geschichte, Nr. 6/1987
- aus "Freudenstädter Heimatblätter" 1949-1994, Ergänzte 2. Auflage 1997
Hrsgb.: Heimat- und Museumsverein für Stadt und Kreis Freudenstadt
5:
Klaus Graf: Hohen_Urach und seine
Gefangene
https://freidok.unifreiburg.de/files/15490/lg_s3A_ivgNt8KRS/Graf_Hohenurach_gefangene.pdf
6:
WÜRTTEMBERGISCHE LANDTAGSAKTEN, Herausgegeben von der
Württembergischen Kommission für Landesgeschichte, II. Reihe, Zweiter Band:
1599 — 1608
Paul Sauer: Herzog Friedrich I. von Würtemberg, 1557 -
1608, Reformer und Autokrat, Deutsche Verlagsanstalt, München, 2003
8:
Planstadt Kurstadt Freudenstadt, Chronik einer
Tourismusstadt, 1599-1999, Hrsg: Stadtarchiv Freudenstadt, 1999, G. Braun
GmbH & Co., Karlsruhe
Details:
(1)
Bild: Landesmuseum
Württemberg. Inv.-Nr.: MK 10984
(2)
Biographisches Lexikon
der Münzmeister und Wardeine, Stempelschneider und Medailleure (MMLO),
https://mmlo.de/13039
(3)
Gerhard Hertel, Das
Bärenschlößle, Heinrich Müller Verlag, Freudenstadt,1981, Seite 50
(4)
Heinrich
Schickhardt: Inventar. 1632, Stätt von Newem erbautt.
Landesbildungsserver Baden Württemberg
https://de.wikipedia.org/wiki/Freudenstadt#Geschichte
(5)
https://de.wikipedia.org/wiki/Freudenstadt#Geschichte
(6)
public domain - Wiki commons
(7)
https://hmv-fds.de/muenzstaette-ct-1622-28immerfit4tests/
(8)
Experimente in Schlössern, Klöstern und Museen. Aus Hexenküche und
Zauberlabor.2.,
vollständig überarbeitete Auflage. Wiley-VCH, Weinheim 2009
(9)
Alchemie an
einem Fürstenhof der Renaissance. Graf Wolfgang II. von Hohenlohe
(1546–1610) und Schloß Weikersheim. In: Chemie in unserer Zeit.>Band 26,
1992, S.248
(10)
https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_I._(W%C3%BCrttemberg)
(11)
https://www.schloss-kirchheim.de/wissenswert-amuesant/anekdoten/alchemie)
(12)
https://www.leo https://www.leobw.de/fr/detail//Detail/details/PERSON/ubt_hauswuerttemberg/118535862/WC3%BCrttemberg+Friedrich+I+Herzog
(13)
https://www.stadtlexikonstuttgart.de/article/5b460327588a-482f-8488-2b2d49a836f3/Alchemielabor_im_Alten.htm
und:
https://www.gdch.de/fileadmin/downloads/Netzwerk_und_Strukturen/Fachgruppen/Geschichte_der_Chemie/Mitteilungen_Band_07/1992-07-02.pdf
(14)
https://www.bundesbank.de/resource/blob/607586/8ffcb9d317695cec43df4bfdc92c4277/mL/diekipper-und-wipperzeit-von-1618-bis-1623-data.pd
(15)
Emser Hefte,Jg.13.Nr.3 Juli-Septt. 1992, "Bergbau und Mineralien von Freudenstadt / Schwarzwald, S.19
(16)
Zu diesem relativ komplizierten Thema, das die Rechtsordnung der Landesherrschaft im 16. Jahrhundert und speziell auch den Fall Enzlin beleuchtet, kann im Internet eine Dissertation (Doktorarbeit) der Uni Tübingen, vorgelegt von Jonas Daniel Veit, 2017, eingesehen werden:
https://publikationen.unituebingen.de/xmlui/bitstream/handle/10900/74453/diss_veit.pdfsequence=1&isAllowed=y
(17)
Josef Börsig: Geschichte des Oppenauer Tals -
Herausgegeben von der Stadt Oppenau Digitalisiert im Archiv der Stadt
Oppenau von Wolfram Brümmer 2007, überarbeitet 2015.
(18)
https://www.leo-bw.de/fr/detail-gis/-/Detail/details/ORT/labw_ortslexikon/7411/Freudenstadt
(19)
https://www.historischer-augenblick.de/unteresschlossportal/
(20)
https://www.inschriften.net/freudenstadt/einleitung/2-historischer-ueberblick.html
https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb11212296?page=1
Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte, Seite 111: Herzog Friedrich I. von Württemberg als Ritter des Hosenbandordens in der lateinischen Überlieferung - von Walther Ludwig
https://www.evangelische-kirche-nufringen.de/das-sind-wir/gebaeude
(25)
https://www.restauro.de/der-stein-der-weisen/
(26)
https://de.wikisource.org/wiki/Die_Gartenlaube_(1899)/Heft_21#
(27)
Mineralogisch-landeskundliche Wanderungen im Nordschwarzwald. Besonders in dessen alten Bergbaurevieren, Metz, Rudolf, Schauenburg M., 197
(28)
https://alltagimmittelalter.gnm.de/de/stadt-und-land
(29)
https://www.fkw-journal.de/index.php/fkw/article/view/1018/1015
https://www.staatsanzeiger.de/landesgeschichte/eine-kupplerin-bot-dem-grossen-herzog-die-stirn
https://www.tuepedia.de/wiki/Nicodemus_Frischlin
https://blog.landesmuseum-stuttgart.de/die-apotheke-der-herzogin-im-alten-schloss-sibylla-von-anhalt-und-die-arzneimittelherstellung/
https://de.wikisource.org/wiki/Beschreibung_des_Oberamts_Freudenstadt
Jaroslaw Piech: "Mit
dem Strang vom Leben zum Todt hingericht": Der Ellwanger Galgen und andere
Galgenstandorte in Württemberg - in: Fundberichte aus
Baden-Württemberg, Bd. 30, Regierungspräsidium Stuttgart, Landesamt für
Denkmalpflege, 2009, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart
Höhenluftkurort Freudenstadt im Württembergischen Schwarzwald,
bearbeitet von Stadtschultheiss Hartranft, 5. Vermehrte Auflage, M.-Verlag
der Schlaetz’schen Buchhandlung, 1913
EduardPaulus:Beschreibung
des Oberamts Calw. Karl Aue, Stuttgart 1860, Seite 151. (Version vom
1.8.2018)
Wikisource, https://de.wikisource.org/w/index.phptitle=Seite:OberamtCalw_151.jpg&oldid=
Uwe Meyerdirks; Bergbau und Stadtentwicklung im
Nordschwarzwald, S. 59,
in: Rohstoffgewinnung und Stadtentwicklung - Siedlungsforschung
- Archäologie – Geschichte – Geographie 30, 2013, Herausgegeben von Martin
Pries und Winfried Schenk für den Arbeitskreis für historische
Kulturlandschaftsforschung in Mitteleuropa ARKUM e.V. Mit Beiträgen der
Jahrestagung 2011 in Lüneburg,
https://archive.org/details/WuerttembergischeLandtagsaktenII2
(39)
Württembergische Kirchengeschichte. Herausgegeben vom
Calwer Verlagsverein. Calw & Stuttgart. Verlag der Vereinsbuchhandlung.
1893, Seite: 417
Die Hofkapelle unter Herzog Friedrich 1593 - 1608. Von
D. Dr. Gustav Bossert - Seite 317 ff.
Ruth Blank: Magdalena Möringer - Eine Gefangene auf der
Festung Hohenurach. In: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte.
Herausgegeben von der Kommission für geschichtliche Landeskunde in
Baden-Württemberg und dem Württembergischen Geschichts- und Altertumsverein.
65. Jahrgang (2006), Seite 49 ff.
M. Eimer: Die Gründung Freudenstadts und dessen
Entwicklung bis zum großen Brand 1632, in : Württembergische
Vierteljahrshefte für Landesgeschichte. Herausgegeben von der
Württembergischen Kommission für Landesgeschichte. XL. Jahrgang. 1934,
Stuttgart. Druck und Verlag von W. Kohlhammer. 1935, Tübingen, 2. Teil,
Seite 213 ff
(43)
Prof. Dr. Manfred Eimer:
Geschichte der Stadt Freudenstadt, Oskar Kaupert, Freudenstadt, 1937
(44)
https://neu.muenzenwoche.de/hintergrundartikel/silberfuer-wuerttemberg/
Freudenstädter Beiträge zur geschichtlichen Landeskunde
zwischen Neckar, Murg und Kinzig: Herzog Friedrichs Freudenstadt im ersten
Jahrhundert seiner Geschichte, Nr. 6/1987 - aus: "Freudenstädter
Heimatblätter" 1949-1994, Ergänzte 2. Auflage 1997
Hrsgb.: Heimat- und
Museumsverein für Stadt und Kreis Freudenstadt
(46)
Dr. Andre Bouvard: Heinrich Schickardt und Blamont, in:
Eine Brücke, 2010/2011 Kulturstrasse des Europarats e.V., Mitteilungen und
Informationen
(47)
Gerhard Raff: Hi gut Wirtemberg allewege II, 2.
Auflage 1993, Neuenstadt am Kocher, Seite 4-78
(48)
Karl Pfaff: Geschichte des Fürstenhauses und
Landes Wirtemberg nach den besten Quellen und Hilfsmittel, 1839
Google-books:
(49)
Württembergische Landesgeschichte, 65.
Jahrgang, 2006, Kohlhammer-Verlag, Stuttgart, Seite 49 -95.
(50)
RuthBlank: Margaretha Matthiä, Usula Dorothea
Linder, Sabine Scheying-drei KupplerinneninDiensten Herzog Friedrichs v.
Württemberg - in: Südwestdeutsche Blätter für Familien- und Wappenkunde Band
29 · 2011, Seite 63
(51)
"Die Goldküche des
Herzogs (1595-1606)", Friedrich Nick in: Chronik und Sagenbuch, Stuttgart,
1875, Seite 189 – 244
(52)
Schott, Theodor,
"Osiander, Lucas" in: Allgemeine Deutsche Biographie 24 (1887), S. 493-495
[Online-Version]:
https://www.deutsche-biographie.de/pnd11955111X.html#adbcontent
(53)
Gustav Lang: Landprokurator Georg Esslinger in
"Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte", 5. Jahrgang, 1941,
Kohlhammer, Stuttgart, Seite 34 ff.
(54)
Friedemann Scheck: Interessen und Konflikte –
Eine Untersuchung zur politischen Praxis im
frühneuzeitlichen Württemberg am Beispiel von Herzog Friedrichs Weberwerk
(1598–1608), Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde, Band 81,
Herausgegeben in Verbindung mit dem Institut für Geschichtliche Landeskunde
und Historische Hilfswissenschaften der Universität Tübingen, Herausgegeben
von Jürgen Dendorfer, Sigrid Hirbodian, Sabine Holtz, Ulrich Köpf, Bernhard
Mann, Anton Schindling, Wilfried Schöntag, Ellen Widder, Jan Thorbecke
Verlag Ostfildern 2020
(55)
Aus Schwaben Sagen,
Legenden, Aberglauben, Sitten, Rechtsbräuche, Ortsneckereien, Lieder,
Kinderreime Neue Zwei Bände, Wiesbaden, Heinrich Killinger 1874
Sitten
und Rechtsbräuche gesammelt und herausgegeben von Anton Birlinger.
(56)
(57)
https://fwb-online.de/search?q=frewden&type=&search=frewden
Geschichte von Württemberg. - Mit Beiträgen von
Professor Dr. Dürr, Theodor Ebner, Dr. Geiger, A. Klemm, A. Landenberger,
Paul Lang, Rektor Mayer, Dr. Richard Weitbrecht und der artistischen Leitung
von Maler Max Bach. Zweite Ausgabe. Ergänzt und vermehrt bis auf die neueste
Zeit. Stuttgart. Süddeutsches Verlags - Institut. 1891. - Auf Seite .469:
Stuttgart 1603 - Verleihung des Hosenbandordens
Herzog Magnus von Württemberg. Ein Lebensbild aus dem
Anfang des 17. Jahrhunderts. Von Oberst R. v. Pfister. Stuttgart. Verlag von
W. Kohlhammer 1891
Eugen v. Adam: Herzog Friedrich I. von Württemberg und die Landschaft, in Württembergische Vierteljahreshefte für Landesgeschichte, XXV. Jahrgang, 1916, Seite 210-229
https://archive.org/details/whv25p/page/n11/mode/2up?q=v.+Adam+Herzog+Friedrich
(61)
Siehe Wikipedia
(62)
Vierteljahresheft des Verkehrsvereins im Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, Herbst 1977,
darin Seite 4 ff. - Prof. Dr. Roman Herzog: Das Reichskammergericht in Speyer (1527 - 1688)
https://www.speyer.de/de/bildung/kulturelles-erbe-stadtarchiv/benutzung/digitale-praesentationen/vierteljahreshefte-speyer/vierteljahrshefte-pdfs/1961-1991/247-1977-3.pdf?cid=vj4
(63)
LENA FREWER: DIE
AKTEN DES REICHSKAMMERGERICHTS – ASPEKTE DER EDITION UND QUELLENKRITIK
https://www.dfh-ufa.org/app/uploads/2018/08/2_Frewer.pdf
(64)
Wolfgang Mährle: Kühler Machtpolitiker oder
politischer Fantast? Die Territorialpolitik Herzog Friedrichs I. von
Württemberg am Oberrhein,
in "Über die Grenzen - Verbindungen zwischen
dem Elsass und Württemberg im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit",
Hrsgb: Peter Rückert, Erwin Frauenknecht und Miriam Régerat-Kobitzsch, Jan
Thorbecke Verlag, 2025
Letzte Änderung: 09.06.2026
|
Freudenstädter- Marktplatz-Geschichten 1_1: Stadtgründung von Freudenstadt Nächster Abschnitt: 1_2: Stadtbefestigung und Tore Verantwortlich: © Volker Krafft |
|
Hauptseite im pdf-Format: Link
Besucher seit 05.02.2025: 0002035
Online: 1


