Der Michaelorden von Herzog Friedrich I.

 

(Ordre de Saint-Michel) verliehen 1596

Die Ausstellung im Hauptstaatsarchiv Stuttgart "Fürst ohne Grenzen" (A1) präsentierte Herzog Friedrich I. von Württemberg als "Ritter beider Orden", nämlich des französischen Michaelsordens (Ordre de Saint-Michel), verliehen 1596 und des englischen Hosenbandordens, überreicht 1603. (9)

(B1)

Zwei_Orden

Friedrich bemühte sich sehr um die Erlangung dieser Auszeichnungen und nutzte ihre Insignien zur demonstrativen Darstellung seines fürstlichen Ranges. Besonders deutlich wird dies bei der Verleihung des Hosenbandordens 1603. Auch die gemeinsame Darstellung beider Ordenszeichen auf seinen persönlichen Gebrauchsgegenständen belegt, welche Bedeutung er ihnen für seine Selbstdarstellung beimaß.

 

Die kostbaren Insignien des Hosenbandordens – Degen, Dolch, Statutenbuch – werden noch immer unter den Schätzen des Landes Baden-Württemberg gezeigt.

 

Die Quellenformel findet sich u. a. bei Sattler (1772, Bd. 5, S. 218): Friedrich fügte seinen Titeln „beider Königlichen Orden in Frankreich und Engelland Ritter" hinzu. (10)

 

Für den Hosenbandorden heißt es im zeitgenössischen Druck von Erhard Cellius (1605): „Eques Auratus Anglo-Wirtembergicus". (8)

 

Wappenbild - rechts:

Das württembergische Herzogswappen ist umgeben vom Hosenband und vom Michaelsorden – so z. B. auf dem Wappen als Hosenbandritter (Wikimedia Commons) (B3)  und in der Forschungsliteratur bei Walther Ludwig. (7)

 

 

 

1. Was ist der Michaelsorden?

 

Französischer Ritterorden, gegründet 1469 von König Ludwig XI.

Ursprünglicher Sitz: Abtei Mont-Saint-Michel. 1496 wurde die Kapelle Saint-Michel im Palais de la Cité in Paris für die Ordensfeierlichkeiten bestimmt.

1557 verlegte Heinrich II. den Sitz des Ordens in die Sainte-Chapelle des Schlosses Vincennes.

Das Ordenszeichen ist eine Kollane (=Ordenskette) mit ovaler Medaille des Erzengels Michael im Kampf mit dem Drachen.

Siehe Bild links.

 

(B2)

Michaelskette

 

Prestige-Verfall

(B3)

Hl_G_OrdenUrsprünglich war die Zahl der lebenden Mitglieder des Michaelordens auf 31, dann auf 36 begrenzt. 1565 wurde das Limit im Zuge der Religionskriege offiziell auf 50 erhöht.

Faktisch wurde die offizielle Begrenzung aber ohnehin meist weit überschritten: Beim Regierungsantritt Henris III. im Jahre 1574 soll der Orden etwa 700 Ritter umfasst haben.

Auch wegen dieser zahlenmäßigen Ausweitung erlitt der Orden, insbesondere gegenüber dem Orden vom Goldenen Vlies und dem Hosenbandorden einen erheblichen Prestigeverlust. Nicht zuletzt in Reaktion hierauf gründete Henri III. 1578 den Ordre du Saint-Esprit. (Siehe Bild rechts)

Er sollte die katholische Führungsschicht enger an die Krone binden.

Die französische Grande Chancellerie bestätigt, dass der Michaelsorden durch die Gründung des Heilig-Geist-Ordens 1578 seine frühere Stellung verlor. Die neuen Ritter wurden zunächst in den Michaelsorden aufgenommen; daneben waren weiterhin 100 weitere Mitglieder des Michaelordens vorgesehen. Der Michaelsorden war also um 1596 bereits „zweitrangig".

Eine vollständige, zeitgenössische Gesamtmitgliederliste des Michaelordens ist bislang nicht nachgewiesen. Die Zuordnung einzelner Ritter muss daher anhand von Urkunden, Titularien und heraldischen Darstellungen erfolgen.

 

 

2. Die Verleihung an Friedrich I. (1596)

 

Verliehen wurde der Orden nach historischen Angaben - ohne genaue Quellenbelege - 1596 vom König von Frankreich, Heinrich IV. (1589–1610). Man beachte, dass zu diesem Zeitpunkt bereits seit 18 Jahren der höher gewichtete Heilig-Geist-Orden (seit 1578) bestand!

Die Verleihung des Michaelsordens (Ordre de Saint-Michel) an Herzog Friedrich I. ist anders als der Hosenbandorden nur mit dem Jahr 1596, aber ohne genaues Tagesdatum dokumentiert. Es finden sich auch keine Hinweise auf eine feierliche Übergabezeremonie oder den Übergabeort. (A3)

Inzwischen liegt aber ein Hinweis aus dem Hauptstaatsarchiv Stuttgart vor, wonach der Orden am 1. Februar 1596 durch einen französischen Gesandten überreicht worden sein soll. Eine zugrunde liegende Quelle oder Archivsignatur konnte bislang nicht ermittelt werden.

Davon abgesehen man stößt in der historischen Literatur allein auf die durchgängig genannte Jahreszahl (u. a. Landesarchiv BW: „der Michaelsorden des Königs von Frankreich (1596)"). (A1)

Das steht im deutlichen Kontrast zum Hosenbandorden (1603), dessen Verleihung sehr gut dokumentiert und ausführlich beschrieben ist (Investitur, Gesandtschaft unter Sir William Dethick, dem Ordensmeister und Sir Spencer als Vertreter des engl Königs, Überreichung von Statutenbuch und Wappenbuch). (A4)

 

 

3. Warum gerade der französische Orden? – Der Mömpelgard-Kontext 

 

Friedrich war 1557 in Mömpelgard (Montbéliard) geboren und regierte die Grafschaft Mömpelgard ab 1581 – ein französischsprachiges, an der „burgundischen Pforte" gelegenes Territorium. Friedrichs Hofkultur war stark französisch geprägt: Stälin (A2) spricht von einer „Verwandtschaft mit französischem Wesen" in seiner Charakterisierung nennt jedoch keine Details.

Auch später bestand die Verbindung zu Heinrich IV. fort: 1605 überließ ihm der französische König für eine württembergische Schuldforderung pfandweise das Herzogtum Alençon in der Normandie. Allencon_WappenDie finanziellen Leistungen Friedrichs waren enorm, an eine Rückzahlung der Subsidien war nach der Thronbesteigung Heinrichs IV. (1589)  und auch nicht nach dessen Krönung (1594) kaum zu denken.

Eine mögliche Form der Anerkennung und Wertschätzung könnte die Verleihung des Französischen Michaelordens gewesen sein. Außerdem wurde Friedrich im berühmten "Edikt von Nantes 1598" (A5) als treuer Alliierter der französischen Krone erwähnt – beides war für den prestigebewussten Württemberger äußerst wichtig. Vergleiche dazu E. Frauenknecht.(12)

 

1605 wurde Friedrich dann sog. "Titularherzog von Alençon". Rein rechtlich war Friedrich kein französischer "Adliger" und besaß den Titel nicht als erblichen Adelstitel. Da er aber durch das Pfandrecht die offizielle Herrschaftsgewalt, die Steuereinnahmen und die Justizrechte über das Territorium Alençon ausübte, wurde er in zeitgenössischen französischen Dokumenten oft ehrenhalber oder faktisch als "Duc d'Alençon" tituliert.

Für französische Chronisten war er damit ein „Herzog dem Titel nach“ (aufgrund des Pfandes), was im Französischen leicht zu "duc titulaire" (Titularherzog) umgedeutet wurde. - Der württembergische Gesandte und zeitweilige Obervogt Hans Jakob Breuning von Buchenbach verfasste dazu auch eine aufwendig gestaltete Geschichte der Herzöge von Alençon. (12)

Diese erhielt der Herzog mit einem kolorierten Wappen, das den prestigeträchtigen neuen Titel zum Ausdruck bringen sollte: Dem bisherigen württembergischen Wappen wird als (kleines) Herzschild das Wappen von Alençon mit den drei gekrönten bourbonischen Lilien hinzugefügt. Bild rechts - siehe Mitte unten - aus: (12)

Der finanzielle Gewinn aus dem Pfandbesitz war bescheiden, denn die Verwaltungskosten des Herzogtums – als Statthalter wurde von Bouwinghausen eingesetzt – fraßen die Einkünfte vollständig auf.

So wurde man in Frankreich dem (bereits erkannten) Prestigedenken Friedrichs gerecht - ohne ihm einen neuen "Orden" zu verleihen zu müssen.

 

(B4)

Friedrich

 

Friedrich mischte sich früh in französische Angelegenheiten ein (und zog sich dadurch die Feindschaft der Guisen zu, die 1587/88 in Mömpelgard einfielen).

Der württembergische Herzog Friedrich galt als ein wichtiger Unterstützer der französischen Protestanten, er unterstützte dabei Heinrich von Navarra auch mit viel Geld.

Die einzige konkrete Summe, die dabei belegt werden kann, findet sich bei Léonce Anquez. Er schreibt 1887 in "Henri IV et l’Allemagne", (Seite 57–58), dass Heinrich IV. nach seiner Thronbesteigung Gesandte nach Deutschland schickte (1589), um in seinem Namen Geld aufzunehmen. Der Gesandte Sancy erhielt dabei 36.000 Gulden vom Herzog von Württemberg, vom Landgrafen von Hessen 100.000 Gulden, vom Administrator von Magdeburg 20.000 Gulden und vom Administrator von Halle 24.000 Gulden.

Anquez berichtet ausdrücklich, dass Heinrich IV. in den Jahren 1590, 1591 und 1595 weitere Kredite in Deutschland aufnahm. Diese Kreditaufnahmen sind belegt, die Höhe der Einzelbeträge allerdings nicht.

Die Darlehen wurden durch Schuldverschreibungen abgesichert, die Heinrich IV. am 6. Dezember 1589 beziehungsweise am 7. Februar 1590 bestätigte. (1)

Schon im August 1589 hatte Heinrich IV. Friedrich umfangreiche Herrschaften als Pfand übertragen, darunter die Grafschaft Enghien. Das zeigt wie die Kreditbeziehungen auch durch territoriale Sicherheiten abgesichert wurden.

 

Bestätigt werden diese Angaben von T. Monnerie, S. 134–136, der die beste zusammenhängende Darstellung der Kreditaufnahmen Heinrichs IV bei deutschen Fürsten beschreibt und sich ausdrücklich auf Anquez bezieht. (2)

 

So ganz unproblematisch, wie es in vielen historischen Darstellungen beschrieben wird, scheint aber die Beziehung zwischen Frankreich und Friedrich nicht gewesen zu sein.

Im Jahr 1586 entsandten die protestantischen Fürsten und Stände des Reiches eine Gesandtschaft zu König Heinrich III. von Frankreich. Sie sollte sich für die französischen Reformierten einsetzen und auf die Einhaltung der Vereinbarungen über religiöse Duldung dringen. An der Spitze der Gesandtschaft stand Graf Friedrich von Württemberg. Er reiste persönlich nach Paris, begleitet unter anderem von Graf Wolfgang von Isenburg.

Nach Tuetey (3) trafen die Gesandten am 5. August 1586 in Paris ein. Heinrich III. ließ sie zwar ehrenvoll unterbringen und stellte täglich 200 Écus für den Unterhalt ihres Gefolges von 120 bis 140 Pferden bereit, empfing sie aber nicht persönlich. Friedrich und Isenburg fühlten sich dadurch schwer gekränkt. Sie erklärten, wichtige Angelegenheiten riefen sie nach Hause, und reisten wieder ab. Ihre Vollmachten überließen sie den übrigen Gesandten.

Friedrich von Württemberg beschränkte seine Unterstützung nicht allein auf die Leitung einer Gesandtschaft, die sich für die Interessen der französischen Protestanten einsetzen sollte. Er bekundete seine Sympathie für deren Sache auf eine wesentlich wirksamere Weise:

 

Er stellte dem König von Navarra (= Heinrich IV) beträchtliche Geldsummen zur Verfügung. Auch dies waren Vorwürfe, die die lothringischen Fürsten als Führer der katholischen Partei nicht verzeihen konnten. (Seite 37).
Leider ist der genaue Umfang der Geldsummen nicht vermerkt.

 

Louis Batiffol (4) schreibt 1906 in seinem Aufsatz :

"Henri III et Henri IV avaient successivement emprunté au duc Frédéric de Wurtemberg ... différentes sommes s'élevant au total de 301 849 écus, 37 sols, 12 deniers." -

Übersetzt: - Heinrich III. und Heinrich IV. hatten nacheinander beim Herzog Friedrich von Württemberg verschiedene Beträge geliehen, die sich insgesamt auf 301.849 Écus, 37 Sous und 12 Deniers beliefen.

Diese Summe umfasst ausdrücklich die Darlehen an beide Könige, Heinrich III. und Heinrich IV. Sie darf also nicht Heinrich IV. allein zugeschrieben werden.

 

Léonce Anquez (1 b) nennt in seinem Werk "Henri IV et l'Allemagne" von 1887:

für die 1599 bestehende Forderung Friedrichs 758.098 Livres und 11 Sous, 8 Deniers, einschließlich Zinsen.


Die dritte Angabe, die zu finden ist:

Die Fédération des Sociétés d'Histoire et d'Archéologie d'Alsace nennt in ihrer biografischen Darstellung Friedrichs (Frédéric, comte de Montbéliard, duc de Wurtemberg) eine Gesamtsumme von 960.355 Livres an Heinrich IV. (5)

 

Bei allen unterschiedlichen Angaben und Zuschreibungen bleiben für den Zeitraum vor der Verleihung des Michaelordens allein die von L. Anquez beschriebene Summe von 36 000 Gulden relevant. Fest steht allerdings, dass Friedrich nicht nur als politischer Sympathisant (oder aus religiösen Gründen) Heinrich IV finanziell unterstützt hat. Er handelte (auch!) als bedeutender "Kreditgeber" im Vertrauen darauf, dass sich dies "auszahlen" würde.

Einen nachweisbaren finanziellen Gewinn aus diesen Geschäften konnte Friedrich offenbar nicht erzielen. Als Gegenwert blieben ihm neben den Pfandschaften vor allem politischer Einfluss und Prestigegewinn.

Führten also letztlich die vergebenen Kredite zu der Ordensverleihung? Die Frage lässt sich nicht mehr nachweisbar beantworten - sie muss "spekulativ" bleiben, scheint aber sehr naheliegend zu sein.

 

Sichere Tatsache aber ist: Die Aufnahme in den Michaelsorden allein war um 1596 keine Auszeichnung mehr von höchstem Rang. Der Orden vom Heiligen Geist war deutlich exklusiver und prestigeträchtiger. Also konnte die Verleihung des Michaelsordens weiterhin eine königliche Ehrung sein, war aber mit der Aufnahme in den Heiligen-Geist-Orden nicht gleichzusetzen.

Auffallend  bei meinen Recherchen zur Übergabe des Ordens war, dass weder im Landesarchiv Baden-Württemberg noch im Archiv von Montbelliard Unterlagen gefunden wurden, die die Übergabe des Ordens dokumentieren würden. Es scheint nur ein Hinweis zu existieren, dass der Orden am 1. Februar 1596 durch einen französischen Gesandten überreicht wurde.

Trotz dieser "Zweitrangigkeit" bedeutete die Vergabe des Ordens für Friedrich einen ersten, öffentlich demonstrierten, Prestige-Zuwachs. Er versuchte auch durch weitere Symbolhandlungen dieses Renommee zu verstärken. Dazu gehörte vor allem sein Bemühen, Ritter vom Hosenbandorden zu werden. (A4)

 

 

 

4. Weitere Belege

(B5)

Messer_1Erst in jüngster Zeit hat man weitere Objekte entdeckt, die belegen, wie wichtig Friedrich der Demonstrationscharakter "seiner Orden" gewesen war.

Im "Metropolitan Museum of Art" wurde auf einer damaszierten Messerklinge das gekrönte Wappen Friedrichs, umgeben vom Hosenbandorden und dem Ordre de Saint-Michel entdeckt – ein Beleg dafür, dass er beide Orden gemeinsam zur Schau stellte.

Dirk H. Breiding hat die Bedeutung dieses Fundes in „A Knife with the Arms and Orders of Duke Friedrich I of Württemberg" ausführlich dargestellt. (6)

Er hält es für höchst wahrscheinlich, dass das Messer aus dem Jahr 1603 stammt und für die Feierlichkeiten zur eigentlichen Investitur mit den Insignien des Ordens im November desselben Jahres in Stuttgart angefertigt wurde.


(B6) Detailansicht aus der Mitte:

Messer_2


Der Schild in der Mitte der Vorderseite der Klinge zeigt die Wappen der Herzöge von Württemberg, wie sie von 1495 bis 1705 verwendet wurden - geviert:

 

Im..

 

1. Feld das Wappen des Grafen- und Herzogtums Württemberg (Gold, drei vierstrahlige Geweihe in Schwarz); im

 

 2. Feld das Wappen des Herzogtums Teck (Rauten schräg, in Gold und Schwarz); im

 

 3. Feld das kaiserliche Kriegsbanner (Blau, eine Lanze mit einem Banner in Gold, ein schwarzer, rot bewehrter Adler) und im

 

4. Feld das Wappen des Grafen von Mömpelgard/Montbéliard (Rot, zwei aufgerichtete, gebogene, Rücken an Rücken gestellte Fische in Gold).

 

Überragt von einer Krone ist der Schild auch von zwei ritterlichen Insignien umgeben: dem englischen Hosenbandorden und dem französischen Orden des Heiligen Michael.

 

Der erste wird als geschnalltes Hosenband dargestellt, auf dem HONNY SOIT IL QVI MAL PENSE (= Honni soit qui mal y pense) steht, während der zweite durch eine spiralförmige Kette mit stilisierten Jakobsmuscheln dargestellt wird, an der ein Medaillon hängt, das den Erzengel Michael im Kampf mit einem Drachen zeigt.

 

Breiding (Seite 135):

"Erst 2008 jedoch wurde die Bedeutung der beiden Orden in Verbindung mit den württembergischen Wappen vollständig erkannt – die hier gefundene Kombination kann nur Friedrich I., Herzog von Württemberg (1557–1608), zugeordnet werden, der 1596 zum Ritter des Ordens des Heiligen Michael ernannt und 1597 zum Ritter des Hosenbandordens gewählt wurde, obwohl er mit den Insignien dieses Ordens erst 1603 offiziell ausgestattet wurde".


Das Messer von Herzog Friedrich ist von Größe und Typ so beschaffen, dass es Teil seines persönlichen Tafelmessbestecks gewesen sein muss.

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist die kürzliche Entdeckung eines weiteren Messers in einer privaten Sammlung in Valentigney, in die unmittelbare Umgebung von Montbéliard, das die Wappen und Orden des Herzogs trägt.

Breiding stellt dieses zweite Messer ausführlich dar, da dort die Details des Wappens mit den Orden noch genauer erhalten sind:


(B7)
Messer_4"Messer (Vorderseite), deutsch (wahrscheinlich Stuttgart), ca. 1597/1603–1608. Stahl, teilweise geätzt und gebläut; Ebenholz, Silber und Gold. Privatbesitz, Valentigney, Frankreich."

(B8)

Messer_3Die Heraldik auf dem Messer  sei daher nicht nur wichtig für die Identifizierung des ursprünglichen Besitzers, sie gebe auch ein relativ genaues Zeitfenster von zwölf Jahren an, in dem es hergestellt und verziert wurde. Breiding hält es für höchst wahrscheinlich, dass das Messer aus dem Jahr 1603 stammt und für die Feierlichkeiten zur eigentlichen Investitur mit den Insignien des Ordens im November in Stuttgart angefertigt wurde.

 

Breiding:

 

"Herzogs Friedrichs Streben nach Aufnahme sowohl in den französischen als auch in den englischen Orden wurde nicht nur von persönlichem Stolz und Selbstverherrlichung angetrieben – es war ebenso Ausdruck seiner politischen Ambitionen wie das Ergebnis gegenseitig angestrebter Allianzen auf beiden Seiten.

König Heinrich IV. verlieh Friedrich den Ordre de Saint-Michel für die Loyalität, die dieser durch finanzielle Beiträge und insbesondere durch seine Unterstützung der Hugenottenflüchtlinge gezeigt hatte."

 

Wenn wir nun alle Details der beiden Orden und der beiden Messer zusammenfassend betrachten, können wir uns der Schlussfolgerung nicht entziehen, dass sie hauptsächlich der "Selbstpräsentation" von Friedrich zu dienen hatten und deshalb so nachdrücklich von ihm angestrebt worden waren.

 

Sie ergänzen die schon an anderer Stelle genannten "Besonderheiten" in Friedrichs Handeln, die u.a. beim Bau von Freudenstadt zutage traten und sich auch in der Wappendecke der Freudenstädter Kirche ausdrückten.

 

Alles wurde getragen von dem Gedanken: "Seht her, was für ein Großer hier unter euch weilt!"

 

 



 

Anmerkungen

A1:
Fürst ohne Grenzen – Landesarchiv BW (Abschnitt V. „Ritter beider Orden") – Jahr 1596, Gegenüberstellung beider Orden
https://www.landesarchiv-bw.de/de/themen/praesentationen---themenzugaenge/42049

A2:
Paul Friedrich von Stälin: „Friedrich I., Herzog von Württemberg" (Bd. 8, 1878) – ordnet Friedrich als frankreich-affinen, hochstrebenden Fürsten ein, zur Verleihung selbst äußerst er sich aber nur spärlich.


A3:
Michaelsorden (Frankreich) – Wikipedia – Geschichte/Insignien des Ordens
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Ritter_des_Michaelsordens

A4:
Siehe dazu meinen Beitrag 3_2: https://krafftinfds.com/Hosenbandorden/index.php

A5:
Das Edikt von Nantes wurde am 13. April 1598 von König Heinrich IV. von Frankreich unterzeichnet. Es beendete die jahrzehntelangen, blutigen Hugenottenkriege und schuf einen rechtlichen Rahmen für das Zusammenleben von Katholiken und Protestanten. Es gewährte den calvinistischen Hugenotten Gewissensfreiheit, bürgerliche Gleichberechtigung und eine in Teilen eingeschränkte Religionsausübung. Der Katholizismus blieb offizielle Staatsreligion in Frankreich. Die Hugenotten erhielten rund 100 befestigte Städte als militärische Zufluchtsorte und Garanten ihrer Sicherheit.
 Siehe dazu (12)





 

Quellen

 

1.

ANQUEZ, Léonce:

Henri IV et l'Allemagne d'après les mémoires et la correspondance de Jacques Bongars. Paris: Hachette, 1887.

https://books.google.de/books?id=MKiq0YOPFAQC&redir_esc=y - und:

https://bcub.ro/lib2life/Henri IV et l Allemagne_Anquez Leonce_Paris_1887.pdf?utm_source=chatgpt.com

 

2.

Thomas Monnerie: Les reîtres en France pendant les guerres de Religion, 2021

https://dumas.ccsd.cnrs.fr/dumas-03276630/file/2021_MM2_MONNERIE_T.pdf?utm_source=chatgpt.com


3.

Alexandrè TUETEY: LES ALLEMANDS EN FRANCE ET L'INVASION DU COMTÉ DE MONTBÉLIARD PAR LES LORRAINS 1587-1588
D'APRÈS DES DOCUMENTS INÉDITS PAR, PARIS, H. CHAMPION , LIBRAIRE, 15, quai Malaquais /
MONTBELIARD, E. BARBIER , LIBRAIRE, Place Denfert- Rochereau, 1883

(Die Deutschen in Frankreich und der Einfall der Lothringer in die Grafschaft Mömpelgard 1587–1588

Alexandre Tuetey, Paris und Mömpelgard, 1883)


4.

Louis Batiffol: Les Finances de la reine Marie de Médicis, 1906, siehe:
https://fr.wikisource.org/wiki/Les_Finances_de_la_reine_Marie_de_Médicis?utm_source=chatgpt.com

 

5.

Fédération des Sociétés d'Histoire et d'Archéologie d'Alsace: Frédéric, comte de Montbéliard, duc de Wurtemberg, siehe:

https://www.alsace-histoire.org/netdba/wurtemberg-de-frederic-comte-de-montbeliard-duc-de-wurtemberg/?utm_source=chatgpt.com

 

6.

Dirk H. Breiding: „A Knife with the Arms and Orders of Duke Friedrich I of Württemberg", 2014

https://www.academia.edu/12800263/A_Knife_with_the_Arms_and_Orders_of_Duke_Friedrich_I_of_W%C3%BCrttemberg

Siehe dazu:

https://www.metmuseum.org/art/collection/search/27530

 

7.

Walther Ludwig: „Herzog Friedrich I. von Württemberg als Ritter des Hosenbandordens", in: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 81 (2022), S. 111–139.

 
8.

Erhard Cellius: „Eques Auratus Anglo-Wirtembergicus" (Tübingen 1605) – Festpublikation zur Erhebung in den Hosenbandorden; zentral für Friedrichs Selbststilisierung als Ritter beider Orden. (Der Titel „goldener Ritter Anglo-Wirtembergisch" zeigt, wie er die Orden als Teil seiner Identität führte.)

 

9.

Leichenpredigt 1608 – „Friderici, Ducis Würtembergiæ & Tecciæ; Comitis Mompelgardiæ", Tübingen 1608 (Digitalisat in Latein) – enthält die volle Titel- und Ordensbezeichnung.

 

10.

Christian Friedrich Sattler: „Geschichte des Herzogthums Württemberg unter der Regierung der Herzogen", Bd. 5 (1772), S. 218 – die Schlüsselstelle: Friedrich führte den Titel „beider Königlichen Orden in Frankreich und Engelland Ritter". Dies ist die maßgebliche ältere Belegstelle für beide Orden.

 

11.

Französische Quellen:

 

Grande Chancellerie de la Légion d'honneur – Geschichte des Ordens vom Heiligen Geist: Gründung und Rangstellung.

https://www.legiondhonneur.fr/fr/la-france-frise?utm_source=chatgpt.com

 

Musée de la Légion d'honneur – L'Ordre de Saint-Michel: Prestigeverlust und Reform durch Heinrich III.

https://www.legiondhonneur.fr/sites/default/files/ordre_de_saint-michel.pdf?utm_source=chatgpt.com

 

L'ange multimédia – wissenschaftlicher Beitrag zur Ikonografie des Michaelsordens: Erläuterung der Verbindung beider Orden.

https://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/5343/1/Castor_L_ange_multimedia_Saint_Michel_2014.pdf?utm_source=chatgpt.com

 

 

12.

Erwin Frauanknecht: Als Württemberg fast bis in die Normandie reichte, Herzog Friedrich I. (1557–1608) und die Verpfändung des Herzogtums Alençon

https://www.landesarchiv-bw.de/sixcms/media.php/120/Archivnachrichten_61_RZ_Einzelseiten_weblinks.pdf

Seite 14:

Wappenentwurf von 1607. Das neue, zentrale Element ist der bekrönte Herzschild mit dem Wappen des Herzogtums Alençon: drei goldene Lilien in blau, umgeben von einem roten Bord mit acht goldenen Kugeln. In der Helmzier wird das Wappen im Kleid des Mömpelgarder Fischweibleins erneut dargestellt. Die umlaufende Kette und die Umschrift (HONY SOIT QVI MAL Y PENSE) nehmen Bezug auf die beiden renommierten Orden, die Herzog Friedrich erhalten hatte: 1596 den Michaelsorden (Kette) und 1603 den englischen Hosenbandorden (Umschrift). Vorlage: LABW, HStAS 115 Bü 43

 

 

 

 



Bilder:


B1:
Holzschnitte, erstmals veröffentlicht bei Cellius (8) und auch bei Ludwig erwähnt (7)

B2:
Landesarchiv BW (Ausstellungskatalog/Web): „Fürst ohne Grenzen" – nennt explizit „Michaelsorden des Königs von Frankreich (1596)".
https://de.wikipedia.org/wiki/Michaelsorden_(Frankreich)

B3:
Wikipedia - gemeinfrei - Wiki commons

B4:
ADB: Friedrich I. (Herzog von Württemberg) – Wikisource – französische Prägung, Bemühung um den Hosenbandorden
Wikimedia Commons: 253 Württemberg und Mömpelgard – Herzog Friedrich I. und der Hosenbandorden
Porträt Friedrichs I. (ca. 1600–1608) – zeigt die Ordensinsignien.

B5:
Messer (Metropolitan Museum, New York, Inv. 54.46.27) – mit beiden Orden auf der Klinge.
https://www.metmuseum.org/art/collection/search/27530

B6:
Messer (Metropolitan Museum, New York, Inv. 54.46.27) – mit beiden Orden auf der Klinge. - Ausschnittsvergrößerung
https://www.metmuseum.org/art/collection/search/27530

B7:

Dirk H. Breiding: „A Knife with the Arms and Orders of Duke Friedrich I of Württemberg", 2014

https://www.academia.edu/12800263/A_Knife_with_the_Arms_and_Orders_of_Duke_Friedrich_I_of_W%C3%BCrttemberg


B8:

Dirk H. Breiding: „A Knife with the Arms and Orders of Duke Friedrich I of Württemberg", 2014 - Ausschnittsvergrößerung

https://www.academia.edu/12800263/A_Knife_with_the_Arms_and_Orders_of_Duke_Friedrich_I_of_W%C3%BCrttemberg