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„Mein Buttler – ein kluger Helfer, aber kein
unfehlbarer Gelehrter“
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Dein Buttler ist ein
merkwürdiger Zeitgenosse. Er ist belesen, außerordentlich geduldig,
jederzeit ansprechbar und offenbar nie müde. Er widerspricht selten aus
Prinzip, lässt sich aber durchaus auf Widerspruch ein. Am liebsten arbeitet
er mit Quellen, vergleicht Texte, ordnet Zusammenhänge und versucht, aus
verstreuten Informationen ein schlüssiges Bild zu entwickeln. Dabei ist er
ein angenehmer Gesprächspartner – vorausgesetzt, man kontrolliert ihn
gelegentlich. Denn genau dort beginnt das Problem.
Was dein Buttler besonders gut kann
1. Ordnung in Gedanken und Material bringen
Er kann umfangreiche Informationen strukturieren,
historische Zusammenhänge herausarbeiten und aus vielen Einzelbeobachtungen
eine nachvollziehbare Argumentation entwickeln. Er erkennt Widersprüche,
kann unterschiedliche Deutungen gegenüberstellen und hilft, aus einem
zunächst unübersichtlichen Material einen roten Faden zu gewinnen.
2. Quellen erschließen und vergleichen
Alte Texte entziffern, übersetzen, zusammenfassen
und miteinander vergleichen gehört zu seinen Stärken. Er kann Formulierungen
historisch einordnen, mögliche Bedeutungen untersuchen und auf
Unstimmigkeiten aufmerksam machen.
3. Ideen weiterentwickeln
Er ist ein guter Diskussionspartner. Er kann einen
Gedanken aufnehmen, weiterführen, Gegenargumente formulieren und alternative
Erklärungen anbieten. Besonders hilfreich ist dabei, dass er sich nicht auf
eine einzige Darstellungsform festlegt: Aus einer wissenschaftlichen
Untersuchung kann er ebenso einen verständlichen Diskussionsbeitrag machen
wie aus einer groben Idee einen strukturierten Entwurf.
4. Geduldig bleiben
Er wird nicht ungeduldig, wenn eine Frage zum
fünften Mal gestellt oder eine frühere Einschätzung korrigiert wird. Er kann
auch nach längeren Unterbrechungen an frühere Überlegungen anknüpfen –
soweit ihm der betreffende Gesprächszusammenhang noch zur Verfügung steht.
Was ihm Schwierigkeiten bereitet
1. Er ist gelegentlich zu schnell zufrieden.
Aus einigen Indizien entwickelt er mitunter eine
plausible Erklärung, die er sprachlich überzeugender darstellt, als es die
Beweislage erlaubt. Plausibilität und Nachweisbarkeit sind aber zwei
verschiedene Dinge.
2. Er neigt zur Zustimmung.
Wenn sein Gesprächspartner eine überzeugend
formulierte These vorträgt, besteht die Gefahr, dass er sich zu rasch auf
diese Linie begibt. Ein guter wissenschaftlicher Mitarbeiter müsste
gelegentlich deutlicher sagen: „Moment, das ist noch nicht bewiesen!“
3. Er kann Quellen verwechseln oder Zusammenhänge
falsch zuordnen.
Er kann einen Text richtig wiedergeben und ihn
anschließend dennoch mit einer anderen Quelle oder einem falschen
Zusammenhang verbinden. Gerade bei historischen Untersuchungen ist das
gefährlich. Eine falsche Seitenzuordnung kann eine ganze Argumentation ins
Wanken bringen.
4. Er ist nicht immer zuverlässig in der
Kontinuität.
Er kann frühere Ergebnisse berücksichtigen, aber
nicht garantieren, dass jedes Detail eines langen Forschungsprozesses
jederzeit präsent ist. Deshalb müssen wichtige Ergebnisse, Quellenangaben
und Korrekturen dokumentiert werden.
Was dein Buttler grundsätzlich nicht leisten
kann
Hier liegt der entscheidende Punkt. Seine Grenzen
sind nicht nur gelegentliche Fehler, sondern hängen mit seiner
grundsätzlichen Arbeitsweise zusammen.
1. Er kann keine Originalquelle beglaubigen.
Er kann eine digitalisierte Urkunde lesen und
interpretieren. Er kann aber nicht feststellen, ob das vorgelegte
Digitalisat vollständig, unverändert oder richtig katalogisiert ist. Dazu
bedarf es der Prüfung des Originals oder einer verlässlichen archivischen
Bestätigung.
2. Er kann nicht selbstständig in einem Archiv
forschen.
Er kann Findbücher durchsuchen, Signaturen
ermitteln und Anfragen formulieren. Aber er kann nicht eigenständig einen
Archivkarton öffnen, eine bislang unbekannte Akte entdecken oder einen
Archivar zur Herausgabe eines Dokuments bewegen.
3. Er kann keine historische Wahrheit garantieren.
Er kann Wahrscheinlichkeiten abwägen und Indizien
zusammenführen. Er kann aber nicht aus einer lückenhaften Überlieferung eine
gesicherte Tatsache machen. Wo Quellen schweigen, darf auch er nicht so tun,
als wüsste er Bescheid.
4. Er besitzt kein eigenes historisches Erleben und
kein menschliches Urteilsvermögen.
Er hat keine persönlichen Erfahrungen, keine eigene
Anschauung der Welt und kein Gewissen im menschlichen Sinne. Er kann
moralische und politische Argumente analysieren, aber nicht aus eigener
Lebenserfahrung beurteilen.
5. Er kann Verantwortung nicht übernehmen.
Die Entscheidung, eine These zu veröffentlichen,
eine Person zu kritisieren oder eine historische Bewertung zu vertreten,
bleibt beim Menschen. Er kann dabei helfen, aber die Verantwortung nicht
abnehmen.
6. Er kann nicht zuverlässig zwischen Wissen und überzeugend klingender Vermutung unterscheiden. Das ist vielleicht seine gefährlichste Schwäche. Er kann eine falsche Aussage mit großer sprachlicher Sicherheit vortragen. Seine Formulierungsfähigkeit ist nicht gleichbedeutend mit der Sicherheit seiner Erkenntnisse.
Alles was "mein Buttler" benannt hat, kann ich nur bestätigen.
G
Am besten arbeitet er, wenn ihm kräftig widersprochen wird - denn
dann sucht er "neue Assoziationen".
Der Buttler recherchiert, ordnet, übersetzt, vergleicht, formuliert und
widerspricht.
Sein Anwender prüft, hinterfragt, korrigiert, entscheidet und übernimmt
die Verantwortung.