Der allgegenwärtige Christophorus
Die Anbetung einer "Fiktion" - ein moderner Götzendienst ?
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Der heilige Christophorus ist nicht nur Namensgeber
für Herzog Christoph von Württemberg (1515-1568) und das Christophstal und
seinen
Christophstaler, er wird
auch als "Schutzpatron" gehandelt für ...... den Straßenverkehr,
... die Furten und Bergstraßen
... Schiffer, Flößer, Fähr- und Seeleute, Brückenbauer,
... Soldaten, Pilger, Reisende,
... Autofahrer, Straßenwärter, Luftschiffer, Berg- und Zimmerleute, Hutmacher, Färber, Buchbinder, Goldschmiede, Schatzgräber Obsthändler, Gärtner und Athleten.
Außerdem wird er auch noch als Schutzpatron gegen Unwetter, Seuchen, Epilepsie, Feuer- und Wassergefahren, körperliche Leiden und gegen einen unerwarteten Tod angerufen.
Er gilt als einer der 14 "Nothelfer". Diese sind 14 Heilige aus dem zweiten bis vierten Jahrhundert nach Christus. Die Gruppe besteht nach der sogenannten "Regensburger Normalreihe" aus drei weiblichen und elf männlichen Heiligen, von denen alle bis auf den heiligen Ägidius als Märtyrer starben. Sie alle werden allein durch ihr "Martyrium" zu "Heiligen" erklärt, ohne dass ihnen weitere Wunder zugeschrieben werden musste.
In der katholischen Kirche werden "Nothelfer" als Schutzpatrone im Gebet angerufen, in der evangelischen Kirche gelten sie nur noch als Vorbilder des Glaubens - soweit sie überhaupt bekannt sind - was für Christophorus aber mit Sicherheit zutrifft. (1.)

Der Rettungshubschrauber des ADAC und des ÖAMTC sowie die Bayerische Rettungsmedaille tragen seinen Namen.
Kein anderer "Nothelfer" verzeichnet eine solche "Inflation" von "Schutzfunktionen" wie Christophorus.
Bereits seit dem späten Mittelalter wurde Christophorus auch von kirchlicher Seite kritisch betrachtet. Grund dafür war vor allem, dass es keine gesicherten Daten über sein Leben und Wirken und über die Umstände seines Todes gibt. Zwar wurde er 1962 aus der Liste der kanonischen Heiligen gestrichen, weil seine Existenz legendär sei, er blieb aber im deutschen Diözesankalender erhalten; 2001/2004 wurde er auch wieder ins "Martyrologium Romanum" (= Verzeichnis aller Heiligen und Seligen der römisch-katholischen Kirche.) (2) aufgenommen.
Im deutschen Diözesankalender ist sein Gedenktag am 25. Juli allerdings durchgängig enthalten geblieben. Die Beliebtheit des Heiligen blieb trotz der kirchlichen Zurückhaltung über die Jahrhunderte hinweg erhalten, die wichtigste Epoche seiner Verehrung war vom 14. bis 16. Jh., und erhielt im 17./18. Jh., ebenso wie im 20. Jh., einen erneuten Aufschwung.
Die Bedeutung des Namens
Der Ursprung des Namens liegt im Altgriechischen:
Christós (Χριστός)
= „der Gesalbte“, also Christus
Wo ist der älteste Nachweis (Quelle
Das
Dies spricht dafür, dass es einen realen Menschen
(mit dem Namen
Christophorus?) gegeben haben könnte, der ab dem fünften Jahrhundert als
Märtyrer verehrt wurde. Über dessen Leben gibt es aber
keine
historisch belegbare Informationen. Alles was man heute über ihn lesen kann,
sind später entstandene Erfindungen und Zuschreibungen.
Die Inschrift aber definiert den Zeitpunkt für die erste (östliche) Legendenbildung im Raum der griechisch-orthodoxen Kirche. Für die kultisch verehrten Christophorusgestalt wird nun eine fiktive, "legendäre" Lebensbeschreibung entwickelt, die völlig andersartig ist, als die später entstehende(n) (westliche) Legende(n) des "Christkindträgers".
Christophorus soll nach der östlichen
Legende ein hundsköpfiges, menschenfressendes Ungeheuer
namens Reprobus gewesen sein, das erst durch die Taufe die Sprache
erlernte und den Namen Christophorus erhielt. Er wurde zunächst Soldat und zog
dann als Missionar durch Lykien, bis er als Märtyrer hingerichtet wurde.Nach dieser älteren Legende hatte Christophorus auf wunderbare Weise die Taufe empfangen und zog nun lehrend und predigend durch die Lande. Er kam zu einem König nach Lykien, wo er die Sprache nicht verstand und verwirrt darniederlag, als man ihn im Gebet fand. Durch dieses Gebet wurde ihm das Verständnis dieser Sprache erschlossen und er konnte nun auf dem Richtplatz den dort Gemarterten Worte der Stärkung zusprechen. Ein Richter schlug ihn, Christophorus steckte seinen eisernen Stab in den Boden, der grünte und blühte, dieses Wunder bekehrte 8000 Menschen.
Der die Christen verfolgende König*** ließ Christophorus einkerkern und schickte zwei Dirnen zu ihm, Micäa (Callinica, Niceta) und Aquilina, die ihn abspenstig machen sollten. Aber sie wurden von Christophorus bekehrt, deshalb vom König grausamen Martern unterworfen und enthauptet. Dann schickte der Herrscher 200 Kriegsknechte aus, um den Riesen zu greifen; sie vermochten es nicht, denn er erhielt übermenschliche Kraft aus dem Gebet. Weitere 200 Soldaten wurden ausgeschickt, aber sie bekehrten sich und wurden enthauptet. 400 Bogenschützen sollten ihn nun erschießen, die Pfeile blieben aber in der Luft stehen, und als der König dies für Zauberei hielt, traf ihn ein Pfeil und machte ihn blind. Christophorus sagte zu ihm: Morgen bin ich tot, dann nimm von meinem Blut, mische es mit Erde, lege es auf dein Auge, und du wirst geheilt.
Christophorus wurde dann
enthauptet, der König tat nach seinen Worten, wurde sehend und bekehrt. Mühsam
schleppten die Kriegsknechte den Leichnam des hundsköpfigen Riesen zum Stadttor
hinaus.
Diese Erzählung ist wohl eine Ableitung aus den ursprünglich aus Ägypten stammenden gnostischen Bartholomäusbeschreibungen des 4./5. Jahrhunderts und wurde auf einen ursprünglichen, "realen Soldaten" (wie manche Forscher glauben (A3:) ) und Märtyrer übertragen.
Christophorus war ein Ehrentitel für alle Märtyrer und hat sich erst später als Eigenname verselbständigt.
In der Syrisch-Orthodoxen Kirche wird Christophorus deshalb zusammen mit 700 Gefährten verehrt, die als Märtyrer starben. (4./5.)
Machen wir uns diese Ausgangslage für die Entstehung der westlichen Legende noch einmal bewusst mit folgenden Überlegungen:
Die griechische Inschrift benennt keine konkrete Person sondern den Bau einer Kirche für einen schon bestehenden Kult. Eine historisch belegbare Person hätte einen ursprünglich anderen Namen aus dem örtlichen Sprachbereich getragen der dann zum "Christophorus" umgewandelt worden wäre und diesen Vorgang hätte man vermutlich festgehalten.
Der Name aus der Legende "Reprobus" ist wie der Name "Christophorus" eine Beschreibung einer inneren menschlichen "Haltung": Aus dem "Verwerflichen - Schlechten", aus dem menschenfressende Ungeheuer, dargestellt durch den monströsen Hundekopf, wird durch Taufe einer, "der sich zu Christus bekennt", aus dem "Sprachlosen" wird der "Missionar", der plötzlich die fremde Sprache versteht und spricht. Das Motiv "Reden mit vielen Zungen" ist ebenfalls der Bibel entnommen.
Wenn wir unseren "Unbekannten" für einen Soldaten halten wie der Altertumsforscher D. Woods vermutet, dann wäre sein Schicksal nur eines von Tausenden gewesen. Von den anderen abgehoben hätte es sich nur durch evtl., besondere persönliche Merkmale. Der "Soldat" könnte besonders "stark - groß - vielleicht sogar am Kopf missgestaltet" gewesen sein. Sollte es sich tatsächlich um einen Soldaten (evtl. Legionär) gehandelt haben, dann wäre die Kirche erst 150 bis 200 Jahre nach seinem Tod zu seinem Gedenken gebaut worden. 200 Jahre, wenn man von Kaiser Decius ausgeht, 150 Jahre, wenn man D. Woods folgt.
Spricht nicht vieles dafür, dass die Christophorus-Kirche um 450 stellvertretend für alle Märtyrer jener Zeit gebaut wurde, die ein ähnliches Schicksal erlitten haben? Die Legendenbildung um den Namen Christophorus war notwendig um aus den vielen dann "eine Person" zu schaffen, die man als "Patron", als Mittler zwischen Gläubigen und Gott anrufen kann.
Diesem Gedanken folgend hat Martin Luther in einer
Predigt vom 25.Juli 1529 mit Blick auf die uns besser bekannte, westliche
Legende formuliert: "Du sollst wissen, dass Christoph nicht eine Person
ist, sondern ist ein Ebenbild aller Christen. Die Geschichte will nicht eine
Historie sein, sondern will das christliche Leben vor Augen malen."(6)
In
Bemerkungen zu der antike Vorstellung der Kynokephalen („Hundsköpfigen“ - Bild links):
Schon Autoren wie Plutarch, Herodot und Plinius der Ältere berichteten von fernen hundsköpfigen Völkern. Seit der Antike tauchen sie in Literatur und Kunst als Fabelvölker vom Rand der damals zivilisierten Welt (Indien oder Afrika) auf. Diese Vorstellung war weit verbreitet und fand Eingang in südosteuropäischen Volkssagen. Im Mittelalter wurden sie zu dämonischen Höllenwesen und zu Heerscharen des Antichristen.
Deshalb kann es keine größere (göttliche) Macht geben als die Wandlung von einem hundsköpfigen Reprobus zu einem Christophorus. - Die Christophoruslegende ist somit keine Personengeschichte sondern eine "Botschaft, was Glaube und Taufe vermag" und dies gilt auch für die westliche Legende.
Als literarische Grundlage der Christusträgerlegende gilt - nach einigen Variationen der östlichen Legende und inhaltliche Vorstufen - die „Legenda aurea“ des Dominikaners und späteren Bischofs von Genua, Jacobus de Voragine (1229-1298). Wir machen also einen Zeitsprung von ca. 800 Jahren!
Seine
in Latein verfasste Sammlung von Heiligengeschichten und ihre weite
Verbreitung trug dazu bei, dass die nicht in Latein unterrichtete Bevölkerung
direkten Zugang zu den populären, meist kurzen aber ausgeschmückten
Lebensbeschreibungen erhielt. Dabei benutzte er vielfältiges
Quellenmaterial wie die Bibel,
Sammlungen von Heiligengeschichten, apokryphe Evangelien, Apostel- und
Märtyrerakten, sowie die in Klöstern und im Volk überlieferten Geschichten.
Bis zum Erscheinungsjahr (nach 1273) der Legenda
Aurea gab es über die Christophorusfigur eine Fülle unterschiedlicher
Überlieferungen, die sich teilweise widersprachen oder noch gar nicht richtig
ausformuliert waren. Die verschiedenen Versionen wurden von Jacobus de Voragine
zusammengetragen, gekürzt und kombiniert. Die Legenden, die im 13. Jh.
miteinander verschmolzen wurden, versuchen die Forscher des 20. Jhs. wieder
auseinander zu dividieren.
So dienten diese Legendensammlungen, mit volkstümlichen Elementen versehen, als eine Art christlichen Wegweisers für den Alltag.
Gleich nach ihrem Erscheinen trat die Legendensammlung Legenda Aurea einen einzigartigen Siegeszug durch das ganze Abendland an, schon 1282 ist eine Handschrift in Deutschland nachweisbar. Jacobus' Sammlung wurde in vielen Ländern übersetzt und oft durch lokale Legenden erweitert, womit sie fast auf das Doppelte ihres ursprünglichen Umfangs anwuchs.
Eine französische Übersetzung entstand ums Jahr 1335
und fügte 43 neue Legenden hinzu. Die berühmteste englische Übersetzung
erschien erstmals 1483 im Druck. Die erste deutsche Übersetzung stammte
aus dem Elsass und entstand 1362. Insgesamt erlebte die Legenda Aurea bis zum
Jahr 1500 etwa 80 Druckauflagen. In Köln entstand eine umfassende Sammlung der
zugefügten Heiligengeschichten, die neben den 177 Kapiteln des Originals
weitere 197 Kapitel umfasste.
Außer einer Art Laienbrevier bildete
die Legenda Aurea auch eine eifrig benutzte Quelle für die Prediger des
Mittelalters und eine Fundgrube für Motive in der kirchlichen Kunst,
die damit eine Vorlage zur Gestaltung lebendiger Darstellungen bekam.
Die „Legenda aurea“ (Bild rechts) erzählt im ersten Teil der Lebensbeschreibung, wie sich die Wandlung eines Riesen namens Reprobus zum heiligen Christophorus vollzogen hat.
Dieser 12 Ellen große Riesen mit furchtbarem Anblick (!) war Soldat bei einigen weltlichen Herrschern. Als er so einst vor seinem König, dem König der Chananaeer stand, kam ihm in den Sinn, den größten Herrscher in dieser Welt zu suchen und bei diesem zu bleiben, nur diesem wollte er dienen ( - ein aus der höfischen Tradition (Parzival) bekanntes Motiv.)
Als ein König, den er für den mächtigsten gehalten hatte, bei einem Spielmannslied sich jedesmal bei der Nennung des Teufels bekreuzigte, musste dieser zugeben, dass er sich vor dem Teufel fürchtete. Da verließ Christophorus ihn, um diesen noch mächtigeren Herrn zu suchen.
In der Einöde fand er ihn als schwarzen Ritter mit einer schrecklichen Begleiterschar und stellte sich in seinen Dienst.
Auf ihrem Weg wurde
ein Kreuz sichtbar dem der Teufel auswich und deshalb einen großen Umweg
einschlug. Er musste vor Christophorus zugeben, dass er das Bild des gekreuzigten Christus noch mehr als
alles in der Welt zu fürchten hätte.
Christophorus verließ nun auch den Teufel, nur dem noch mächtigeren Christus wollte er fortan dienen. Lange suchte er, bis er endlich einen Einsiedler fand, der später Cucuphas (ebenfalls ein heiliger Märtyrer aus dem 4. Jahrhundert, der aus Nordafrika stammte) genannt wurde. Dieser bestätigte ihm, dass Christus der mächtigste Herrscher sei. Wolle man ihm dienen, so müsse man fasten können. Christophorus entgegnete, dass er das nicht könne. Auch die nächste Forderung, viel zu beten, konnte Christophorus nicht befolgen.
Er übernahm dann aber die Aufgabe, Menschen auf dem Rücken über einen gefährlichen Fluss zu tragen, denn er war ja groß und stark. Statt eines Stabes nahm er eine große Stange und trug unermüdlich Menschen herüber und hinüber.
Diese Aufgabe ist eine Entlehnung aus der Legende
von "Julianus
Hospitator", einem weiteren Heiligen, der
als Fährmann dient. In dessen Lebensbeschreibung sind Elemente der
Ödipussage
Eines Nachts hörte Christophorus eine Kinderstimme rufen, konnte aber in der Dunkelheit nichts erblicken. Nach dem dritten Ruf erkannte er ein Kind, das hinübergetragen werden wollte.
Als er aber mit diesem Kind auf der Schulter ins Wasser stieg, wurde die Last immer schwerer, das Wasser schwoll an, er fürchtete zu ertrinken und glaubte, die ganze Welt läge auf seinen Schultern. Mehr als die Welt hast du getragen, sagte das Kind zu ihm, der Herr, der die Welt erschaffen hat, war deine Bürde.
Das Kind drückte ihn unter das Wasser und taufte ihn so. Am Ufer erkannte Christophorus Christus als seinen Herrn, der ihm auftrug, ans andere Ufer zurückzukehren und seinen Stab in den Boden zu stecken: er werde als Bekräftigung seiner Taufe finden, dass der Stab grüne und blühe. Als Christophorus am Morgen erwachte, sah er, dass aus seinem Stab tatsächlich ein Palmbaum mit Früchten aufgewachsen war.
Im
Vergleich zur ursprünglichen, östlichen Legende wird in der uns bekannteren
westlichen Fassung nichts von einem Märtyrertod und von keiner
Missionarstätigkeit des Christophorus berichtet. Trotzdem gilt er in der
kirchlichen Tradition weiterhin als "Märtyrer". Also beruft sich die kath.
Kirche damit auf die östliche Urfassung der Legende. Das Ungeheuer, das
"Monströse" mit dem Hundekopf wird in der westlichen Fassung abgemildert zum
"Riesen mit fürchterlichem Aussehen".
Die Hauptaussage bleibt: Wer sich in den Dienst Christi stellt, ihn als Herrn anerkennt, darf an dessen "Wunder" teilhaben (Grünender Stab).
Zusammenfassend kann man sagen, dass das ältere Christophorusbild bis zum Erscheinen der Legenda Aurea am Ende des 13. Jh. eine Illustration des Namens darstellte und vom inneren Christustragens gekennzeichnet war. Dieses Bild hat sich aber gewandelt und zur Legende vom sichtbaren Christustragen geführt. Die westliche Legende strebte an, das alte Bild zu erklären und hat ihrerseits das neue Bild des Heiligen in zahlreichen - nicht immer glücklichen - Illustrationen hervorgebracht.(7)
Die populäre Verehrung des heiligen Christophorus wurde schon früh kritisiert. Erasmus von Rotterdam (1469 - 1536) (Bild links) tadelte sie scharf als abergläubische "Götzenanbetung". Er bemängelte, dass Christen den lebendigen Christus vernachlässigen und stattdessen mechanisch auf Heiligenbilder vertrauen. Er sah darin eine Verdrehung des wahren Glaubens, weil die Menschen nur irdischen Schutz statt innerer Tugend suchten. Zwei seiner Hauptschriften beinhalten diese Kritik: (Siehe Wikipedia)

In diesem Werk attackiert Erasmus die oberflächliche Volksfrömmigkeit. Er kritisiert namentlich Menschen, die glauben, dass das bloße Betrachten eines Christophorus-Bildes sie an diesem Tag vor einem jähen (unvorbereiteten) Tod bewahren werde. Erasmus fordert stattdessen eine verinnerlichte Frömmigkeit, die sich an der philosophia Christi (der Lehre Christi) orientiert.
Das Lob der Torheit (Moriae encomium, 1509)
In dieser beißenden Satire lässt Erasmus die "Torheit" selbst sprechen. Sie verspottet die abergläubischen Vorstellungen der Gläubigen. Wer das Christophorus-Bildnis betrachtet, meint unverwundbar zu sein. Er verlangt vom Bild dieselbe Kraft wie von der Legende des Heiligen.
Für Erasmus war die Heiligenverehrung ein Symptom dafür, dass die eigentliche Botschaft der Bibel durch weltlichen Aberglauben verdrängt wurde.
Seine religionskritischen Ansichten zu diesem Thema kann man im Originalwerk über die Projekt Gutenberg-DE Seite zu Das Lob der Torheit nachlesen.
Vertiefende geschichtliche Hintergründe zur Theologie des Erasmus bietet das Wikipedia-Portal zu Enchiridion militis Christiani.
Alle Bilder und Darstellungen des "Hl. Christophorus" haben nichts mit einer realen Person zu tun. Sie spiegeln aber "Vorstellung", "Geschmack" und "Zeitgeist" der jeweiligen Künstler wider. Manchmal verkörpern die Darstellungen auch offene oder versteckte "Botschaften"
Ein fragwürdiges Beispiel dafür stellt die Darstellung der Christophorus-Person am Eingang der Christophorus-Schule in Freudenstadt dar. Man kann ja als Künstler an der Figur alle möglichen Merkmale betonen, die etwas mit seinen Legenden zu tun haben. Zweifelhaft aber bleibt die Darstellung dieser Person als "Schildträger" mit einem in NAZI-Manier erhobenem Arm. Herstellungsjahr und Künstler mag jeder selbst herausfinden.
Anmerkungen:
***
Dieser König "
A1:
So auch im Lexikon der Christlichen Ikonographie, Ikonographie der Heiligen, Bd.5, Herder Verlag 1973, Seite 495 ff, dort heißt es:
"Christophorus ist seit frühchristl. Zeit Bezeichnung des wahren Christen, der Christus in sich trägt... insbes. als Wesensbezeichnung des christlichen Martyrers u. Bekenners..."
Kynokephale:
Zusammengesetzt aus - altgriechisch κύων kýon,
deutsch ‚Hund‘ und κεφαλή kephalḗ, deutsch ‚Kopf‘, bezeichnet hundsköpfige Fabelwesen, die seit der Antike in Literatur und Kunst
vorkommen und im Mittelalter auf großes Interesse stießen.
Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Vierzehn_Nothelfer
https://www.heiligenlexikon.de/Glossar/Martyrologium_Romanum.html
https://www.persee.fr/doc/bch_0007-4217_1878_num_2_1_4459
https://archive.org/details/HandbuchaltchristlichenEpigraphik/page/n203/mode/2up
https://www.christustraeger-bruderschaft.org/christustraeger/bruderschaft/christophorus/
7. Yvonne Bittmann-Steyn:
Diese lesenswerte Magisterarbeit zeigt anhand von Standorten der Christophorusfiguren im Mittelalter deren funktionale Absichten auf .
Online: http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/4350/1/Bittmann.pdf
https://www.heiligenlexikon.de/Legenda_Aurea/Legenda_Aurea.htm
Bilder:
1.
Friedrich I. Taler 1607, geprägt aus dem Silber der Grube Christophstal.
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