Die Opernpartie

Der Barbier von Sevilla


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Während die meisten Besucher der Opernaufführung "Der Barbier von Sevilla" in Paris folgten, spielte 1858 das Schachgenie Paul Morphy (22.06.1837 - 10.07.1884) gegen zwei Adlige (Herzog Karl von Braunschweig und Graf Isoard de Vauvenargue), die sich gegenseitig bei ihren Zügen berieten, folgende Partie:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Weiß: Morphy Schwarz: Die Adligen Was dazu gesagt werden kann:
1. e4 1. e5 Eine klassische Eröffnung: Eine italienische Partie.
2. Sf3 2. d6 Schwarz wählt die Philidor-Verteidigung, eine solide, aber eher passive Antwort.
3. d4 3. Lg4 Schwarz macht einen ersten ungenauen Zug. Die sofortige Fesselung des Springers f3 kommt verfrüht. Normalerweise würde Schwarz zuerst den Bauern d5 entwickeln.
4. dxe5 4. Lxf3 Ein weiterer Fehler: Schwarz tauscht den aktiv entwickelten Läufer gegen einen der besten Springer von Weiß und erleichtert so die weitere Entwicklung von Weiß.
5. Dxf3 5. dxe5 Weiß hat nun eine offene d-Linie für seine Dame und Kontrolle über das Zentrum.
6. Lc4 6. Sf6 Schwarz entwickelt seinen Springer. Morphy nutzt diese Gelegenheit für einen entscheidenden Schritt.
7. Db3 7. De7 Ein brillanter Zug. Morphys Dame greift den schwachen Punkt f7 an und droht gleichzeitig dem ungedeckten Bauern auf b7. Dieser Zug zwingt Schwarz in die Defensive.
8. Sc3 8. c6 Schwarz sichert seinen d-Bauern.
9. Lg5 9. b5 Schwarz opfert einen Bauern, um Morphys Läufer anzugreifen. Aus strategischer Sicht ein schlechter Tausch, da er die Entwicklung von Weiß weiter beschleunigt.
10. Sxb5 10. cxb5 Ein starkes Opfer. Morphy gewinnt die Initiative, da er den schwarzen König aus der Deckung locken kann.
11. Lxb5+ 11. Sbd7 Weiß hat die schwarze Königsstellung aufgerissen. Ein präziser Zug, der Morphys Turm schnell ins Spiel bringt. Er zeigt, wie man mit einer Rochade einen Angriff starten kann.
12. 0-0-0 12. Td8 Td8  - Schwarz deckt den d-Bauern.
13. Txd7 13. Txd7 Schwarz muss nehmen. Der letzte Teil des Turmopfers. Morphy stellt seinen Turm auf d1 um auf die geöffnete d-Linie zu kommen und den Angriff zu vollenden.
14. Td1 14. De6 Schwarz will die Königin tauschen, um den Angriff zu entschärfen.
15. Lxd7+ 15. Sxd7 Schwarz entkommt dem Tausch und wähnt sich in Sicherheit. Ein entscheidender Zwischenzug. Morphy zwingt den König nach e8.
16. Db8+ 16. Sxb8 Der einzige Zug.
17. Td8# Matt! Schachmatt! Der schwarze König ist von allen Seiten umgeben und kann nicht mehr entkommen. Es ist ein klassisches Mattbild mit dem Turm auf d8, das durch den Springer auf d7 gedeckt wird und den König blockiert.

 

 

Die Partie zeigt beispielhaft die Macht der Initiative und den Sinn des Figurenopfers

 für eine stärke Angriffsstellung. Lehrhaft auch die letzten Züge der Matt-Kombination.

 

Die Stellung nach Zug 16 von Morphy.

 

Zug_16

 


 

Quellen:

 

Overtüre - Der Barbier von Sevilla:

https://archive.org/details/barbiere-over-abbado-1978

 

 

Die Schachpartie:

 

 1.
https://de.wikipedia.org/wiki/Morphy_%E2%80%93_Karl_von_Braunschweig_und_Graf_Isoard,_Paris_1858 - oder:

2.

https://de.chessbase.com/post/die-opernpartie-von-paul-morphy-michael-prusikin - oder:

3.

https://www.chessgames.com/perl/chessgame?gid=1233404