Frank Buchman

 

Die "Moralische (Wieder-)Aufrüstung" in Freudenstadt

 


Wer in Freudenstadt durch den Park Courbevoie in Richtung Köhlerhütte wandert, stößt auf den Frank-Buchman-Weg (oft falsch mit Doppel-n geschrieben), der zur Friedrichshöhe und zum Friedrichsturm führt. Unterwegs kommt der Wanderer am rechts abgebildeten Denkmal vorbei und erfährt, dass Frank Buchman am 07.08.1961 in Freudenstadt gestorben ist. Am 17. April 1956 war der aufsteigende Weg zum Kienberg offiziell von der Stadt nach dem berühmten "Waldlust"-Gast benannt worden.
Schon im Jahr 1938 soll er in Freudenstadt seine Weg"Erleuchtung" erfahren haben. Auf dem Gedenkstein ist es in Worte gefasst: "Die nächste große Bewegung in der Welt wird eine geistige und moralische Aufrüstung aller Völker sein"!
Wer war dieser Mann und was steckt hinter seiner Bewegung der "Moralischen Aufrüstung".

Buchman war Amerikaner, seine Vorfahren waren aus dem Schweizer Kanton St. Gallen nach Amerika ausgewandert. Zunächst arbeitete er nach seinem Studium als Pfarrer der lutherischen Kirche, vorwiegend im sozialen Bereich. Er gründete z.B. 1904 in Philadelphia das erste lutherische Jugendheim in den USA.

Nach Differenzen mit seinen Vorgesetzten verlagerte er seine Tätigkeiten mehr und mehr nach Europa, insbesondere nach Großbritannien. Dort entstand unter seiner Initiative 1921 die sog. Oxford-Gruppenbewegung. Deren Ziel war es, aus christlicher Überzeugung heraus einen sittlichen Wandel der Menschen zu erreichen. Buchman kam zu der Überzeugung, dass das Aufweichen moralischer Grundsätze den Charakter der Menschen und zwischenmenschliche Beziehungen zerstört, und dass moralische Stärke eine Voraussetzung für eine gerechte Gesellschaft ist.

Angesichts der wirtschaftlichen und politischen Radikalisierung der Gesellschaft in den 1930er Jahren, als sich Europa 1938 zum Krieg rüstete, rief Frank Buchman zu einer moralischen und geistigen Aufrüstung für eine Welt ohne Hass, Angst und Habgier auf. Daraus entstand der Name "Moralische Aufrüstung" (Moral Re-Armament, abgekürzt MRA.) Buchman schilderte es so:

"Am 4. Juni 1938 machte ich einen Gang in der Umgebung von Freudenstadt. Die Welt stand am Rande des Chaos. Als ich durch diese stillen Wälder schritt, kam mir immer wieder der Gedanke einer moralischen und geistigen Aufrüstung. Die nächste große geistige Bewegung in der Welt wird eine moralische Aufrüstung aller Völker sein." (12)

Kurz vor dem Ausbruch des Krieges in Europa im Sommer 1938 rief Buchman weltweit zu dieser moralischen und geistigen Aufrüstung auf. Zur gleichen Zeit begann die "Moralische Aufrüstung" offiziell mit ihrer Arbeit in Europa und Nordamerika. Bald handelte es sich nicht mehr nur um eine Art "Erweckungsbewegung", sondern nun wollte Buchman mit seiner MRA auch Einfluss auf das aktuelle politische Geschehen seiner Zeit nehmen.Denkmal(1)

Buchmans Ziel war es, die positiven Kräfte aller Länder zu bündeln. Seine Überzeugungen wurden vermehrt in der öffentlichen Diskussion aufgegriffen. Im Geiste des Christentums sollten die Gefahren des Atheismus, des Materialismus und vor allem des Kommunismus überwunden werden. Deshalb war Buchman anfänglich auch durchaus positiv vom Nationalsozialismus und seinen Vertretern und derer antikommunistischen Haltung eingenommen. Denn ein Sinn für Demokratie war in diesem Lutheraner aus Amerika nicht angelegt. Nur die Spitzen, die vorhandenen "Führer", meinte er ändern zu müssen; alles andere würde dann fast automatisch folgen. So hielt er selbst eine "von Gott kontrollierte" faschistische Diktatur für geeignet, menschliche Probleme zu lösen. 1936 dankte er dem Himmel "für einen Mann wie Hitler, der eine Frontlinie der Verteidigung gegen den Antichrist des Kommunismus aufbaute".

Es war kein Zufall, dass er sich zwei Jahre später im deutschen Klima zum moralischen Aufrüster und zum Ideologen des Antikommunismus wandelte. Der kommunistischen Welterlösung setzte er den amerikanischen Optimismus der Selbsterlösung entgegen.

Frank Buchman spürte stets, was in der Luft lag. Im Jahre 1940 zog er in einen "patriotischen Kreuzzug", diesmal gegen Hitler. (Truman: »Niemand konnte unsere Kriegsziele so gut darstellen wie er.") Von nun an galten seine Kreuzzüge nicht mehr der Person, sondern dem Heil Amerikas, wie er es verstand.(2) - Buchman war inzwischen auch ins Visier der Gestapo geraten.

Die Kriegsjahre verlebte er in den Vereinigten Staaten. Während des Krieges meldeten sich Hunderte seiner Mitarbeiter bei den Streitkräften der Alliierten als Freiwillige. Er selbst blieb mit anderen in den Vereinigten Staaten, um dort zur Stärkung der nationalen Moral beizutragen.

Nach dem 2. Weltkrieg erwarb die MRA-Bewegung einen riesenhaften Hotelkomplex in Caux, in dem 1947 die Reihe der nun fast jährlichen „Weltkonferenzen“ fortgesetzt wurden, die bisher  auf der Insel Mackinac im Huronsee der USA stattgefunden hatten. Gewerkschafter und Unternehmer, Regierende und Oppositionelle; Schwarze und Weiße; Gläubige und Ungläubige aus Dutzenden von Ländern wurden und werden zu diesen Weltkonferenzen eingeladen, vielfach unter Erstattung sämtlicher Kosten, um bei gemeinsamem Gebet, Selbstanklage, Reformgelöbnis und Tellerwaschen den Zielen und Zwecken der MRA zu dienen.

Frank Buchman war nach Europa zurückgekehrt. Er meinte nun, dass ein dauerhafter Weltfriede nur geschaffen werden könne, wenn sich in den menschlichen Beziehungen sowohl im persönlichen als auch im öffentlichen Bereich etwas ändere. MRA wurde nun zu einer weltumspannenden Erweckungsbewegung.

In vier Forderungen fasste sie "Gottes Gebot" zusammen: Absolute Ehrlichkeit, Reinheit, Selbstlosigkeit und Liebe. Die Quelle ihrer Kraft war die Stille, die tägliche Stille vor Gott und das Erleben der christlichen Gemeinschaft. Natürlich kann der Mensch nicht aus eigener Kraft diesen Stand der Vollkommenheit erreichen. Leitkraft der MRA-Menschenumwälzung ist  deshalb Gott, der wieder "auf die Kommandobrücke der Demokratie müsse", wie es in einem MRA-Kernspruch heißt.(14)

Diese neue Ideologie scheint so stark, dass sie vermeintlich die Schranken zwischen Menschen, Klassen, Nationen und Rassen zu sprengen vermag. Was sie verkündet, ist das Dogma des sozialen Friedens, ein Faktor der "göttlichen Weltordnung", der wieder bewusst gemacht werden müsste.(3)

Die Lösung der wirtschaftlichen Probleme sah in Buchmans Vorstellungen so aus: „Wenn jeder genug für den anderen sorgt und jeder genug teilt, hat dann nicht jeder genug? In der Welt ist genug für jedermanns Bedürfnisse. Die Industrie kann zum Träger einer neuen Ordnung werden, in der an die Stelle des Eigennutzes der Dienst am Volke tritt und in der die industrielle Planung auf die Führung Gottes gegründet ist. Wenn Arbeiterschaft, Betriebsführung und Kapital unter Gottes Führung zusammenarbeiten, dann kann die Industrie den ihr gebührenden Platz im Leben des Volkes finden."

Damit die Führung durch Gott besser klappt, wurden vor allem auch deutsche Gewerkschaftsmitglieder nach Caux eingeladen und zu Äußerungen veranlasst, die, in zum Teil sinnentstellender Weise zitiert, den Eindruck erwecken sollten, eine Mehrzahl von Gewerkschaftern habe sich die Ziele der MRA zu eigen gemacht und erwarte von ihr neben anderen die schmerzlose Lösung der sozialen Frage. Dies wurde dann in Broschüren der MRA massenhaft verbreitet. Das Buch der MRA "Welt im Aufbau" wurde z.B. an alle deutschen Studenten verteilt. (14)

Nach der Proklamation des Kalten Krieges war Buchman der erste, der den Antikommunisten die tröstende Gewissheit gab, sich in der neuen westlichen Kampfgemeinschaft wieder bewähren zu können. Paul Hoffmann, der Marshall-Plan-Administrator, nannte sie "das ideologische Gegenstück zum Marshallplan".

Der Erfolg der "Moralischen Aufrüstung" war nicht nur dem Einsatz von Geldmitteln zu verdanken, sondern auch der beabsichtigenden, außerordentlich geschickten Verknüpfung von politischer Einstellung und Lebensgeschichte.

Das MRA-Schauspiel "Der vergessene Faktor" gab zu verstehen, dass sich alle Differenzen durch Teamwork lösen ließen, zuhause am Frühstückstisch, im öffentlichen Leben am Konferenztisch. So wie sich der Kommunist der Selbstreinigung in der Prozedur der Kritik und Selbstkritik unterzog, so breitete der „moralisch Aufgerüstete“, beflügelt durch die mit ihm sympathisierende Gruppe, sein Leben aus, bekannte seine Schuld und gelobte Besserung. (11)

In den Deutschen und ihrem Autorität ausübenden Kanzler (Adenauer) glaubte Buchman denn auch die natürlichen Bundesgenossen gefunden zu haben. Zu einer Zeit, in der jeder Kontakt zu Deutschen extrem schwierig war, luden Buchman und seine Mitstreiter immer größere deutsche Delegationen nach Caux ein.

Mit der Mithilfe von General Clay wurden zuerst 150 Deutsche ausgesucht und zu der MRA-Tagung in die Schweiz zur Ausbildung geschickt. Alliierte Dienststellen sagten aus, dass sie bei ihrer Rückkehr beschwingt waren durch neue Perspektiven. Die Fehler der Vergangenheit wurden williger zugegeben, die Zukunft würden sie nun anders gestalten wollen. Sie setzten sich zusammen und schrieben eine Broschüre über die Demokratie mit dem Titel: Es muss alles anders werden. (11)

Auch die neu entstandene politische Führungsriege eilte nach Caux. Wer Rang und Namen hatte, eilte auf Kosten Buchmans ins Schweizer Nachkriegsparadies, um sich Kraft und Nahrung zu holen. Im Laufe der folgenden vier Jahre ab 1947 kamen mehr als 3 000 Deutsche und 2 000 Franzosen nach Caux.

 

In den 1950er Jahren reisten mehrere Schauspieltruppen um die Welt um die Grundgedanken der MRA weiter zu verbreiten. Auch in Freudenstadt waren sie aktiv. Stets traten dabei  "Bekehrte" auf, wie im Film und auf den Bildern (=Standbilder aus dem zitierten Film) zu erkennen ist. Besonders hervorgehoben werden dabei "Figuren" wie Sioux-Häuptling, Generäle, Formosa-Chinesen... Der Film ist auch bei YouTube zu finden!

Die Botschaften der Bekenner-Aufführungen waren immer die gleichen: Einmal wird der vom Kommunismus verführte Sohn gerettet und seiner Familie wieder zugeführt oder aber der chinesische (kommunistische) Drache wird besiegt. Dazu ertönte dann noch im Western-Country-Stil das Loblied auf die WRA.

Die große Masse der Neugierigen auf dem Freudenstädter Marktplatz verdeutlicht, wie sehr sich diese in den Nachkriegsjahren nach neuer Orientierung sehnte, neugierig aber auch "skeptisch" war.

Buchman predigte gewaltige Änderungen und erhielt dort am meisten Beifall, wo nichts geändert werden konnte. Denn seine Philosophie zementierte den weiteren Stillstand: Ein Mensch "geändert" bedeutet eben nicht, dass dadurch Millionen geändert werden und eine Welt in Frieden entsteht. Den Sprung vom Einzelnen zu den Millionen überließ Buchman nämlich Gott höchstpersönlich. Aber der Einzelne erwarb sich durch die MRA ein besseres Selbstwertgefühl. Der einstige Lutheraner Buchman war an der Privat-Moral interessiert, nicht an gesellschaftlichen Konsequenzen. Er war "unpolitisch", weil er die Politik in guten Händen glaubte.(2)

Kann sich die menschliche Natur mit oder ohne Hilfe Gottes wirklich so radikal wandeln? Ein protestantischer Theologe, der von der "Neuen Zeitung" zitiert wurde, formulierte im Hinblick auf MRA ein entschiedenes "Nein": "Man möge mir verzeihen, dass ich Buchman als einen Mann bezeichne, der auf Erden kleine Abbilder Gottes in Serienfabrikation herstellen möchte: absolut ehrlich, absolut rein, absolut selbstlos, absolut liebend. Buchman sollte wirklich etwas bescheidener werden." -  Auch der Kölner Kardinal Frings riet den Gläubigen ab, Buchmans Medizin zu schlucken.(14)

Frank Buchman wird später von der deutschen und der französischen Regierung für seine Verdienste um die Versöhnung in Europa ausgezeichnet. Er erhielt u.a.1952 das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.

Seine Residenzen waren immer komfortabel, die Ausgaben seiner Bewegung, die christliche Einfachheit forderte, aber dem amerikanischen "High life" angepasst. "Ist Gott nicht Millionär?" antwortete er auf die Frage nach dem Grund seines aufwendigen Lebens. Sein enger Kontakt mit weltlichen Millionären war erfolgreich, denn aufs Geschäft verstand sich Buchman besser als auf die Theologie. Seine dankbaren Geldgeber verriet er nur indirekt: "Eine von der 'Moralischen Aufrüstung' beseelte Industrie wird genug produzieren, um alle Bedürfnisse zu befriedigen."

Ein amerikanischer Gewerkschaftsführer gestand: "Durch meine Bekehrung haben Sie der Industrie 500 Millionen Dollar erspart."(2) Da blieb Platz für finanzstarke Spenden, deren Herkunft nur vermutet werden kann. Bis heute hat die MRA ein riesiges Vermögen angehäuft. (8)

In den meisten Fällen wohnten die MRA-Mitarbeiter als Gäste bei deutschen Familien. Führende Politiker, Unternehmer und Gewerkschafter, aber auch Arbeiterfamilien boten ihre Gastfreundschaft an. Auch Veranstaltungen wurden häufig aus privaten Spenden finanziert. So bemühte sich der Verleger und CDU-Bundestagsabgeordnete Gerd Bucerius, für den Besuch der Schauspieltruppe und die Aufführung des Dramas „Der vergessene Faktor" in Hamburg vom Hamburger Senat 10 000 DM zu erhalten. Er selbst sagte eine Spende von 1000 DM zu. (1)

Die Konferenzen in Caux in der Schweiz und auf Mackinac-Island in den USA fanden in der Nachkriegszeit große öffentliche Anerkennung, weil sie als Beitrag zur internationalen Verständigung gesehen wurden. In Lateinamerika, Indien, Japan und mehreren Ländern Afrikas wurden neue Zentren eröffnet.

 

Am 22. Juli 1961 war Buchman wieder nach Freudenstadt gekommen, am Abend des 7. August 1961 starb er im Waldhotel Luz.

Zahlreiche Gäste aus aller Welt verabschiedeten ihn in Freudenstadt. Ministerpräsident Kiesinger und Arbeitsminister Blank waren unter den Trauergästen. Vor der Stadtkirche verfolgte eine riesige Menschenmenge den Gedenkgottesdienst über die Lautsprecher. Anschließend fand im Freudenstädter Kurhaus eine Gedenkfeier statt. Dabei wurde von Freudenstadt als einem "Mekka der freien Menschen" gesprochen. Bürgermeister Bärlin benannte Freudenstadt als eine Heimat, wo sich die "Männer und Frauen der Moralischen Aufrüstung finden können, um in Ruhe bei den Tannen der schwarzen Wälder Kraft zu schöpfen für das Weitertragen der Ideen". (13)  - Anmerkung: Schwarzwälder Bote

Nach Buchmans Tod 1961 übernahm der Brite Peter Howard, ein ehemaliger politischer Journalist, die führende Position in der MRA. Aber vier Jahre später starb auch er.

Ohne klar definierte Führung, die den Zusammenhalt sichert, brachen Meinungsunterschiede zwischen denjenigen auf, die danach Verantwortung übernahmen. (15)

Im Jahr 2001 wurde die Organisation in "Initiativen der Veränderung" (Initiatives of Change) umbenannt. Sie ist heute als Nichtregierungsorganisation tätig und hat einen Sonderstatus bei der UNO und dem Europarat.Ihre heutige Selbstdarstellung und ihre Aktivitäten in Caux und weltweit findet man im Internet. (6)





Anmerkungen:

Hitler

So wurde er 1936 im New York World-Telegram mit der Aussage zitiert: „I thank heaven for a man like Adolf Hitler, who built a front line defence against the anti-Christ of Communism“ – „Ich danke dem Himmel für einen Mann wie Adolf Hitler, der eine Verteidigungslinie gegen den Antichrist des Kommunismus aufgebaut hat.“

William A. H. Birnie: Fascist World Ruled by God, Buchman Idea. - Interview mit Frank Buchman in: New York World-Telegram. 26. August 1936.



Adenauer

08.12.1959:
"Jetzt zu unserem Besuch in London. Die Aufnahme war zuerst etwas kühl und frostig. Aber eben fällt mein Blick auf Herrn Bausch 11 , und da muß ich sagen, dass die Leute aus Caux 12 , die [von] dort nach England geschickt worden sind, deutsche Bergleute und Andere, bei der Bevölkerung Englands eine gute Atmosphäre erzeugt haben; sie haben das ausgezeichnet gemacht, und ich habe mich nicht nur bei den Leuten selbst, sondern auch bei Herrn Buchman 13 herzlich bedankt. Die Atmosphäre war, wie ich gesagt habe, erst etwas frostig, allerdings nicht bei mir, auch bei vielen Leuten auf der Straße nicht. Auf alle Fälle hat sie sich aber erheblich gebessert, nachdem wir uns unter Partnern und Freunden offen und ehrlich ausgesprochen hatten. 14 Das ist in der Außenpolitik und in der Innenpolitik schon sehr viel wert, wenn man sich offen und ehrlich mit jemandem aussprechen kann. Das beweist, dass man einen gemeinsamen Boden hat und sich gegenseitig verpflichtet fühlt, miteinander zu gehen. Sonst würde man sich nicht offen und ehrlich aussprechen.
" (4)

05.04.1960:
"Dann noch einiges über Washington. Ich will nicht aufzählen, mit wem ich alles gesprochen habe, übrigens auch mit Leuten von der Moralischen Aufrüstung, auch Herrn Buchman. Es wird manchmal über die Moralische Aufrüstung etwas gelächelt. Aber diese Leute kommen an und helfen der deutschen Sache, das muß man erkennen." (5)

Als Buchman starb, schrieb Kanzler Adenauer in seinem Beileidstelegramm 1961, Buchman habe zu den ersten gehört, "die nach schwerer, dunkler Zeit uns Deutschen die Freundeshand reichten". Das deutsche Volk werde ihm ob seiner lauteren Gesinnung, seines beispielhaft mutigen Einsatzes für Frieden und Völkerversöhnung ein ehrendes Andenken bewahren.


Anmerkung: Schwarzwälder Bote
Nach 1945 war der Schwarzwälder Bote eine der ersten Zeitungen in der französischen Besatzungszone, die eine neue Lizenz erhielt. Die MRA suchte in dieser Zeit aktiv den Kontakt zu deutschen Medien und Politikern. Der Schwarzwälder Bote galt in der Nachkriegszeit zeitweise als Sprachrohr oder zumindest als der MRA sehr nahestehend. Mehrere Redakteure und Führungspersönlichkeiten des Blattes waren von den Prinzipien der Bewegung (absolute Ehrlichkeit, Reinheit, Uneigennützigkeit und Liebe) überzeugt. In der Zeitung erschienen im Jahr 1947 und den Folgejahren regelmäßig Artikel, die die Konferenzen der MRA im Schweizer Ort Caux behandelten. Dokumente im Landesarchiv Baden-Württemberg belegen, dass der Schwarzwälder Bote (z.B. Nr. 203 vom 4. September 1947) Inhalte der Moralischen Aufrüstung verbreitete. Bericht aus Caux: Der Hauptartikel befasst sich mit der Versöhnungsarbeit zwischen ehemaligen Kriegsgegnern. Es wird betont, wie die vier "absoluten Standards" (Ehrlichkeit, Reinheit, Uneigennützigkeit, Liebe) als Fundament für eine neue deutsche Demokratie dienen können.
Die Ausgabe Nr. 203 spiegelt die Hoffnung wider, durch "innere Veränderung" die materielle Not und die moralische Krise der Nachkriegszeit zu überwinden. Die Zeitung vertrat in dieser Phase eine dezidiert pro-MRA-Haltung, was oft zu Kritik von anderen Medien führte, die dem Blatt eine zu starke ideologische Einseitigkeit vorwarfen.







Quellen:

(1)

Gabriele Müller-List: Eine neue Moral für Deutschland? Die Bewegung für Moralische Aufrüstung und ihre Bedeutung beim Wiederaufbau 1947—1952, aus "politik und zeitgeschichte - beilage zu wochenzeitung das parlament" B44/81, 31.10.1981

https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/archiv/532084/apuz-44-1981/

(2)
DER SPIEGEL 34/1961: FRANK N. D. BUCHMAN 4.VI.1878 - 8.VIII.1961- 15.08.1961
https://www.spiegel.de/politik/frank-n-d-buchman-4-vi-1878-8-viii-1961-a-2ff0f8ff-0002-0001-0000-000043365659

(3)

Engdahl Thygesen: "Von Oxford bis Caux" - in -  Die Zeit  Nr. 17/1951, 26. April 1951

https://www.zeit.de/1951/17/von-oxford-bis-caux


(4)
https://fraktionsprotokolle.de/cdu-csu-03_1959-12-08-t1530_EP.xml?facet-person=%23BuchmanFrank

(5)
https://fraktionsprotokolle.de/cdu-csu-03_1960-04-05-t1115_EP.xml?action=search&view=page&odd=fraktionsprotokolle.odd#3.6.4.2.74.2

(6)
https://www.iofc.ch/de/iofc-entdecken/unsere-geschichte#show3

(7)
https://www.iofc.ch/de/stories/1962-chief-walking-buffalo

(8)
Friedrich-Ebert-Stiftung - FRITZ HEINE: Moralische Aufrüstung
http://library.fes.de/gmh/main/pdf-files/gmh/1961/1961-06-a-347.pdf

(9)
Maike Majewski in: Hamburger Skripte 13, Umerziehung durch die Herrschaft Gottes, Die Erweckungsbewegung „Moralische Aufrüstung“ im Re-Education-Programm der Nachkriegszeit
Hrsg.: Rosa-Luxemburg-Bildungswerk Hamburg e.V., Hamburg, November 2006,
https://epub.sub.uni-hamburg.de/epub/volltexte/2009/2614/pdf/HS13MoralischeAufruestung.pdf

(10)

REMAKING THE WORLD, The Speeches of FRANK N. D. BUCHMAN,  LONDON,  BLANDFORD PRESS, 1961

https://archive.org/details/in.ernet.dli.2015.149506

(11)

Caspar Schrenck-Notzing: Charakterwäsche, Die amerikanische Besatzung in Deutschland und ihre Folgen, Seewald Verlag, Stuttgart, 1965

https://archive.org/details/charakterwaesche


(12)

Biographie "Frank Buchman – A life" von Garth Lean, Verlag Constable & Company, Großbritannien, 1985.


(13)

Große Vision von einem "Mekka der freien Menschen", Schwarzwälder-Bote 09.08.2011


(14)

DER SPIEGEL 42/1954: Die Caux-Existenz, 12.10.1954

https://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1954-42.html

 


(15)

"Der Wandel der Moralischen Aufrüstung zwischen Oxfordgruppe und Sing-Out-Bewegung im Spiegel ihrer Filme". Wissenschaftliche Hausarbeit zur Erlangung des akademischen Grades eines Magister Artium der Universität Hamburg vorgelegt von Maike Majewski aus Tübingen, Hamburg 2005

https://www.yumpu.com/de/document/view/21224490/der-wandel-der-moralischen-aufrustung-zwischen-oxfordgruppe-

 







Bilder / Videos:

https://www.youtube.com/watch?v=iZxfDipJhCo

MRA in Freudenstadt:

https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzExOTIyMDM


YouTube:

https://www.youtube.com/watch?v=6Y1huumrhEM

Unter dem Suchbegriff "Moralische Aufrüstung" findet man bei YouTube weitere Filme zum Thema.



WDR zum Todestag des Predigers Frank Buchman, 07.08.1961

https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/frank-buchman-prediger-100.html

 




 

Letzte Änderung: 29.03.2026

 

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